Marti-Weingand Vinzenz (1922–1990)

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Portrait von Marti-Weingand Vinzenz (1922–1990)
Portrait von Vinzenz Marti-Weingand (1922–1990)

Vorname: Vinzenz
Nachname: Marti-Weingand
Geschlecht: männlich
Geburts­datum: 7. Mai 1922
Geburt­sort: Cham ZG
Todes­datum: 4. Januar 1922
Todes­ort: Cham ZG
Beruf: Bäcker, Wirt

Vinzenz Marti-Weingand wuchs im Restaurant Rössli an der Sinserstrasse auf, das er ab 1950 selber führte. Zeitweilig nannte er das «Rössli» zeittypisch «Chez Vincent».



Viz Marti in jungen Jahren, undatiert (um 1940)
Beim Grill anlässlich der Chamer Sommernachtsspiele «Eine Nacht in Venedig», 1951
Die Familie Marti-Weingand vor dem «Rössli», 1962
«Viz» Marti mit seiner geliebten Filmkamera, 1985


Stationen

1922 Vinzenz kommt am 7. Mai zur Welt, einem Sonntag. [1] Seine Eltern sind Theresia (1883–1962) und Vinzenz Marti-Müller (1889–1959), die seit 1919 das Gasthaus Rössli in Cham besitzen und führen. Sie ist Lehrerstochter und stammt vom Huobrain in Hünenberg; er stammt aus Richenthal LU und war bereits seit zehn Jahren in Cham im «Bären» angestellt gewesen. Vinzenz junior hat zwei Schwestern. [2] Er erlebt eine unbeschwerte Jugendzeit und streift viel durch die Natur. [3]

1937 Nach den obligatorischen Schulen in Cham lernt Vinzenz Marti den Beruf eines Bäcker und Konditors, dazu begibt er sich nach St. Gallen, wo er einen strengen Lehrmeister hat. Nach dem ersten Lehrabschluss zieht es Marti nach Zürich, wo er im Zunfthaus «Zur Zimmerleuten» eine Zusatzlehre als Koch absolviert. Er lernt dort unter anderem die Feinheiten der französischen Küche kennen. [4]

1950 Am 13. April heiratet Vinzenz Marti Josefine (Josy) Weingand (1925–2017) in der Pfarrkirche St. Jakob in Cham. Das frisch verheiratete Paar übernimmt per 1. September das «Rössli» an der Sinserstrasse von Vinzenz’ Eltern Theresia und Vinzenz Marti-Müller, welche die Gaststätte während 31 Jahren geführt haben. [5]

1957 Mit Architekt Hans Büchler erweitert Vinzenz Marti die Liegenschaft Rössli. Er baut die Kegelbahn im Untergeschoss ein, erweitert die Küche und die Toilettenanlagen. [6] Beim Anbau auf der Ostseite entsteht auch eine Autogarage. [7] Marti nennt das «Rössli» dem damaligen Zeitgeist entsprechend «Chez Vincent».

1960 Nach Brigitta und Monika kommt jetzt noch Irène zur Welt, damit ist das «Dreimädelhaus», wie die Familie Marti-Weingand scherzeshalber genannt wird, komplett. [8]

1964 Vinzenz Marti-Weingand erfindet die «Chomer Märt-Platte». An einem Kochwettbewerb der Landesausstellung Expo 64 in Lausanne nimmt Marti mit seinem Rezept teil und erhält die «Medaille d’or». [9]

1967 Vinzenz Marti ist 45-jährig; er verpachtet das «Rössli» an Küchenchef Walter Rüfenacht (*1933). [10] Marti findet eine Anstellung als Verkaufsberater in der Lebensmittelbranche und hat nun mehr Zeit für die Familie, für Kameraden, fürs Filmen und für die Streifzüge durch die Natur. [11] Später wirkt er als Verkaufsleiter der Firma Polytronic in Muri AG. [12]

1986 Nach einer Hirnblutung wird sein Leben sehr beschwerlich. Nach längeren Spital- und Kuraufenthalten kann er wieder nach Hause, wo er sich sehr wohlfühlt. [13]

1990 Vinzenz Marti-Weingand stirbt unerwartet und überraschend am 4. Januar im Alter von 67 Jahren. [14]


Anekdote

Vinzenz Marti-Weingand wurde von seinen Freunden «Viz» genannt. Der Montag war für ihn ein spezieller Wochentag, als er bereits gesundheitlich angeschlagen war. Denn immer montags traf er sich jeweils mit seinem Freund Karl Zimmermann und verbrachte unzählige Stunden im «Weidschürli». Dort kochte Zimmermann selbstgefangene Forellen aus der Reuss, wie es ihm Vinzenz beigebracht hatte. [15]


Würdigung

Als Koch und Wirt im «Rössli» und als Erfinder der «Chomer Märt-Platte» war Vinzenz Marti-Weingand war im Chamer Dorfleben eine bekannte Figur. «Es war für ihn eine Genugtuung zu wissen, dass die feine Küche dank seinen Anstrengungen weitherum geschätzt wurde.» [16]


Dokument

1510 Marti-Weingand Vinzenz (1922–1990) diplom märtplatte DSC 0651.jpg

Das Diplom für die Chomer Märt-Platte, 1964


Einzelnachweise

  1. Leidbildchensammlung von Marie Theres Widmer, Cham, zur Verfügung gestellt am 12.06.2021
  2. Zugersee-Zeitung, 27.02.1959. Zugersee-Zeitung, 16.11.1962
  3. Lebenslauf Vinzenz Anton Marti, freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Irène Schelbert-Marti, Mühlau, 18.10.2021
  4. Lebenslauf Vinzenz Anton Marti, freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Irène Schelbert-Marti, Mühlau, 18.10.2021
  5. Lebenslauf Vinzenz Anton Marti, freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Irène Schelbert-Marti, Mühlau, 18.10.2021
  6. Staatsarchiv Zug, G 468, Wirtepatente, Mappe Rössli, Erneuerungsgesuch vom 18.03.1957
  7. Zugersee-Zeitung, 06.12.1957
  8. Lebenslauf Vinzenz Anton Marti, freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Irène Schelbert-Marti, Mühlau, 18.10.2021
  9. Diplôme concours culinaire, 24.10.1964, freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Irène Schelbert-Marti, Mühlau, 18.10.2021
  10. Staatsarchiv Zug, G 468, Wirtepatente, Mappe Rössli, Gesuch vom 05.01.1967
  11. Lebenslauf Vinzenz Anton Marti, freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Irène Schelbert-Marti, Mühlau, 18.10.2021
  12. Freundliche Mitteilung von Irène Schelbert-Marti, Mühlau, 27.10.2021
  13. Lebenslauf Vinzenz Anton Marti, freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Irène Schelbert-Marti, Mühlau, 18.10.2021
  14. Leidbildchensammlung von Marie Theres Widmer, Cham, freundlicherweise zur Verfügung gestellt am 12.06.2021
  15. Lebenslauf Vinzenz Anton Marti, freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Irène Schelbert-Marti, Mühlau, 18.10.2021
  16. Lebenslauf Vinzenz Anton Marti, freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Irène Schelbert-Marti, Mühlau, 18.10.2021