Bossard-Schwerzmann Elise (1848–1912)

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Portrait von Bossard-Schwerzmann Elise (1848–1912)
Portrait von Elisabeth Antonia Bossard

Vorname: Elisabeth Antonia (Elise)
Nachname: Bossard-Schwerzmann
Geschlecht: weiblich
Geburts­datum: 8. November 1848
Geburt­sort: Zug ZG
Todes­datum: 27. Januar 1912
Todes­ort: Cham ZG
Beruf: Hausfrau

Elise Bossard-Schwerzmann war die Schwester von Adelheid Page-Schwerzmann und die Ehefrau von Alois Bossard, dem streitbaren Rechtsanwalt und Direktor der Chamer Milchsüdi. Sie wohnte zuerst im «Cottage» an der Hünenbergerstrasse und ab 1903 im alten Raben an der Luzernerstrasse.



Elise Bossard mit Sohn Alois (1881–1958), genannt «Wisy», und Tochter Ada (1883–1952), wahrscheinlich auf dem Zugerberg
Elise Bossard mit Tochter Ada


Stationen

1848 Elisabeth Antonia kommt am 8. November als dritte Tochter der Familie Schwerzmann-Weiss in Zug zur Welt, ihre Eltern sind Agathe (1816–1879) und Karl Kaspar (1801–1858) Schwerzmann-Weiss. Sie wird Elise genannt. Die Familie wohnt an der Neugasse 12 und hat insgesamt fünf Töchter. Die Familie Schwerzmann betreibt eine Glashandlung, die Medizinfläschchen, Hotelgläser und Fensterglas verkauft. Vater Karl Kaspar arbeitet zugleich als Fremdenführer. [1]

1858 Als Elise zehn Jahre alt ist, stirbt ihr Vater Karl Kaspar im Alter von 52 Jahren an einem Herzschlag. Die Mutter Agathe Schwerzmann ist 43 Jahre alt, verwitwet und muss die fünf Töchter im Alter zwischen 17 und 4 Jahren durchbringen. [2]

1866 Elises Mutter gibt das Glashandelsgeschäft an der Neugasse 12 auf. Die Witwe zieht mit ihren zwei jüngsten Töchtern Elise und Adelheid (1853–1925) für kurze Zeit in die Vorstadt, dann an die St.-Oswalds-Gasse 17 in Zug um, zur ältesten Schwester, zu Friedericke, die den Arzt Franz Sidler geheiratet hat. [3] Elise, mittlerweile 18 Jahre alt, gilt als die häusliche der Schwerzmann-Schwestern und ist für den Haushalt zuständig. [4]

1880 Am 3. April heiratet die 32-jährige Elisabeth Antonia Schwerzmann den bald 39-jährigen Alois Bossard (1841–1912), einen bereits rechtskräftig verurteilten und prozessfreudigen Rechtsanwalt. [5] Diese Heirat ist erst möglich, nachdem Elises Mutter Agathe verstorben ist, weil diese keine Freude an der Verbindung ihrer Tochter mit dem streitbaren Bossard hatte. [6] In der Familie sorgt man für die junge Familie Bossard-Schwerzmann. Zum einen bekommt sie mehr von der Erbschaft, weil sie jahrelang ohne Entgelt den Haushalt geführt hat. [7] Zum anderen übergibt Schwager George Ham Page-Schwerzmann (1836–1899), der Generaldirektor der Anglo Swiss Condensed Milk Company, Elises Mann Alois Bossard die Leitung der Anglo-Swiss-Niederlassung in Paris, in der Nähe des Gare St. Lazare. Die Familie Bossard zieht nach Paris, und Alois Bossard liebt das Leben an der Seine «über alles», während sich Elise mit dem Leben in der Grossstadt schwer tut. [8]

1881 Sohn Alois (1881–1958) kommt in Paris zur Welt. Später folgen die Töchter Ada (1883–1952) und Emma (*1886), für deren Entbindung Elise jeweils nach Cham reist. [9]

1887 Nach knapp sieben Jahren kehrt das Ehepaar Elise und Alois Bossard-Schwerzmann aus Paris zurück. [10] Bossard übernimmt zuerst eine Direktorenstelle bei der Papierfabrik Landquart. Weil es nicht nach Wunsch läuft, quittiert er den Job und kommt nach Cham zurück. Alois erhält eine Aufgabe in der Direktion der Anglo-Swiss in Cham. [11]

1889 Elises Ehegatte Alois Bossard wird von den Chamern in den Kantonsrat gewählt (bis 1894). [12] Dennoch findet er neben Politik und Beruf Zeit, um diverse Prozesse anzuzetteln: Er streitet mit Nachbarn wegen Wegrechten und mit der Zuger Regierung wegen Wasserrechten. [13]

1890 Weil Adelheid und George Page-Schwerzmann nach Amerika umziehen, können Elise und Alois Bossard-Schwerzmann die herrschaftliche Villa «Cottage» an der Hünenbergerstrasse bewohnen. [14]

1899 Als Schwager George Ham Page bei Bossards zuhause Urlaub macht, erleidet er am 20. April einen Herzschlag und stirbt. [15] Daraufhin wird Alois Bossard in den Verwaltungsrat der Anglo-Swiss Condensed Milk Company gewählt. [16] Er schlägt sich bei den einsetzenden Fusionsverhandlungen zwischen Anglo-Swiss und Nestlé auf die Seite der Fusionsbefürworter, zusammen mit Adelheid und Fred Page (1877–1930), den direkten Nachkommen von George HAm Page.

1903 Elise Bossard-Schwerzmann kauft die Liegenschaft zum Alten Raben an der Luzernerstrasse 40. [17] Die Familie dürfte dorthin umgezogen sein. Im gleichen Jahr kauft Elises Schwester Adelheid Page-Schwerzmann das Schloss St. Andreas. [18]

1905 Alois Bossard leitet erfolgreich die Gruppe der Aktionäre, die eine Fusion der Anglo-Swiss mit Nestlé befürworten. [19]

1908 Bossard tritt aus gesundheitlichen Gründen aus der Generaldirektion zurück, verbleibt aber im Verwaltungsrat der neu fusionierten Gesellschaft Nestlé & Anglo-Swiss und wirkt dort als ständiger Unruheherd. An der Generalversammlung 1908 stellt er sich öffentlich gegen den Verwaltungsrat. [20]

1910 Auf Betreiben ihrer Schwester Adelheid Page-Schwerzmann spenden Elise und Alois Bossard-Schwerzmann 10'000 Franken für die Betriebskosten des geplanten und von Adelheid finanzierten Sanatoriums Adelheid in Unterägeri. [21]

1912 Elise Bossard-Schwerzmann stirbt am 27. Januar, ihr Ehemann Alois eine Woche später, am 2. Februar. [22]


Würdigung

Elise Bossard-Schwerzmann hatte kein leichtes Leben. Zuerst stand sie unter Fuchtel ihrer Mutter Agathe, dann ihrer Schwester Adelheid, schliesslich machte ihr die Prozessfreudigkeit ihres Ehemanns Alois Bossard sehr zu schaffen. Doch als sie in Paris diesen Bevormundungen entkommen konnte, fühlte sie sich in der Grossstadt verloren. Sie führte stets ein offenes Haus und sorgte dafür, dass ihre drei Kinder beste Ausbildungen bekamen. Sohn Alois wird wie sein Vater Rechtsanwalt und Dr. iur., er wandert später nach Nizza aus. Tochter Ada heiratet später den Autofabrikanten Max Hugo von Martini (1879–1953), Tochter Emma wird die Gattin von Paul Gugelmann, einem Textilindustriellen. Elise hat von den Töchtern her fünf Enkelkinder: Ruth von Martini (1907-1995), Franz von Martini (1909–1967), (1912–1986), Rudolf Arnold Gugelmann (*1913) sowie Annamaria Gugelmann (*1917).


Einzelnachweise

  1. Orsouw, Michael van / Stadlin, Judith / Imboden, Monika, Adelheid, Frau ohne Grenzen. Das reiche Leben der Adelheid Page-Schwerzmann, Zürich 2003, S. 12–20
  2. Vgl. Anmerkung 1 (van Orsouw / Stadlin / Imboden), S. 21
  3. Vgl. Anmerkung 1 (van Orsouw / Stadlin / Imboden), S. 28
  4. Vgl. Anmerkung 1 (van Orsouw / Stadlin / Imboden), S. 32
  5. Zuger Volksblatt, 07.04.1880
  6. Vgl. Anmerkung 1 (van Orsouw / Stadlin / Imboden), S. 70
  7. Haab-Sidler, Frida, Erinnerungen, Mein Leben währte Jahre (undatiert), Reproduktion von Hajo Leutenegger 2016, S. 22
  8. Vgl. Anmerkung 7 (Haab-Sidler), S. 22
  9. Vgl. Anmerkung 7 (Haab-Sidler), S. 22
  10. Orsouw, Michael van, Stadlin, Judith, Adelheid. Frau ohne Grenzen, Zürich 2003, S. 106
  11. Vgl. Anmerkung 7 (Haab-Sidler), S. 22
  12. Staatsarchiv Zug, Zuger Personen- und Ämterverzeichnis [Stand: 01.02.2023]
  13. Vgl. Anmerkung 7 (Haab-Sidler), S. 23
  14. Vgl. Anmerkung 1 (van Orsouw / Stadlin / Imboden), S. 65
  15. Orsouw, Michael van / Stadlin, Judith / Imboden, Monika, George Page, Der Milchpionier. Die Anglo-Swiss Condensed Milk Company bis zur Fusion mit Nestlé, Vevey / Zürich 2005, S. 158
  16. Lüpold, Martin, Der Ausbau der «Festung Schweiz»: Aktienrecht und Corporate Governance in der Schweiz 1881–1961, Dissertation Universität Zürich, Zürich 2010, S. 147
  17. Staatsarchiv Zug, G 617.6.2, Assekuranzregister Cham, 2. Generation (1868–1929, 1. Band
  18. Vgl. Anmerkung 1 (van Orsouw / Stadlin / Imboden), S. 146
  19. Vgl. Anmerkung 16 (Lüpold), S. 148. Vgl. Anmerkung 15 (van Orsouw / Stadlin), S. 174f.
  20. Vgl. Anmerkung 16 (Lüpold), S. 148
  21. Vgl. Anmerkung 1 (van Orsouw / Stadlin / Imboden), S. 176
  22. Vgl. Anmerkung 1 (van Orsouw / Stadlin / Imboden), S. 177