Belmont Albert (1875–1969)

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Vorname: Albert
Nachname: Belmont
Geschlecht: männlich
Geburtsdatum: 26. Oktober 1875
Geburtsort: Cham ZG
Todesdatum: 26. September 1969
Todesort: Basel BS
Beruf: Rechtsanwälte, Gemeinderat, Kantonsrat, Nationalrat
Religion: römisch-katholisch
Partei: Sozialdemokratische Partei SP

Albert Belmont war ein Chamer Rechtsanwalt und Politiker. Er war der erste Linke im Chamer Gemeinderat. Gleichzeitig war er auch im Kantonsrat. Nach einem Eklat verlässt er Cham und ging nach Basel. Dort wird er Grossrat und sogar Nationalrat, radikalisiert sich und wird Kommunist. Er gilt zeitweilig als «Galionsfigur» der Kommunistischen Partei der Schweiz, bis ihn diese fallen lässt.



Belmonts innerparteilicher Krach inspiriert den «Nebelspalter-Illustrator Jakob Nef (Nebelspalter 42/1925)
Wahlplakat der Kommunistischen Partei
Weiteres Plakat der Kommunisten
Kongress der Kommunistischen Partei, 1936
Strassendemonstration der Kommunisten


Stationen

1875 Albert Belmont kommt am 26. Oktober in Cham zur Welt. Seine Eltern heissen Josef Albert Nazar Belmont, von Beruf Schreiner, und Franziska Josepha Theresia, geborene Peter.

1907 Seine Rechtsstudien, die er in Freiburg, Genf und Zürich absolviert, schliesst er mit dem Doktorat an der Universität Zürich ab. In Freiburg amtet er als Fuchsmajor einer katholisch-konservativen Studentenverbindung und soll «konservativer Parteigänger» sein. [1] Der Regierungsrat schlägt ihn mit 4 gegen 3 Stimmen als neuen Verhörrichter des Kantons Zug vor und zieht den jungen Dr. jur. einem anderen Chamer vor, nämlich Bernhard Baumgartner (1874–1946), was gewiss ein Affront für Baumgartner war, den späteren Gemeinderatskollegen Belmonts und Gemeindepräsidenten. [2] Doch der Kantonsrat folgt nicht dem Antrag des Regierungsrats, lehnt die Wahl von Belmont ab und wählt stattdessen doch Baumgartner. [3] Die hier aufscheinende Rivalität zwischen Belmont und Baumgartner zeigt auch seine Wirkung bei den späteren Konflikten der Beiden im Gemeinderat.

1908 Belmont arbeitet als Rechtsanwalt in Zug und in Cham. Zudem wirkt er als Redaktor der katholisch-konservativen «Zuger Nachrichten», danach ist er mit den Jungfreisinnigen liiert, bis er zu den linksorientierten Grütlianern findet. [4]

1910/1911 Albert Belmont, wohnhaft an der Zugerstrasse, wird als erster Linker – er vertritt die Partei der Grütlianer – in den Gemeinde- und in den Kantonsrat gewählt. Der Amtsantritt erfolgt am 1. Januar 1911. [5] Diese Wahl eines Linken gelingt aufgrund einer Listenverbindung von Freisinnigen und Arbeitern, die miteinander mehr Stimmen erzielen als die Konservativen. [6] Geholfen hat Belmont möglicherweise auch, dass er seit dem Wahljahr Präsident der Standschützen Cham ist (bis 1912). [7] Belmont übernimmt im Gemeinderat das Polizei- und das Schulwesen. [8]

1914 Für einmal bleibt Belmont ohne politischen Erfolg: Er kandidiert für den Regierungsrat, vermag aber am 22. November, dem Wahltag, nicht zu reüssieren. [9]

1915 Es kommt in Cham bei der sozialistischen «Freien Jugend Cham» zum Eklat. Die Chamer Jungsozialisten, die von den Sektionen Zürich, Luzern, Kriens und Baar Unterstützung erhalten, ziehen fahnenschwenkend und singend durch Cham. Der kommunistische Agitator Willi Münzenberg (1889–1940) soll in der Turnhalle (heute Schwinghalle) einen öffentlichen Vortrag halten, in dem unter anderem Fragen der Sexualität und Religion zur Sprache kommen – dummerweise haben die Jungsozialisten es unterlassen, die Turnhalle offiziell zu mieten. Zuerst werden die rund 40 Demonstranten nicht in die Turnhalle gelassen, schliesslich schaffen sie es doch noch hinein, und Belmont ist im Publikum auch dabei. [10] Daraufhin zürnt der freisinnige Gemeindepräsident Bernhard «Bäni» Baumgartner (1874–1946) so sehr, dass er die Versammlung von Polizisten und vom konservativen Gemeinderat Karl Werder (1874–1921), Belmonts Stellvertreter als Polizeichef, auflösen lässt. Das Pikante daran: Belmont ist zuständig für die Polizei, nicht Baumgartner oder Werder. [11] Die Jungsozialisten treffen sich übrigens nach der Auflösung der Versammlung im Bereich der Kastanienallee beim «Neudorf» nochmals, wo Genosse Münzenberg abermals eine kurze Ansprache hält. [12]

1916 Aufgrund des Vorfalls mit dem Gemeindepräsidenten, der seine Kompetenzen überschritten hat, tritt Belmont von allen Ämtern zurück und zieht nach Basel. Er wird dort Associé in der Rechtsanwaltskanzlei von Franz Welti (1879–1934). In der Arbeiterzeitung «Grütlianer» wird Belmont gelobt: «In den schwierigen Lagen, in denen sich unsere kleine Minderheitspartei befunden hat, hielt er in froher Zuversicht unser Banner hoch. – Viel, recht viel verdanken wir dem bald von uns scheidenden Genossen.» [13]

1917 Obwohl relativ neu in Basel, wird Belmont bereits in den Grossrat gewählt (bis 1940). Verheiratet ist er mit Maria Ida, geborene Eisenring, von Jonschwil SG.

1919 Am 1. Dezember wird Albert Belmont sogar Nationalrat für den Kanton Basel-Stadt (bis 1925). Er übernimmt auch das Präsidium der Basler Strassenbahner-Gewerkschaft.

1920 Belmont, bis jetzt Grütlianer und Sozialdemokrat, radikalisiert sich und tritt der Kommunistischen Partei (KP) bei. Er stösst dabei auf Kritik seitens der Sozialdemokraten: «Bei Dr. Belmont ist zweifellos die kommunistische Ueberzeugung am tiefsten verankert; offenbar so tief, dass sie auch bei genauester Durchleuchtung unauffindbar wäre! Richtet man die politischen X-Strahlen auf sein Herz, so erhält man ein spektralfarbenes Regenbogenbild; vom tiefsten Schwarz bis zum blutigsten Rot sind alle Farben erkennbar.» [14] Für die Neuen Zürcher Nachrichten gehört er zu den «Roten Dissidenten», also zur äussersten Linken. [15]

1921 Die Basler Kommunisten trennen sich Anfang Mai von den Sozialdemokraten und gründen die Kommunistische Partei Basel. [16] Albert Belmont übernimmt den Vorsitz.

1925 Belmont fällt einem innerparteilichen Machtkampf zum Opfer: Er wird von den Kommunisten nicht mehr als Kandidat für den Nationalrat portiert, weil die Kommunisten sich von echten Proletariern vertreten lassen wollen und nicht von einem promovierten Rechtsanwalt wie Belmont. Er gibt seine Nationalratsmandat per Ende Jahr ab. Zudem ist man bei den Basler Kommunisten der Meinung, Belmont vertrete die «revolutionäre Haltung nicht genügend.» Trotzdem hält Belmont den Genossen die Treue und verbleibt im Basler Grossen Rat. Allerdings will er keine wichtigen Ämter und Funktionen in der Partei innehaben. [17] Sein politischer Zickzackkurs gibt zu Kritik Anlass: «Böse Mäuler behaupten, nun kommen ein Rechtsumkehr und baldige Ankunft auf der ersten Station des Rückweges. Warten wir ab.» [18]

1928 Bei den Richterwahlen in Basel tritt Albert Belmont als Appellationsrichter an: Zur allgemeinen Überraschung überflügelt er mit 3501 Stimmen deutlich den Kandidaten der Sozialdemokraten, der nur 2153 Stimmen auf sich vereint. Damit erzwingt er einen zweiten Wahlgang, bei dem ein bürgerlicher Kandidat gewählt wird. [19]

1929 Belmont strengt einen Presseprozess an. In der «Basler Arbeiterzeitung» hatte man lesen können, dass in Belmonts Familie ein junges Dienstmädchen «schmalos ausgebeutet und körperlich misshandelt» worden sei. Dagegen wehrt sich Belmont zuerst vor dem Basler Appellationsgericht, worauf die Zeitung wegen übler Nachrede verurteilt wird. Das Bundesgericht stützt den Entscheid und gibt Belmont Recht. [20]

1940 Die Kommunistische Partei wird in der ganzen Schweiz verboten, Belmont verliert seinen Sitz im Basler Grossen Rat. Er verfasst eine wissenschaftliche Arbeit mit dem Titel «Die Trennung des Kantons Basel in die Halbkantone Baselstadt und Basellandschaft und die rechtlichen Grundlagen ihrer Wiedervereinigung». [21]

1944 Belmont tritt der neu gegründeten Partei der Arbeit (PdA) bei. [22]

1969 Albert Belmont stirbt am 26. September in Basel. Er wird fast 94 Jahre alt.


Würdigung

Dass ein Chamer Arbeitersohn eine solche Politkarriere hinlegt, ist nicht selbstverständlich. Aufgrund seiner Laufbahn galt er – nicht zu Unrecht – als politisches Chämeleon: Zuerst bewegte er sich im konservativen Milieu von Studentenverbindungen, neigte dann zu den Freisinnigen, anschliessend war er bei den gemässigten Grütlianern, danach bei den Sozialdemokraten, schliesslich bei den Kommunisten – die ihn dann für zu gemässigt hielten und ihm einen schmerzhaften Karriereknick bescherten.


Einzelnachweise

  1. Grütlianer, 02.12.1920
  2. Neue Zürcher Zeitung, 13.01.1907
  3. Neue Zürcher Zeitung, 17.01.1907. Grütlianer, 22.01.1907
  4. Grütlianer, 11.09.1925
  5. Staatsarchiv Zug, Zuger Personen- und Ämterverzeichnis [Stand: 01.01.2021]
  6. Zuger Nachrichten, 15.11.1910
  7. Merz, Anna, 400 Jahre Schiesssportverein Cham-Ennetsee 1612–2012, Cham 2012, S. 50
  8. Lang, Josef, «Grimm in der Löwengrube». Die Bürgerlichen «majorisieren» 1916 eine SP-Veranstaltung zur Obersten-Affäre, in: Tugium 32, 2016, S. 152
  9. Jans, Armin / Aeschlimann, Richard, Die Sozialdemokratische Partei im Kanton Zug von ihren Anfängen bis 1988, Zug 1988, S. 46. Grütlianer, 08.12.1914
  10. Zuger Nachrichten, 13.05.1915
  11. Zuger Nachrichten, 20.05.1915. Lang, Josef, «Grimm in der Löwengrube». Die Bürgerlichen «majorisieren» 1916 eine SP-Veranstaltung zur Obersten-Affäre, in: Tugium 32, 2016, S. 152
  12. Zuger Nachrichten, 20.05.1915
  13. Grütlianer, 05.09.1916
  14. Grütlianer, 01.12.1920
  15. Neue Zürcher Nachrichten, 03.07.1920
  16. Bär, Markus, 125 Jahre SP Basel-Stadt. Die Sozialdemokratische Partei Basel-Stadt feierte 2015 ziemlich still ihr 125-Jahr-Jubiläum, in: Basler Stadtbuch 136, 2015, S. 54–57, hier S. 56
  17. Rauber, André, Formierter Widerstand, Geschichte der kommunistischen Bewegung in der Schweiz 1944–1991, Zürich 2003, S. 731f.
  18. Grütlianer, 11.09.1925
  19. Gerster, Willi, Die Basler Arbeiterbewegung zur Zeit der Totalkonfrontation zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten (1927–1932): von der Einheitsfrontpolitik zur Sozialfaschismustheorie, Basel 1980, S. 62
  20. Oberländer Tagblatt, 01.03.1929. Neue Zürcher Nachrichten, 01.03.1919
  21. Katalog Schweizerische Nationalbibliothek, Bern
  22. Rauber, André, Formierter Widerstand, Geschichte der kommunistischen Bewegung in der Schweiz 1944–1991, Zürich 2003, S. 732