Baumgartner-Wiss Josef (1838–1910)

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Der Schreinermeister Josef Baumgartner-Wiss zügelt seinen Schreinerbetrieb aus dem bäurisch geprägten Rumentikon in das aufstrebende Industriedorf Hagendorn. Er ist zudem Posthalter und auch politisch engagiert.

Portrait von Baumgartner-Wiss Josef (1838–1910)
Portrait von Baumgartner-Wiss Josef (1838–1910)

Vorname: Josef
Nachname: Baumgartner-Wiss
Geschlecht: männlich
Geburtsdatum: 9. Juni 1838
Geburtsort: Cham ZG
Todesdatum: 13. Oktober 1910
Todesort: Cham ZG



Leidbild von Josef Baumgartner-Wiss

Stationen

1838 Josef kommt am 9. Juni in Cham auf dem Hof Grindel als jüngstes von vier Geschwistern zur Welt. Seine Eltern sind von Anna Elisabeth und Josef Burkard Baumgartner-Schwerzmann von Cham. Er wächst in Cham, Lindencham und Rumentikon auf und lernt wie sein Vater und seine Brüder den Beruf des Schreiners. [1]

1850 Damals wirken in der Gemeinde Cham nicht weniger als 14 (!) Schreiner. [2]

1861 Als sein Vater Josef Burkard Baumgartner ein halbes Haus mit Garten und Umgelände in Rumentikon (Ass.-Nr. 76, heute Ecke Dorf-/Schützenhausstrasse, ehemaliger «Sternen») kauft, wohnt Josef junior noch immer bei den Eltern. Josef junior ist 23-jährig und der einzige der Söhne, der noch mit dem Vater schreinert. [3]

1878 Er heiratet Anna Maria Wiss (auch Wyss geschrieben) (1838–1903). Sie ist die Tochter von Alois und Anna Maria Wiss-Sifrig, die den «Sternen» in Rumentikon betreiben. [4] Obwohl der jüngste Sohn, übernimmt Josef Baumgartner-Wiss als Vertreter der zweiten Generation die Leitung der Schreinerei. Er verlegt den Firmensitz von Rumentikon nach Hagendorn. Dazu kaufte er Ende 1877 ein Grundstück von 25 Aren in der Lorzenweid [5].

Dort erbaut Baumgartner-Wiss einen bemerkenswerten Firmensitz für die junge Schreinerei: An der Lorzenweidstrasse 88 steht gegen die Strasse hin sein Wohnhaus, dahinter liegt, direkt an der Lorze, seine Werkstatt (Ass.-Nr. 216a, 216b, Abbruch Juni 2010). [6]

Obwohl direkter Anrainer der Lorze nutzt Schreinermeister Baumgartner-Wiss nicht die Wasserkraft des Flusses; dies wohl deshalb, weil wenige Meter lorzenaufwärts bereits die Spinnerei und Weberei Hagendorn die Wasserkraft für ihren industriellen Grossbetrieb verwendet, das Restwasser dürfte nicht ausgereicht haben. Deshalb hat Baumgartner-Wiss gemäss mündlicher Überlieferung zunächst den Grobenmoosbach genutzt, der das Gebiet Lindencham-Grobenmoos entwässert. Ein von aussen sichtbares Wasserrad versorgt die Schreinerei mit Fliessenergie. Doch der Wasserzufluss von dieser Seite ist so bescheiden, dass der Betrieb trotz Stauung öfters nach einer Viertelstunde eingestellt werden muss ...! [7]

Das Wohnhaus ist für damalige Verhältnisse stattlich: Baumgartner lässt die Fenster verdachen und Schmuckelemente im Stil der Neurenaissance anbringen. Im Grundbuch lässt Baumgartner festschreiben, dass in der Liegenschaft keine Gastwirtschaft betrieben werden darf. [8] Der Chamer Weiler Hagendorn ist damals mit dem Vollbetrieb der Spinnerei und Weberei im Aufbruch. Baumgartner-Wiss profitiert auch von diesem Aufschwung; direkt durch die Neubauten, aber auch indirekt, in dem während gut zehn Jahren immer wieder Arbeiter der Spinnerei in seinem Wohnhaus wohnen. [9]

1887 Spätestens seit diesem Jahr befindet sich die Postablagestelle von Hagendorn im Haus von Baumgartner-Wiss an der Lorzenweidstrasse 88. Damit ist der Schreinermeister auch noch offiziell Posthalter von Hagendorn. [10]

1893 Schreinermeister Baumgarter-Wiss investiert massiv in die Wasserkraft. Dazu legt er einen Stauweiher im Tobelbach an, installiert das dazugehörige Stauwehr und verbindet den Wasserspeicher mit seinem Betrieb mit einer Leitung über die Lorze hinweg. Auf diese Weise kann er das Wasser aus dem Einzugsgebiet Oberwil-Bibersee nutzen: Grossen Anteil an der Optimierung dieser privaten Energieerzeugung hat dabei sein Sohn Heinrich Baumgartner (1871–1896), der drei Jahre später im jungen Alter von 25 Jahren stirbt. Ob zu Beginn bereits eine Peltonturbine mechanische Energie erzeugt, ist denkbar (Patent 1880), aber nicht belegt (denkbar ist auch der Einsatz eines klassischen Wasserrades oder einer Francis-Turbine). Die 300 Meter langen Leitungsrohre liefern die Zürcher Firmen Guggenbühl & Müller und Rudolf Ganz & Cie., die Verzinkerei Bubikon erstellt die Wasserleitung und verlangt dafür 2200 Franken. Für 1500 Franken kauft Josef Baumgartner eine Hobelmaschine, die er in seinem Betrieb neu installiert. [11]

1904 Die Chamer wählen Baumgartner-Wiss in den Kantonsrat, wo er die Freisinnigen vertritt. [12]

1907 Der jüngste Sohn von Anna und Josef Baumgartner-Wiss, Gottfried, ist 29 Jahre alt und übernimmt die Firma von seinem Vater. Er bezahlt für Liegenschaften und Boden 30'000 Franken. Damit ist die dritte Generation in die Veranwortung hineingewachsen. Wie sein Vater hat auch Gottfried die Meisterprüfung abgelegt und bestanden. Er bringt den Betrieb zur Blüte, auch finanziell. Er übernimmt nicht nur die Schreinerei, sondern auch die Hagendorner Poststelle von seinem Vater. [13]

1910 Josef Baumgartner-Wiss stirbt am 13. Oktober im Alter von 72 Jahren, «nach längerer, geduldig ertragener Krankheit». [14]


Würdigung

Josef Baumgartner-Wiss war ein tüchtiger Geschäftsmann, der erfolgreich wirtschaftete. «Von Hause aus unbemittelt, aber mit einer vorbildlichen Energie und Arbeitsfreudigkeit ausgestattet, brachte Herr Kantonsrat Baumgartner sein Geschäft zu höchster Blüte.» Weil er so vielseitig war, wurde er «im Laufe der Jahre wohl der bekannteste und leistungsfähigste Schreiner des Kantons Zug». [15] Innovativ zeigte er sich bei der Energieversorgung seines Betriebs: Weil der Grobenmoosbach im Westen des Betriebs immer wieder zu wenig Wasser hatte, um die Maschinen am Laufen zu halten, erstellt Baumgartner am Tobelbach einen Stauweiher.


Einzelnachweise

  1. Orsouw, Michael van, Zur Geschichte der Fensterfabrik Baumgartner, Typoskript, Zug 2010. Villiger, Emil, Stammbaum der Baumgartner von Cham und Hünenberg, 1931
  2. Staatsarchiv Zug, Datenbank Volkszählung 1850
  3. Zuger Nachrichten, 18.10.1910
  4. Privatarchiv Baumgartner Hagendorn, Handzettel
  5. Privatarchiv Baumgartner Hagendorn, Kaufvertrag vom 07.12.1877, Heinrich Wiss verkauft das Grundstück an Josef Baumgartner für 1800 Franken
  6. Orsouw, Michael van, Zur Geschichte der Fensterfabrik Baumgartner, Typoskript, Zug 2010, S. 4
  7. Freundliche Auskunft von Gottfried und Thomas Baumgartner, Hagendorn, 22.01.1997
  8. Grundbuchauszug, Eintrag 21.01.1878
  9. Freundliche Auskunft von Gottfried und Thomas Baumgartner, Hagendorn, 22.01.1997
  10. Auf dieses Jahr deutet ein erhaltener Briefentwurf an die Kreispostdirektion Zürich vom 20.05.1887 hin. Vgl. dazu Orsouw, Michael van, Zur Geschichte der Fensterfabrik Baumgartner, Typoskript, Zug 2010, S. 5
  11. Privatarchiv Baumgartner Hagendorn, Rechnungen. Orsouw, Michael van, Zur Geschichte der Fensterfabrik Baumgartner, Typoskript, Zug 2010, S. 7
  12. Staatsarchiv Zug, Personen- und Ämterverzeichnis [Stand: 14.02.2019]
  13. Orsouw, Michael van, Zur Geschichte der Fensterfabrik Baumgartner, Typoskript, Zug 2010, S. 8
  14. Zuger Nachrichten, 18.10.1910
  15. Zuger Nachrichten, 18.10.1910