Seebad Cham

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Blick vom Schloss St. Andreas in Richtung Osten auf das erste Chamer Seebad, seewärts die Anlegestelle für das seit 1852 auf dem Zugersee verkehrende Dampfschiff; im Vordergrund das Turmhaus von St. Andreas, 1905 (?)
Das Seebad im späten 19. Jahrhundert, im Hintergrund zwei Liegenschaften im Choller, undatiert (um 1900)

Das zweite Seebad am Zugersee wurde 1886 in Cham von der Anglo-Swiss Condensed Milk Company gebaut und 1901 von der Einwohnergemeinde übernommen. Diese unterhielt die Badeanstalt bis zum Ersten Weltkrieg.


Chronologie

1880 In Cham bildet sich ein Komitee zur «Erstellung einer Badeanstalt». Man will sich am 20. Mai im Gasthaus Raben treffen, um die weiteren Schritte zu besprechen. Das Projekt wird vorerst nicht umgesetzt. [1]

1882 Das älteste Seebad am Zugersee, die «Badanstalt an der Seelikon», wird in der Stadt Zug errichtet. [2]

1886 Die zweite Badeanstalt am Zugersee wird in Cham gebaut. Östlich der Halbinsel St. Andreas, etwa dort, wo sich heute noch das Chamer Strandbad befindet. Das Bad wird von der Anglo-Swiss Condensed Milk Company für die Fabrikarbeiter errichtet, ist aber auch für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Umkleidekabinen sind über einen langen Holzsteg vom Seeufer erreichbar. Am 25. Juli, einem Sonntag und zugleich Chamer Kirchweihe, wird die Badeanstalt eröffnet. Die Freiwillige Feuerwehr Zug und der Feuerwehrmusikverein organisieren für diesen Abend eine «illuminierte Nachtfahrt» mit dem Salondampfer «Helvetia» über Oberwil, Buonas und Cham. [3]

1887 Die Badesaison im Seebad wird am 11. Juni eröffnet. [4] Die letzten Bauarbeiten sind aber noch nicht abgeschlossen und ziehen sich noch bis Anfang Juli hin. Offenbar wird das Gebäude gerade aufgerichtet, als am 5. Juli in der Stadt ein Teil der Vorstadt im Zugersee versinkt («Vorstadtkatastrophe»). [5]

1888–1891 In den folgenden Jahren beginnt die Badesaison im Seebad Cham jeweils Ende Mai oder Anfang Juni. [6]

1892–1898 In den ersten Jahren sind die Brüder Xaver und Jakob Roth als Bademeister im Seebad tätig. [7]

1895 Eissportfreunde geniessen während der «Seegfrörni» den zum Teil zugefrorenen nördlichen Teil des Zugersees. Vom Seebad aus betreten sie die Eisfläche. [8]

1901 Die Anglo-Swiss überlässt der Einwohnergemeinde die Badeanstalt. Die Einwohnergemeinde lässt Baumeister Leopold Garnin (1828–1904) aus Zug eine Zustandsanalyse [9] mit Kostenschätzung für Reparaturen («1386 Franken») aufnehmen und führt eine eigenständige Rechnung über die Anstalt.

Die Einwohnergemeinde erlässt ein erstes Badereglement und verkauft auch Abonnemente für die Badesaison von Juni bis August: Familienabonnemente (inkl. Dienstleute) und Einzelabonnemente mit Einzelankleidezelle. 1901 beispielsweise werden 12 Familienabonnemente und ein Einzelabonnement verkauft. Die meisten Besucher und Besucherinnen leihen sich Badekleider, Badehosen und Frottiertücher vor Ort aus. [10]

1912 Offenbar ist das Seebad in einem baulich schlechten Zustand. Caspar Lörch (1874–1935), Besitzer der Ziegelei in Lindencham, offeriert 85 Franken, um die Hütte der Badeanstalt abzubrechen. [11]

1914–1918 (?) Wahrscheinlich gegen Ende des Ersten Weltkriegs wird die Anlage abgebrochen. [12]


Badehosen, Rettungsringe und Spucknäpfe – das Inventar des Seebads Cham von 1901

Vor der ersten Badesaison mit der Einwohnergemeinde als Besitzerin wird am 14. Juni 1901 ein Inventar über die beweglichen Gegenstände im Seebad aufgenommen.

«Verzeichniss des von der A. S. C. Milk Co. Cham der Einwohnergemeinde Cham überlassenen Inventars in der Seebadanstalt Cham:

  • 1 Rettungsschiff
  • 2 Flösse
  • 1 tann[erner] Tisch
  • 1 hölz[erner] Tisch mit eis[erner] Platte
  • 3 Sessel
  • 5 tann[ene] Bänke
  • 17 Spiegel
  • 1 Wanduhr
  • 2 Thermometer in Holzfassung
  • 11 Waschbecken aus Zinkblech
  • 12 Kämme (z. Frisieren)
  • 2 Kerzenstöcke
  • 1 Scheere
  • 12 Spucknäpfe
  • 1 Kehrichtschaufel
  • 1 Sturmlaterne
  • 1 Hammer
  • 1 Zange
  • 1 Wasserzange
  • 1 Handsäge
  • 1 Werkzeugrahmen
  • 1 Schmierkännchen
  • 1 eis[erner] zweirädr[iger] Karren
  • 1 Holzschlägel
  • 1 eis[erner] Schraubstock
  • 3 led[erne] Gürtel für Schwimmlehrzwecke
  • 3 Rettungsringe
  • 3 Kettenstücke
  • 3 Seile (kurze Stücke und älter)
  • 2 Bund Schnüre
  • 1 weisse Zeine
  • 10 kl. Teppiche
  • 6 grössere Teppiche für Badeempfang und Badezellen
  • 53 Handtücher
  • 42 weisse Frottiertücher
  • 15 braune Frottiertücher
  • 1 gross. weiss. Frottiertuch
  • 15 Badekleider
  • 15 Badehauben
  • 218 Badehosen
  • 6 Frottierhandschuhe
  • 13 Schwimmgürtel» [13]


Die Fotografie

Die oben abgebildete Fotografie mit dem Seebad in der Bucht östlich von St. Andreas ist am 5. Januar 1957 wahrscheinlich von Dr. Robert Bütler (1885–1965) aus Hünenberg an das Einwohnergemeindearchiv übergeben worden. Jedenfalls ist dies auf der Rückseite der gerahmten Fotografie mit Bleistift so vermerkt. Mit Kugelschreiber ist folgender handschriftlicher Text angebracht: «Alte Seebadanstalt Cham [*gleichzeitig auch Dampfschiffstation]: 1887 erbaut von der Anglo Swiss Condensed Milk Comp., aufgestellt durch die Gebrüder Xaver und Jakob Roth (letzterer Vater von Badmeister Albert Roth); sie waren am Tage der Vorstadt-Katastrophe [also am 5. Juli 1887] mit dem Aufrichten beschäftigt und fuhren dann mit dem Schiff über den See nach Zug (nach Angaben von Hugo Roth).»

Auf der Fotografie selbst unten rechts finden sich die Initialien R.B. – wohl für Robert Bütler – und eine nicht eindeutig lesbare Jahreszahl, wohl 1905. Gut erkennbar ist das in den Zugersee hinaus gebaute Seebad, im Vordergrund der Fotografie ist das Turmhaus von St. Andreas abgebildet.


Dokumente


Einzelnachweise

  1. Neue Zuger Zeitung, 19.05.1880
  2. Kleeb, Ueli, Von der Holzbaracke zum Denkmal. 125 Jahre Badanstalt Seeliken, in: Zuger Neujahrsblatt 2008, S. 128f.
  3. Zuger Volksblatt, 21.07.1886
  4. Zuger Volksblatt, 11.06.1887
  5. Einwohnergemeindearchiv Cham, S 1, Sammlung Schmuki (Badeanstalten)
  6. Zuger Volksblatt, 29.05.1889. Zuger Volksblatt, 07.06.1890. Zuger Volksblatt, 06.06.1891
  7. Zuger Volksblatt, 06.08.1892. Zuger Volksblatt, 16.06.1898
  8. Zuger Volksblatt, 02.02.1895
  9. Garnin: «... ist der Oberbau noch ziemlich gut und deshalb sehr wenig reparaturbedürftig, hingegen der Unterbau, hauptsächlich die Pfähle sind in sehr schlechtem Zustand ... ist die Brücke sehr reparaturbedürftig, auch hier sind es wieder die Pfähle.»
  10. Einwohnergemeindearchiv Cham, Liegenschaften 16, Badanstalten 1901–1953; D7-50002, Seebad Cham – Abonnementsverkauf 1901–1934
  11. Einwohnergemeindearchiv Cham, Liegenschaften 16, Badeanstalten 1901–1953
  12. Das Schlüsselverzeichnis zur Badeanstalt erwähnt zwischen 1901 und 1914 insgesamt 14 Besitzer. Das Schlüsselverzeichnis zur neuen Badeanstalt im Hirsgarten enthält einen ersten datierten Eintrag von 1913. Einwohnergemeindearchiv Cham, D7-50002, Seebad Cham – Abonnementsverkauf 1901–1934
  13. Einwohnergemeindearchiv Cham, Liegenschaften 16, Badeanstalten 1901–1953