Seefeld

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Am Wirtshausschild erkennbar: das einstige Restaurant Seefeld an der Zugerstrasse 28
Die Liegenschaft Zugerstrasse 28, 2018

An der Zugerstrasse zeugen noch heute viele Wirtschaften vom einstigen Boom der Milchfabrik. Eine Gaststätte war das Restaurant Seefeld in diesem grossen, mächtigen Haus an der Zugerstrasse 28 mit drei Stockwerken. Das «Seefeld», eine klassische Arbeiterbeiz, war zeitweilig der Treffpunkt der Ländlerfreunde von nah und fern.


Chronologie

1879 Das «Seefeld» entsteht unmittelbar nach dem Bau der neuen Lorzenbrücke und hat einen günstigen Standort. Damals fahren tagtäglich Dutzende von Milchfuhrwerken mit schwerer Ladung für die «Milchsüdi» auf der Zugerstrasse hin und her, zudem arbeiten in der nahen Milchfabrik Hunderte von Menschen, die auf dem Heimweg in einer der vielen Gaststätten absteigen. [1]

1895 Lehrer Balthasar Bösch stellt das Gesuch für das Wirtepatent im «Seefeld». [2]

1897 Jetzt stellt Josef Meier-Baumgartner das entsprechende Gesuch fürs Wirtepatent. [3]

1901 Schon wieder ein Wirtewechsel: Johann Friedrich Artho ist der neue Wirt, der das Patentgesuch stellt. [4]

1903 Die Liegenschaft wird umgebaut und bekommt ihre heutige Grösse. Das Haus ist dreigeschossig gebaut und überragt die Gebäude der Umgebung. [5] Das Wirtepatent läuft jetzt auf Johann Friedrich Arthos Frau Theresia Artho-Baumgartner. [6]

1907 Nach sechs Jahren wieder ein neuer Wirt: Es ist Vinzenz Nietlispach. [7]

1948 Am 27. Februar ereignet sich ein furchtbares Unglück. Bei Bauarbeiten bricht eine Röhre, nachts strömt Gas aus und vergiftet das Wirtepaar Sophie und Franz Josef Vetter-Bucher, deren Tochter Anna sowie die Serviertochter Annamarie Müller aus Sisikon UR. Es überlebt nur der 24-jährige Sohn Hans (1924–2004). Er wird später Wirt im Restaurant Neudorf. [8]

1965 René Wicky (*1941) übernimmt zusammen mit seiner Frau Josy (geborene Bissig) das «Seefeld». Wicky ist schon damals ein bekannter Ländlermusiker. Jeden Samstag veranstaltet er im Restaurant ein Ländlerkonzert. Entweder spielt er selber mit eingeladenen Musikern; wenn er auswärts ein Engagement hat, lässt er seinen Bruder zusammen mit anderen Gastmusikern aufspielen. Viele Chamerinnen und Chamer haben diese Musikabende in bester Erinnerung. Die Menükarte ist damals einfach gehalten: Der «Seefeld-Teller» bietet Schinken mit Aufschnitt, ein Renner ist der St. Galler Schüblig mit Kartoffelsalat. [9]

1971 Leonz Stöckli verkauft das Restaurant an Werner Röllin-Rust.

1981 Die Gastwirtschaft Seefeld nimmt ein Ende, als Josef Krummenacher, Wirt des nahen Restaurant Grütli, die Liegenschaft Seefeld kauft. Durch den Kauf hat er nicht nur neun Wohnungen zusätzlich, sondern auch einen Konkurrenten weniger. [10]

2018 Die Liegenschaft gehört Paul Krummenacher aus Cham. [11]


Anekdote

«Schlüssel-Nanette» führte mit ihren Brüdern das «Seefeld». An einem Sonntagmorgen hatte die gute Frau verschlafen, sprang eilig aus dem Bett, zog sich an und rannte mit dem Gebetsbuch in die Kirche. Damals waren Tornüren in Mode, unter den Rock gebundene Kissen. Weil sie so spät dran war, musste sie an allen Kirchgänger vorbei in die erste Reihe der Kirche. Ein Getuschel und Geschmunzel ging durch die Kirche, doch Nanette wusste nicht warum. Sie hatte in der Eile ihre Tornüre über den Rock gebunden, und nun sahen alle, dass es kein edles Kissen war, sondern eine alte Zigarrenschachtel. Ganz Cham soll sich über dieses Missgeschick amüsiert haben. [12]


Vorher – nachher

Sie sehen zwei Fotos der Liegenschaft 28: eines aus dem Jahr 1940, das zweite aus dem Jahr 2018. Mit der Maus können Sie mit dem Regler in der Bildmitte zwischen den beiden, beinahe passgenauen Bildern hin- und herfahren. So werden die zwischenzeitlich eingetretenen Veränderungen besonders augenfällig visualisiert.


Einzelnachweise

  1. Einwohnergemeindearchiv Cham, Fichen Gebäudeversicherung I
  2. Staatsarchiv Zug, CD 27, Wirtepatente 1892–1918, Mappe Seefeld (Gesuch vom 06.03.1895)
  3. Staatsarchiv Zug, CD 27, Wirtepatente 1892–1918, Mappe Seefeld (Gesuch vom 29.04.1897)
  4. Staatsarchiv Zug, CD 27, Wirtepatente 1892–1918, Mappe Seefeld (Gesuch vom 18.03.1901)
  5. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 155
  6. Staatsarchiv Zug, CD 27, Wirtepatente 1892–1918, Mappe Seefeld (Gesuch vom 25.01.1903)
  7. Staatsarchiv Zug, CD 27, Wirtepatente 1892–1918, Mappe Seefeld (Gesuch vom 06.02.1907)
  8. Zuger Neujahrsblatt 1950, Chronik 27.02.1948. Neue Zuger Zeitung, 27.03.2004
  9. Freundliche Mitteilung von René Wicky, Oberägeri
  10. Freundliche Mitteilung von Hans-Martin Oehri, Cham
  11. www.zugmap.ch, Eintrag Grundstücknummer 252 [Stand: 24.01.2018]
  12. Steiner, Hermann et al., Vom Städtli zur Stadt Cham. Geschichte und Geschichten einer Zuger Gemeinde, Cham 1995, S. 161