Baumgartner Jakob Leonz (1824–1893)

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Vorname: Jakob Leonz
Nachname: Baumgartner
Geschlecht: männlich
Geburtsdatum: 20. September 1824
Geburtsort: Niederwil bei Cham ZG
Todesdatum: 19. Januar 1893
Todesort: Steinhausen ZG
Beruf: Gastwirt, Lehrer, Gemeindeschreiber
Religion: römisch-katholisch
Partei: Katholisch-Konservative Partei

Jakob Leonz Baumgartner stellt sich in seinem Leben immer wieder neuen Aufgaben: Korporationsschreiber und junger Hilfslehrer in Niederwil, Gemeindeschreiber von Cham in einer unruhigen Zeit, Gutsverwalter in Bayern und in Böhmen, Gastwirt auf dem Gubel und in Steinhausen, Kirchenrat und Kirchenschreiber in Steinhausen und Richter in Zug.



Stationen

1824 Jakob Leonz Baumgartner wird am 20. September in Niederwil geboren. Sein Vater ist Sigrist in der Kirche St. Mauritius. [1]

um 1830 Jakob Leonz besucht fünf Jahre lang (im Winterhalbjahr) den obligatorischen Schulunterricht bei Franz Xaver Welti (1799–1861), von 1823 bis 1842 Kaplan und Lehrer im Kaplanenhaus von Niederwil. Der junge Baumgartner gilt als talentiert, wissbegierig und auch praktisch begabt. Er muss schon in jungen Jahren selbst als Hilfslehrer Verantwortung übernehmen. [2]

nach 1841 Jakob Leonz Baumgartner wird Schreiber der Genossenschaft Niederwil. Er engagiert sich bei der Renovation der Kirche, zusammen mit dem erzkonservativen Kaplan Andreas Walser (um 1805–1855), der den jungen Mann ganz offensichtlich prägt. Jakob Leonz Baumgartner gehört klar zum katholisch-konservativen Block.

1845 Der erste 21-jährige Baumgartner wird Gemeindeschreiber von Cham. Er bleibt fünf Jahre im Amt, bis der konservative durch einen liberalen Gemeinderat ersetzt wird und Baumgartner die Schreiberstube an Mathias Gretener (1818–1898) abtreten muss. [3] Es sind unruhige Zeiten: Nach dem Sonderbundskrieg von 1847, der mit einer Niederlage der katholisch-konservativen Kantone endet, wird 1848 der Bundesstaat, die moderne Schweiz, gegründet.

1850 Kaplan Walser wird in Zug wegen Sittlichkeitsvergehen mit Schulkindern in Niederwil vorübergehend in Untersuchungshaft gesetzt und schliesslich zu einer Busse verurteilt. [4] Walser wandert darauf nach Bayern aus. Jakob Leonz Baumgartner folgt ihm nach seiner Abwahl 1851. In der Nähe von Regensburg wird Walser auf dem Schloss Bodenstein Hofkaplan. Durch Walders Vermittlung erhält Baumgartner von Graf Eduard von Walderdorff-Oberndorff (* 1801) den Posten als Gutsverwalter. [5]

1855–1869 Nach dem Tod von Kaplan Walser zieht Baumgartner nach Böhmen und wird Pächter auf einem grossen Gutshof, der Reichsfreiherr Baron Zacharias II. von Voithenberg gehört (in der Nähe von Furth im Wald im Bayerischen Wald). Dann kehrt er wieder zu seinen ersten Herrschaften zurück und wird Gutsverwalter beim Sohn des Grafen Eduard, bei Graf Adolf Wilderich von Walderdorff (1835–1919). In dieser Zeit lernt Baumgartner die Lehrerin Louise Ethauer (gest. 1869) kennen, die er heiratet. [6]

1869 Nach dem Tod seiner Frau kehrt Jakob Leonz Baumgartner in die Schweiz zurück und pachtet die Wirtschaft auf dem Gubel in Menzingen. Dort lernt die Witwe Franziska Hegglin vom Hof Harget kennen, eine geborene Hausheer vom Hof Letten nordwestlich von Steinhausen (die Baumgartner wahrscheinlich schon seit seiner Jugend kannte). Ihr Vater war Regierungsrat Josef Bartholome Hausheer (1793–1864). 1871 heiraten die Beiden.

1874 Das Ehepaar Baumgartner-Hegglin kauft in Steinhausen das Gasthaus Post (heute Zugerstrasse 2). [7] Wieder engagiert sich Baumgartner in der kommunalen Politik: Für die Konservativen wird er in den Steinhauser Kirchenrat gewählt. [8] Gleichzeitig wird Baumgartner auf kantonaler Ebene Kassations- und Revisionsrichter (bis 1893) [9] Auch als Journalist ist der vielseitige Baumgartner tätig. Er schreibt für die konservativen Zuger Zeitungen, für die «Neue Zuger Zeitung» und später für die «Zuger Nachrichten». [10]

1878 Jakob Leonz Baumgartner wird auch Mitglied der gemeindlichen Schulkommission (bis 1891). [11]

1881 Als Kirchenrat tritt Jakob Leonz Baumgartner nicht mehr an. Dafür übernimmt er am 2. Januar für zwölf Jahre das Kirchenschreiberamt in Steinhausen. [12]

1892 Der inzwischen 68-jährige Jakob Leonz Baumgartner leidet an einem Magengeschwür. Ein Kuraufenthalt in Göschenen UR soll Heilung bringen, aber das Gegenteil tritt ein: Baumgartner wird immer schwächer. Er reicht seine Demission als Kirchenschreiber ein. Die Steinhauser wählen ihn dessen ungeachtet wieder, aber Baumgartner kann das Amt nicht mehr weiter ausüben. [13]

1893 Am 19. Januar stirbt Baumgartner. Kurz vor seinem Tod lässt er eine Stiftung errichten: 450 Franken gehen an die Renovation der Pfarrkirche St. Matthias in Steinhausen. Beiträge von 50 bis 100 Franken lässt er u.a. auch an die 1892 fertiggestellte katholische Missionskirche in Affoltern am Albis ZH, an die Inländische Mission oder an die katholischen Kirchen in Bern und Zürich auszahlen. [14]


Piusverein und Kirchenchor

Neben der Politik engagiert sich Jakob Leonz Baumgartner sowohl im gemeindlichen als auch im kantonalen Piusverein als Aktuar, Vizepräsident und Kassier. 1878 tritt er in den Kirchengesangschor Steinhausen ein, dem er bis zu seinem Tod treu bleibt. 1890 wird er Vizepräsident des neugegründeten Cäcilienvereins Steinhausen. [15]


Einzelnachweise

  1. Zuger Nachrichten, 25.01.1893 (Nekrolog)
  2. Zuger Nachrichten, 25.01.1893 (Nekrolog)
  3. Zuger Nachrichten, 25.01.1893 (Nekrolog)
  4. Zugerisches Kantonsblatt, 18.06.1850
  5. Zuger Nachrichten, 25.01.1893 (Nekrolog)
  6. Zuger Nachrichten, 25.01.1893 (Nekrolog)
  7. Zuger Nachrichten, 25.01.1893 (Nekrolog)
  8. Neue Zuger Zeitung, 26.12.1874
  9. Staatsarchiv Zug, Zuger Personen- und Ämterverzeichnis [Stand: 01.01.2020]
  10. Zuger Nachrichten, 25.01.1893 (Nekrolog)
  11. Zuger Nachrichten, 25.01.1893 (Nekrolog)
  12. Staatsarchiv Zug, Zuger Personen- und Ämterverzeichnis [Stand: 01.01.2020]
  13. Zuger Nachrichten, 25.01.1893 (Nekrolog)
  14. Zuger Nachrichten, 25.01.1893 (Nekrolog)
  15. Zuger Nachrichten, 25.01.1893 (Nekrolog)