Jung-Locher Emil (1903–1964)

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Der Mediziner Dr. med. Emil Jung-Locher kam 1931 nach Cham, um die Praxis von Dr. Fritz Bossard zu übernehmen. Er wohnte mit seiner Familie und wirkte in der Villa Cottage an der Hünenbergerstrasse 17.

Portrait von Jung-Locher Emil (1903–1964)
Portrait von Jung-Locher Emil (1903–1964), 1964

Namenszusatz: Dr. med.
Vorname: Emil
Nachname: Jung-Locher
Geschlecht: männlich
Geburtsdatum: 12. Juni 1903
Geburtsort: Rheineck SG
Todesdatum: 9. März 1964
Todesort: Cham ZG
Beruf: Ärzte




Klärli und Emil Jung-Locher am «Couleur Ball» in Basel, 1934
1952 Emil und Klärli in heiterer Stimmung an der Weltausstellung der Fotografie in Luzern

Stationen

1903 Emil Jung kommt am 12. Juni in Rheineck, im St. Galler Rheintal, zur Welt. Er ist Bürger von Niederhelfenswil SG. Sein Vater ist Postbeamter, sein Grossvater Arzt. [1] Nach dem Gymnasium in Engelberg studiert er Medizin an den Universitäten in Basel, Wien und Zürich. [2]

1929 Emil Jung legt die Matura am humanstischen Gymnasium in Engelberg ab. Er ist ein begabter Schüler, spielt auch mehrere Musikinstrumente und leitet zeitweilig sogar ein Studentenorchester. [3]

Jung schliesst sein Studium mit dem Staatsexamen ab. [4]

1930 Seine Dissertation mit dem Titel «Zur Frage der weiblichen Genitaltuberkulose kombiniert mit Adrenomyosis» erscheint in Aarau. [5] Er wird Assistent im Spital in Altstätten im Rheintal. Der Chefarzt dort ist der Chamer Albert Hildebrand (1890–1958), der ihn auf eine frei werdende Arztpraxis in Cham aufmerksam macht. [6]

1931 Der junge Mediziner erwirbt in Zug das kantonale Patent [7] und kann die Praxis von Dr. Fritz Bossard im Mattli beim Bahnhof Cham übernehmen. Dr. Jung bringt frischen Wind ins Dorf. [8] Beim ersten Samariterkurs, den Jung mit Bahnhofsvorstand Martin Kuhn organisiert, nehmen über 100 Chamerinnen und Chamer teil. Jung richtet das Magazin für Krankenmobilien ein, organisiert Kurse für häusliche Krankenpflege und setzt sich für die Ortswehr-Sanitätsgruppe ein. Zudem wirkt er als Schularzt und Mitglied der gemeindlichen Gesundheitskommission.

1933 Der junge Arzt heiratet Claire Locher aus Cham und erwirbt die Villa Cottage an der Hünenbergerstrasse 17. Das Ehepaar Jung-Locher baut die Liegenschaft für ihre Zwecke als Wohnhaus und Arztpraxis um. [9]

1942 Als das Chamer Strandbad eröffnet wird, setzt sich Emil Jung dafür ein, dass die Kinder sich sonnen, um der Rachitits vorzubeugen. Damit riskiert er einen Konflikt mit dem katholischen Pfarrer Josef Muff (1905–1994), der das Strandbad als Sündenpfuhl bezeichnet. [10]

1964 Dr. Jung stirbt am 9. März im Alter von nicht ganz 61 Jahren. Er litt an einer bipolaren Störung und hatte häufig unerklärliche Stimmungsschwankungen. [11] «Vereinsamung und Krankheit bedrückten ihn, und ein rascher Tod entriss ihn dieser Erde.» [12]

Das Buch über Emil Jung-Locher

Seine Tochter Clairelise Montani-Jung veröffentlicht 2017 das Buch «Sei lieb mit Klärli». [13] Der Werbetext meint zum Buchinhalt: «Eine grosse Liebe, eine gemeine Intrige, eine tragische Krankheit, eine mondäne Ehe, die vom Traum zum Alptraum wird - und zuletzt ein Happy End mit exotischem Kolorit: Stoff für einen epischen Liebesroman. Mit einem Unterschied: Diese Geschichte ist wahr. Voller Feinfühligkeit und Sprachtalent erzählt Clairelise Montani-Jung die Lebensgeschichte ihrer Mutter Claire Jung-Locher. Ihre Erzählung basiert auf ihren Erinnerungen an ihre Kindheit im berühmten «Cottage» in Cham, Interviews mit Familienmitgliedern und Zeitzeugen und vor allem auf Briefen, die ihre Mutter bis zu ihrem Tod niemandem gezeigt hat. Das Buch enthüllt Abgründiges über den heiss geliebten Vater der Autorin, den charmanten, angesehenen Dr. Emil Jung aus Cham. Dinge, die wohl niemand, der ihn kannte, für möglich gehalten hätte – genauso wenig wie die geheime Vorgeschichte dieser nach aussen vorbildlich scheinenden Ehe. Eine Achterbahnfahrt der Gefühle.»


Medikament erfunden

Emil Jung-Locher tüftelte neben seiner Praxistätigkeit an der Rezeptur eines neues Schmerzmittels. Er nannte es «Supralgin», liess es industriell herstellen und zu sich nach Cham liefern. Seine Frau und Helferinnen füllten die Pillen in «Supralgin»-Röhrchen, die Emil Jung selber entworfen hatte. Beste Kundin des Schmerzmittels war übrigens die Papierfabrik Cham: «Supralgin zauberte den Arbeitern ihre Kopfschmerzen weg und steigerte die Arbeitsmoral.» [14]

Fotogalerie

Aus dem Leben der Familie Jung-Locher


Einzelnachweise

  1. Steiner, Hermann, Das Spital Cham im Rahmen seiner Ortsgeschichte, in: Heimatklänge, kulturelle Beilage zu den «Zuger Nachrichten» 66, 1986, S. 47
  2. Zumbach, Ernst, Zuger Ärzte, Apotheker, Zahn- und Tierärzte, Zug 1940, S. 24
  3. Montani, Clairelise, Sei lieb mit Klärli, Norderstedt 2017, S. 48
  4. Zumbach, Ernst, Zuger Ärzte, Apotheker, Zahn- und Tierärzte, Zug 1940, S. 24
  5. Zumbach, Ernst, Zuger Ärzte, Apotheker, Zahn- und Tierärzte, Zug 1940, S. 24
  6. Zuger Nachrichten, 28.03.1964
  7. Zumbach, Ernst, Zuger Ärzte, Apotheker, Zahn- und Tierärzte, Zug 1940, S. 24
  8. Zuger Nachrichten, 28.03.1964
  9. Montani, Clairelise, Sei lieb mit Klärli, Norderstedt 2017, S. 76
  10. Montani, Clairelise, Sei lieb mit Klärli, Norderstedt 2017, S. 50
  11. Montani, Clairelise, Sei lieb mit Klärli, Norderstedt 2017, S. 129
  12. Steiner, Hermann, Das Spital Cham im Rahmen seiner Ortsgeschichte, in: Heimatklänge, kulturelle Beilage zu den «Zuger Nachrichten» 66, 1986, S. 47
  13. Montani, Clairelise, Sei lieb mit Klärli, Norderstedt 2017, ISBN: 978-3-7431-4211-4
  14. Montani, Clairelise, Sei lieb mit Klärli, Norderstedt 2017, S. 97