Walser Andreas (um 1805–1855)

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Walser wandert als junger Mann aus dem Vorarlbergischen in die Schweiz ein. Er arbeitet als Hauslehrer und wird 1835 Pfarrer in Menzingen. 1843 zieht er nach Niederwil, wo er als Kaplan den Neubau der Kirche St. Mauritius begleitet. 1850 wird Walser verhaftet und er gesteht Sittlichkeitsverbrechen mit Schülern. Walser kommt mit einer Busse davon. Er wandert nach Niederbayern aus, wo er 1855 stirbt.

Portrait fehlt

Es ist kein Portrait dieser Person verfügbar.

Vorname: Andreas
Nachname: Walser
Geschlecht: männlich
Geburtsdatum: April 1805
Geburtsort: Hohenems A
Todesdatum: 15. April 1855
Todesort: Schloss Bodenstein D



Stationen

um 1805 Walser stammt aus dem vorarlbergischen Hohenems. Sein Geburtsjahr ist nicht überliefert. [1]

um 1820 Walser geht als junger Schuster auf Wanderschaft und kommt in die Innerschweiz. Beim Dorfkaplan in Müswangen LU geht er in die Schule, dann studiert er Theologie in Luzern. [2]

1831 Von Bischof Josef Anton Salzmann (1780–1854) empfängt Walser am 16. Oktober die Priesterweihe. [3]

1832 Der Zuger Landrat – das damalige Kantonsparlament – vergibt Walser am 18. Juni das Bürgerrecht von Steinhausen. Walser lebt in Gersau SZ, wo er als Hauslehrer und ab 1834 für kurze Zeit als Kaplan arbeitet. [4]

1835 Am 23. August wählen ihn die Menzinger zum Pfarrer der Pfarrei St. Johannes in Menzingen.

1837 Die zu einer Kaplanei erhobene Frühmesserei in Holzhäusern in der Gemeinde Risch sucht einen Kaplan. Walser wird gewählt. Er tritt aber die Stelle nicht an, sondern bleibt in Menzingen. [5]

1843 Walser gibt die Pfarrerstelle «wegen schwächlicher Gesundheit» am 16. Februar in Menzingen auf und wird Kaplan in Niederwil. [6] Erst 1842 hatte die dortige Kapellgenossenschaft das Kollaturrecht [= das Wahlrecht für den Kaplan] von der Stadt Zug gekauft. [7] Walser widmet sich dem Schulunterricht und dem Neubau der Kirche St. Mauritius. Für die Liberalen ist Walser «einer der ersten religiösen Fanatiker unseres Landes», «ein eifriger Prediger der Religionsgefahr, als konservativ-ultramontaner Jntrigant und geistlicher Sonderbündler vom schlimmsten Schlag». [8]

1849 Die Kirche St. Mauritius wird am 26. April nach dreijähriger Bauzeit eingeweiht. [9]

1850 Der Niederwiler Kaplan wird beschuldigt, «mit minderjährigen Töchterchen, die dessen Schule zu besuchen hatten, unsittliche Handlungen getrieben zu haben, deren nähere Bezeichnung der öffentliche Anstand verbietet.» Die Übergriffe soll Walser in der Schule und ausserhalb des Unterrichts im Kaplanenhaus begangen haben. Walser wird verhaftet und kommt in Untersuchungshaft. «In Berücksichtigung des lang ausgehaltenen Untersuchungsverhaftes, sowie seines sonstigen guten Leumundes» wird Walser vom Zuger Polizeigericht zu 32 Franken Busse und zur Übernahme der Gerichtskosten verurteilt. [10] Walser ist teilweise geständig und muss Niederwil verlassen.

Das Zugerische Kantonsblatt kritisiert die «Bagatellbusse» scharf, da Walser seine Vertrauensposition als Kaplan und Dorflehrer ausgenützt habe und «eine gemeine Sinneslust auf eine gemeine Weise befriedigt hat.» [11] Auch andere liberale Zeitungen kritisieren das Urteil scharf und erinnern an den Zuger Goldschmied Kaspar Schell (1811–1869), der 1842 wegen antijesuitischen Karikaturen zu 150 Franken Busse und mehreren Wochen Turmhaft verurteilt worden war («Also ist, wer eine mißbeliebige Karrikatur macht, in Zug doppelt, ja fünffach strafbarer, als wer sich unter dem Nimbus eines Lehrers und Priesters an der Unschuld harmloser Kinder vergreift!»). [12]

Der Rischer Pfarrer Albert Iten (1891–1976) interpretiert in seinem 1952 publizierten Standardwerk «Tugium Sacrum» mit Kurzbiografien zu Zuger Geistlichen die Affäre Walser rückblickend wieder anders: «Da ihm hier [= in Niederwil] statt des Dankes neuerdings erhebliche Widerwärtigkeiten beschieden waren, verliess er die Schweiz überhaupt.» [13]

1855 Auf dem Schloss Bodenstein in Niederbayern verbringt Walser die letzten Jahre seines Lebens als Hofkaplan. Er stirbt am 15. April «nach kurzer, aber sehr schmerzlicher Krankheit» [14]. Walser vermacht einen Teil seines Vermögens testamentarisch der Pfarrkirche St. Johannes Menzingen. [15]


Siehe auch

→ Zuger Kantonsblatt mit Urteil, 18.06.1850


Einzelnachweise

  1. Iten, Albert, Tugium Sacrum. Der Weltklerus zugerischer Herkunft und Wirksamkeit bis 1952, Stans 1952, S. 428
  2. Iten, Albert, Tugium Sacrum. Der Weltklerus zugerischer Herkunft und Wirksamkeit bis 1952, Stans 1952, S. 428
  3. Iten, Albert, Tugium Sacrum. Der Weltklerus zugerischer Herkunft und Wirksamkeit bis 1952, Stans 1952, S. 428
  4. Zumbach, Ernst, Die zugerischen Neubürger seit 1814 bis 1937, in: Heimatklänge, kulturelle Beilage zu den «Zuger Nachrichten» 40, 1937, S. 157
  5. Iten, Albert, Tugium Sacrum. Der Weltklerus zugerischer Herkunft und Wirksamkeit bis 1952, Stans 1952, S. 428
  6. Wochenblatt für die vier löblichen Kantone Ury, Schwytz, Unterwalden und Zug, 03.03.1843
  7. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 165
  8. Zugerisches Kantonsblatt, 15.06.1850
  9. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 165
  10. Zugerisches Kantonsblatt, 18.06.1850
  11. Zugerisches Kantonsblatt, 18.06.1850
  12. St. Galler Zeitung, 12.06.1850
  13. Iten, Albert, Tugium Sacrum. Der Weltklerus zugerischer Herkunft und Wirksamkeit bis 1952, Stans 1952, S. 428
  14. Neue Zuger Zeitung, 05.05.1855
  15. Neue Zuger Zeitung, 08.12.1855