Frauentalerbrücke

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Im Frauenthal stand im 17. und 18. Jahrhundert eine mit Ziegeln gedeckte Holzbrücke, die über den östlichen der zwei Lorzenläufe führte und von den Zisterzienserinnen und ihren Bediensteten unterhalten wurde. Im 18. Jahrhundert ist der Name «Frauen brugg» überliefert.


Chronologie

vor 1696 Auf einem Plandokument des Zisterzienserinnenklosters Frauenthal aus dem 17. Jahrhundert ist eine gut befestigte Holzbrücke über die Lorze eingezeichnet. In welchem Jahr die Brücke gebaut wurde, ist nicht bekannt. [1]

1702 Äbtissin Maria Verena Mattmann (1688–1726) lässt die Brücke «zum erstenmal mit einem Dach deckhen» (mit Ziegeln). [2]

1717 Auch auf dem Zehntenplan des Klosters Frauenthal ist die gedeckte Brücke abgebildet. [3]

1728 Der Zuger Stadtrat muss sich wiederholt mit der Zollproblematik bei den Lorzenbrücken in Rumentik und im Frauenthal beschäftigen: Die Zürcher Metzger weichen mit ihrem Vieh dem Zuger Zoll aus, indem sie statt der Brücke bei Rumentik («Rummeltickhen») die Frauentalerbrücke benützen. Der Stadtrat holt Erkundigungen beim Müller im Frauenthal ein, ob Vieh über die Brücke getrieben werde. Dies geschehe offenbar täglich. Der Stadtrat will eine kleine Zolltafel anschlagen lassen und dem Müller befehlen, den Zoll einzuziehen. Er erhält dafür einen Lohn.

Eine Woche später erstattet der Müller von Frauenthal Bericht, wie der Zoll umgangen und hinterzogen wird, indem man über die Frauentalerbrücke fährt. Der Zuger Stadtrat will auf der Brücke einen kleinen Zollstock [= Behälter] samt Wappenschild und Zolltafel aufstellen lassen. Wer sich weigert, den Zoll zu entrichten, wird samt dem Vieh in Haft gesetzt. Dem Zoller an der Rüssbrugg (bei Sins AG) wird befohlen, jeden, der Vieh über die Brücke treibt, zu ermahnen, die übliche Strasse zu benützen. Wer dies nicht tue, soll den Zoll im Frauental entrichten, sonst drohe der Verlust des Viehs.

Nun schaltet sich Äbtissin Maria Elisabeth Brandenberg (1681–1742) ein: Sie beschwert sich über den Zolleinzug bei der Frauentalerbrücke. Sie unterhalte die Brücke auf eigene Kosten und pflege ein gutes Verhältnis mit den Zürchern. Der Stadtrat sieht das aber anders: Weil im Frauenthal der Zoll in betrügerischer Absicht umgangen werde, habe die Stadt Zug als Territorialherrin das Recht, Abhilfe zu schaffen. Wenn man den Zoll auch im Frauenthal einziehe, werde das Umfahren bald aufhören. Man will aber der Äbtissin Schadenersatz leisten, falls das Kloster wegen des Zolls geschädigt würde. [4]

1750 Beat Jakob Twerenbold wird beauftragt, an der Frauenthalerbrücke den Zoll für Schweine und Schafe einzuziehen. Es soll ein Zollstock aufgestellt werden. [5]

1770/73 In der Vogteienkarte der Kartografen Franz Fidel Landtwing (1714–1872) und Jakob Joseph Clausner (1744–1797) ist die Brücke eingezeichnet («Frauen Brugg»).

Wann die alte Holzbrücke abgetragen wurde, ist nicht bekannt.


Karten

Zehntenplan Kloster Frauenthal 1717, Ausschnitt

154400 1717 Zehntenplan Frauenthal Ausschnitt Dornmatt Alois Ottiger.jpg

Die gedeckte Brücke unweit des Klosters in gut erkennbar. Östlich davon steht das Wegkreuz von Äbtissin Mattmann.


Aktueller Kartenausschnitt

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Einzelnachweise

  1. Klosterarchiv Frauenthal, Plantruhe. Zu dieser Darstellung ausführlich Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 189, 278. Dittli, Beat, Zuger Ortsnamen. Lexikon der Siedlungs-, Flur- und Gewässernamen im Kanton Zug. Lokalisierung, Deutung, Geschichten, Zug 2007, Bd. 2, S. 174; Bd. 3, S. 232
  2. Klosterarchiv Frauenthal, Aufzeichnungen I, fol. 37. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 237
  3. Klosterarchiv Frauenthal, Plantruhe
  4. Bürgerarchiv Zug, A 39.26.19, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1726–1728, S. 370, 379, 387, 393
  5. Bürgerarchiv Zug, A 39.26.28, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1746–1750, fol. 216r