Hockey-Club Cham

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Als 1929 der Zugersee zufror, gründeten einige Männer wohl recht spontan den «Hockey-Club Cham». Damit entstand in Cham der erste Eishockeyclub im Kanton Zug.

Clubmitglieder beim Eishockeyspiel mit improvisiertem Hockey Goal, 1929


Chronologie

1929 Der Februar ist bitterkalt. An der Südflanke eines stationären Hochdruckgebiets über Nordeuropa strömen eisige Kontinentalluftmassen aus Russland nach Mitteleuropa. [1] Am 13. friert der Zugersee über Nacht zu. Die tragfähige Eisschicht hält bis gegen Ende März. Am 15. Februar wird die Eisfläche freigegeben: Tag für Tag spazieren Familien auf dem See, Kinder rutschen herum oder treffen sich zum Schlittschuhlaufen. Einzelne wagen sich sogar mit Automobilen und Motorfahrrädern auf den See. [2]

In Cham nutzen elf Männer die Gunst der Stunde, organisieren Stöcke und Tore, spielen Eishockey und gründen (wohl ganz spontan) den «Hockey-Club Cham». Diese Gründung dokumentieren sie mit einer Fotografie. [3] Die ersten bekannten Eishockeyspieler des Kantons tragen Wollpullover, darunter weisse Hemden und etliche dazu noch Krawatten. Der Mann, der auf dem obigen Bild auf der Torumrandung sitzt und das Schild hält, ist Walter Suremann (1889–1971). Er zieht 1916 nach Cham, arbeitet bei der Nestlé und bei der Papierfabrik und nimmt rege am Chamer Vereinsleben teil: Er spielt im Orchesterverein Geige und übernimmt bei der Theatergesellschaft mehrfach die Hauptrolle. [4] Ein anderes Mitglied ist Ernst Ast (1903–1997), der im Schlosspark St. Andreas als Gärtner arbeitet. [5] Die Chamer Hockeyfreunde sind ohne grosse Ansprüche: Weil offenbar kein Tornetz vorhanden ist, legen sie die gestreifte Torumrandung einfach auf das Eis.

Über die weitere Entwicklung des Hockey-Clubs Cham ist nichts bekannt. War es bloss eine Gründung aus Jux ohne längerfristige Planung? Kam es je zu einer richtigen Gründung mit Vereinsstatuten und zumindest einer Generalversammlung? Das Fehlen von Schriftquellen deutet darauf hin, dass der «Hockey-Club Cham» nur während wenigen Wochen im kalten Spätwinter 1929 existiert. Die frühen Zentren des Eishockey in der Schweiz waren die Waadtländer und Bündner Kurorte (1923 Erstaustragung des Spenglercups in Davos).

1953 Das nächste Kapitel der Zuger Eishockeygeschichte wird nicht auf dem Zugersee, sondern auf dem kleinen «Brauiweiher» im Lättich bei Baar geschrieben. Auf diesem bereits im späten 19. Jahrhundert von der Brauerei Baar zur Eisgewinnung künstlich angelegten Gewässer gründen junge Männer den Baarer Schlittschuhclub (BSC). [6] Aus diesem Verein geht 1967 der Eissportverein Zug (EVZ), Schweizermeister 1998 und 2021, hervor.

2020 91 Jahre nach der Seegfrörni wird in Cham an der Knonauerstrasse das Disziplinen übergreifende Kompetenzzentrum für Spitzenathletik OYM («on your marks»), u.a. mit einem grössenverstellbarem Eisfeld, eröffnet. [7]


Einzelnachweise

  1. Pfister, Christian et al., Wetternachhersage. 500 Jahre Klimavariationen und Naturkatastrophen, Bern 1999, S. 99
  2. Zuger Kalender, Chronik 14.02.1929. Zuger Neujahrsblatt, Chronik 15.02.1929. Zuger Kalender, Chronik 17.02.1929
  3. Vereinsarchiv Orchester Cham-Hünenberg, Bestand Walter Suremann
  4. Freundliche Mitteilung von August Sidler, Cham, 13.04.2020
  5. Freundliche Mitteilung von Ursula Odermatt-Ast, Walchwil, 11.05.2020
  6. Bart, Philippe / Windlin, Sabine / Kleeb, Ueli, Brauerei Baar 1862–2012. Baar 2012, S. 39f, 86–88
  7. Zuger Zeitung, 18.01.2020