Zugerstrasse 39–43

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Die Liegenschaften an der Zugerstrasse vor der Vollendung, 1961


Der sachliche Betonbau entlang der Zugerstrasse stammt vom Chamer Architekten Josef Stöckli. Er steht für den Aufbruch der 1960er-Jahre und hatte indirekt einen prägenden Einfluss auf die Entwicklung von Cham.

Die drei Liegenschaften an der Zugerstrasse nach der Fertigstellung, 1961
Die Liegenschaft Zugerstrasse 39, 15. Juli 2018
Die Liegenschaft Zugerstrasse 43 mit der Städtli Metzg, 15. Juli 2018


Chronologie

1959 Der Chamer Elektriker Cesare «Cesi» Canepa (1924–2011) kauft die Parzelle an der Ecke Zuger-/ Schürmattstrasse. Er will dort mit Werkstatt, Lager und vor allem mit seinem Verkaufsgeschäft präsenter sein. [1] Der junge, eben aus England zurückgekehrte Architekt Josef Stöckli (*1929) erhält den Auftrag, ein Projekt mit sechs Wohnungen und einem grossen Laden zu entwerfen. Nun steigen zusätzlich Paul Kunz und August Gysi, beide aus Baar, in das Projekt ein. Das Projekt wird dadurch vom Volumen her quasi verdreifacht.

1960 Es herrscht in Cham Aufbruchstimmung – das geplante Gebäude ist deutlicher Ausdruck davon. [2] Cham wächst stark bezogen auf die Anzahl Siedlungen und die Bevölkerungszahl. Die Eigentümer Canepa, Kunz und Gysi realisieren mit Architekt Stöckli gemeinsam die Überbauung Zugerstrasse 39–43. «Die Art des gemeinsamen Vorgehens und Bauens muss aus heutiger sicher erstaunen. Man konstruierte kein aufwendiges Vertragsgeflecht wie heute üblich, sondern machte einen gemeinsamen Vertrag mit dem Architekten, der dann schon zum Rechten sehen, alle fair behandeln und keinen benachteiligen würde.» [3]

1961 Die Liegenschaften sind bezugsbereit. Die Liegenschaft ist mit ihrem 25 Meter tiefen Sockelbau und dem darauf stehenden nochmaligen Sockelbau wohl der erste konsequent modern und sachlich gehaltene Bau in Cham. «Ein sachlicher Bau, der auch wenigen Elementen definiert wird: Die Pfeiler eines Betonskeletts tragen drei Wohnetagen. In der Sockelzone wird ein Ladengeschoss eingeschoben. Die klare Tragstruktur erlaubt eine schrittweise Anpassung der Geschäfte durch den Einbezug der rückwärtigen Garagenboxen. Breite Brüstungen betonen die Horizontale.» [4]

1962 Canepa eröffnet in seiner Liegenschaft Zugerstrasse 39 am 22. September sein neues Elektrofachgeschäft. [5]

Das Verkaufsgeschäft der Migros war von 1963 bis 1990 an der Zugerstrasse 41, 1990

1963 Weil das anvisierte Kleingewerbe das Haus nicht zu eigen macht, wird es der Migros-Genossenschaft Luzern vermietet. [6] Die Migros zieht von der Luzernerstrasse 22 um an die Zugerstrasse 39–41. [7] Hier entsteht im Migros-Einkaufsladen die erste Chamer Metzgerei mit integrierter Selbstbedienung. Dass die Migros das Quartier Kirchbüel verlässt und sich stattdessen im «Städtli» niederlässt, hat eine nicht zu unterschätzende Sogwirkung. Mit dem Umzug der Migros verliert das Kirchenquartier an Strahlkraft, was später durch weitere Faktoren noch verstärkt wird.

1976 Die Migros baut die Filiale an der Zugerstrasse 41 um. [8]

1990 Die Migros braucht abermals mehr Platz; nach 27 Jahren an der Zugerstrasse 39–41 zieht sie weiter ins Neudorf-Center. [9]

2018 Die drei Liegenschaften Zugerstrasse 39, 41 und 43 sind als Gesamt-, als Stockwerk- respektive als Alleineigentum im Grundbuch eingetragen. [10]


Reaktionen auf den Bau

Der Architekt Josef Stöckli bilanzierte: «Obwohl ich mich um eine humane Moderne bemühte und den menschlichen Faktor für höchst bedeutsam hielt und die Wohnungen dementsprechend gestaltete, fanden sie nicht überall Zustimmung. Viele vermissten das vertraute Stübchen und den zentralen Korridor.» [11]


Würdigung der Liegenschaft

«Das Gebäude spiegelt Expansionsdenken und stellt in seiner schlichten und verständlichen Konstruktion ein Lösungsmodell vor. Die in den 1960er-Jahren geplante Stadt mit 24'000 Einwohnern hat sich nicht verwirklicht. Genauso ist das Haus trotz jüngsten Fortführungsversuchen ein – wenn auch behutsamer – solitär geblieben.» [12]


Einzelnachweise

  1. Stöckli, Josef, Werkgeschichte eines Architekten, Steinhausen 2017, S. 90
  2. Orsouw, Michael van, Cham – Menschen, Geschichten, Landschaften, Cham 2007, S. 198f.
  3. Stöckli, Josef, Werkgeschichte eines Architekten, Steinhausen 2017, S. 91
  4. Zuger Bautenführer, Ausgewählte Objekte 1902–2012, hrsg. vom Bauforum Zug, Zug 2013, S. 253
  5. Zugersee-Zeitung, 14.09.1962
  6. Orsouw, Michael van, Cham – Menschen, Geschichten, Landschaften, Cham 2007, S. 199
  7. Genossenschaft Migros Luzern, Facts zur Geschichte der Migros Cham, Dokument vom April 1990 im Zusammenhang mit der Neueröffnung Migros Cham Neudorf
  8. Genossenschaft Migros Luzern, Facts zur Geschichte der Migros Cham, Dokument vom April 1990 im Zusammenhang mit der Neueröffnung Migros Cham Neudorf
  9. Genossenschaft Migros Luzern, Facts zur Geschichte der Migros Cham, Dokument vom April 1990 im Zusammenhang mit der Neueröffnung Migros Cham Neudorf
  10. www.zugmap.ch, Einträge Grundstücknummern 1509, 1515 und 1516 [Stand: 29.07.2018]
  11. Stöckli, Josef, Werkgeschichte eines Architekten, Steinhausen 2017, S. 94
  12. Zuger Bautenführer, Ausgewählte Objekte 1902–2012, hrsg. vom Bauforum Zug, Zug 2013, S. 253