Hirzenchäller

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Hirzenchäller, 2018
Malerische Situation beim Hirzenchäller, Zeichnung von 1841
Der Hirzenchäller ganz links; Schmitte und Villa rechts - auf einer Zeichnung des Zugers Thomas Anton Wickart (1793–1876), um 1850
Der Bauherr des Hirschparks und des besonderen Kellers: Johann Jakob Vogel-Nötzli (1783–1841)

Hammerschmied und Eisenhändler Johann Jakob Vogel legte auf der Ostseite der Lorze seinen Hirschpark an. In den Hang hinein baute er einen originellen Rundbau mit einem Durchmesser von fünf Metern, der wahrscheinlich der Lagerung von Futter und Lebensmitteln diente. Oben auf den Rundbau setzte er einen romantisch wirkenden Pavillon.


Chronologie

um 1825 Johann Jakob Vogel-Nötzli (1783–1841) ist Eisenhändler «Zum schwarzen Horn» in Zürich. Einer seiner Kunden bleibt ihm Geld schuldig - der Hammerschmied Aloys Bernauer in Cham, der Konkurs geht. Deshalb kauft Vogel 1825 die Chamer Hammerschmiede aus der Konkursmasse. Der Schätzwert der Liegenschaften im Hammer beträgt 13'100 Gulden. Zum Vergleich: Bauernhäuser mit Nebengebäuden haben einen Wert von 3000 bis 4000 Gulden. Vogel baut an der Lorze unten ein elegantes Herrenhaus und umgibt es mit einem Park, gestaltet im englischen Stil. Vogel-Nötzli bezieht beim Anlegen seines Park auch die Ostseite der Lorze mit ein. Dort legt er einen Hirschpark an. In den Abhang hinein baut er dazu den Hirzenchäller, einen Rundbau mit einem Durchmesser von fünf Metern. Er gleicht den runden Trullo-Bauten, wie sie aus Apulien bekannt sind und auch in rheinhessischen Rebbergen als Schutzhütten vorkommen. Der Name Hirzenchäller bezieht sich auf Hirz, das alte Wort für Hirsch, es ist also ein Hirschenkeller. Möglich ist, dass der Hirzenchäller für die Lagerung von Hirschfleisch, aber auch von Tierfutter und Gerätschaften diente. Dafür spricht, dass der Keller auf der schattigen Lorzenseite im Vogelwäldli unmittelbar bei der Mündung des Teuflibachs in die Lorze angelegt ist, weil es dort eher kühl ist, was sich für die Lagerung von Lebensmitteln eignet. [1]

1841 Der Hirzenchäller ist auf einer historischen Ansicht zu sehen. [2]

2013 Der Hirzenchäller wird unter kantonalen Denkmalschutz gestellt. [3]

2014 Der Hirzenchäller ist ein interessantes Baudenkmal. Er steht für den aufkommenden Wohlstand der Industriellen im 19. Jahrhundert; deren alltäglich eingesetzte Technik wird kontrastiert von der romantischen Inszenierung eines Hirschparks. Von März bis Mai 2014 wird der Hirzenchäller detailgetrau restauriert. Als Vorlage dient die historische Abbildung von 1841. Auf die Betondecke von 1930 setzt man eine neue Kuppel, wiederum aus Beton, zudem verbessert man das in Jahre gekommende Mauerwerk und rekonstruiert den Holzpavillon aus Robinienholz mit Schilfdach aufgrund der Abbildung. [4] An den Renovationskosten von 150'000 Franken beteiligten sich neben der Einwohnergemeinde Cham auch das kantonale Amt für Denkmalpflege mit 40'000 und die Stiftung Pro Patria mit 10'000 Franken. [5]

2015 Der neue Lorzenweg führt direkt am Hirzenchäller vorbei.


Aktueller Kartenausschnitt

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Einzelnachweise

  1. Zurfluh, Christoph, Hammer, Von der «Chupferstrecki» 1690 bis zur «Ära Lüdi» 2014, Cham 2014, S. 58f. Grünenfelder, Josef, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe Band II, Bern 2006, S. 271
  2. Zurfluh, Christoph, Hammer, Von der «Chupferstrecki» 1690 bis zur «Ära Lüdi» 2014, Cham 2014, S. 68f. (Bild aus der Sammlung Funk)
  3. SKK Landschaftsarchitekten, Hirzenchäller, Restaurierungsprojekt Teil 1, Typoskript, September 2013
  4. SKK Landschaftsarchitekten, Hirzenchäller, Restaurierungsprojekt Teil 1, Typoskript, September 2013
  5. Neue Zuger Zeitung, 01.07.2014