Stadlin Franz Michael (1835–1908)

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Franz Michael Stadlin aus Zug war während 37 Jahren prägender Dorfpfarrer von Cham – in einer Zeit, als Cham aufgrund der Industrialisierung stark wuchs. Er war Chams erster Ehrenbürger.

Portrait von Stadlin Franz Michael (1835–1908)
Portrait von Stadlin Franz Michael (1835–1908)

Vorname: Franz Michael
Nachname: Stadlin
Geschlecht: männlich
Geburtsdatum: 11. September 1835
Geburtsort: Zug
Todesdatum: 7. Mai 1908
Todesort: Cham ZG
Beruf: Geistlicher, Pfarrer
Religion: römisch-katholisch





Stationen

1835 Franz Michael kommt am 11. September in Zug zur Welt. [1] Sein Vater heisst Jakob Leonz, seine Mutter Gertrud (geborene Bucher), sie führen zuerst die Gastwirtschaft «Schützenhaus», dann die «Krone». «Zucht und Arbeitsamkeit und vor allem katholisches Denken, Fühlen und Handeln, das war die Atmosphäre, in welcher der talentvolle Knabe aufwuchs.» [2]

1843 Vater Jakob Leonz Stadlin stirbt, als Franz Michael acht Jahre alt ist. Seine Mutter Gertrud (1805–1882) bleibt mit zehn Kindern zurück. Sie ist «eine starke Frau, hielt die Kinder zum pünktlichen Gehorsam an und erzog sie in der Furcht des Herrn». [3] Franz Michael kann das Gymnasium in Zug besuchen.

1853 Der junge Stadlin zieht nach St. Gallen, wo er einen philosophischen Kurs belegen kann. Schliesslich studiert er Theologie in Tübingen, Münster, Freiburg und St. Gallen. [4]

1858 Stadlin empfängt die Priesterweihe in Feldkirch und feiert daraufhin das erste Messopfer in Zug. Zunächst wirkt er als Kaplan in St. Gallenkappel.

1862 Der junge Pfarrer wird nach Wil SG versetzt, wo er als Kinderpfarrer und Schulinspektor zum Einsatz kommt. [5]

1869 Die Stadt Zug darf noch immer den Pfarrer von Cham bestimmen. Sie wählt Franz Michael Stadlin. Er ist damit der letzte von Zug gewählte Pfarrer in Cham. [6] «Letzten Sonntag fand in hier die Installation des hochw. Hrn. Pfarrer Franz Michael Stadlin statt. Die Feierlichkeit war in der That erhebend, und der Eindruck, den der neue hochw. Herr Pfarrer machte, ein überaus günstiger.» [7] Die Wahl nach Cham ist für Stadlin nicht nur eine Ehre, sondern auch «ein grosses und mühevolles Arbeitsfeld», das er «mit äusserster Hingebung, mit Festigkeit und Klugheit» bearbeitet. [8]

1874 Stadlin wird in den Erziehungsrat des Kantons Zug berufen (bis 1883).

1875 Um die Gläubigen intensiver zu schulen, gründet Stadlin eine Chamer Gruppe des Piusvereins. [9]

1880 Damit er die geistige Bildung weiter vorantreiben kann, gründet Stadlin eine Volksbibliothek, die im Erdgeschoss der Kaplanei im Kirchbüel untergebracht ist. [10] Im gleichen Jahr wird Stadlin zum Sextar gewählt. [11]

1882 Das Kloster Heiligkreuz bekommt einen Neubau, um die Schule zu erweitern, was ganz im Sinne von Pfarrer Stadlin ist.

1884 Um den Einfluss auf die Schule zu stärken, übernimmt Stadlin den Vorsitz der Chamer Schulkommission. [12]

1889 Die Baumwollspinnerei und Weberei Hagendorn wird durch einen Brand zerstört; die Kinder der dazugehörigen Kinder- und Erziehungsanstalt sind orientierungslos. Pfarrer Stadlin gründet daraufhin eine «Kommission zu Versorgung elternloser Kinder». Papierfabrikant Carl Vogel-von Meiss (1850–1911) überlässt der Kommission die Liegenschaft und legt damit die Basis für das Chamer Waisenhaus. [13]

1894 Stadlin wird zum Ehrenbürger ernannt. Er ist – zusammen mit Lehrer Michael Suter (1826–1902) – der erste Ehrenbürger Chams.

1896 Die Beförderungen gehen weiter. Stadlin wird auch noch Dekan des Zuger Priesterkapitels. [14]

1908 Stadlin stirbt am 7. Mai im Alter von 73 Jahren. Heinrich Alois Keiser (1844–1930), Rektor an der Kantonsschule Zug, hält die Abdankungsrede.


Würdigung

Franz Michael Stadlin hatte «eine ausserordentlich gute Gesundheit, die durch ein regelmässiges und unermüdliche Arbeit gefestigt» [15] wurde. Er war «ein hochverdienter, makelloser Geistlicher, tüchtiger Schulmann und grosser Wohltäter der Armen» [16] und galt als [17] «Von Natur aus ein ruhiger, friedfertiger Charakter war er ein Bote des Friedens in der Gemeinde. Wohl schritt er entschieden ein gegen Missbräuche und Laster, aber mit Schonung der Person.» [18]


Die Volksmission

Stadlin führte viermal mit drei Einsiedler Patres von Palmsonntag bis Ostermontag eine Volksmission durch: Dabei hielten sie täglich drei Standespredigten vor vielen hundert Gläubigen. Das erste Mal in den 1870er-Jahren, das zweite Mal 1884, das dritte Mal 1894 und schliesslich 1905. [19] Das grosse Missionskreuz auf der rechten Seite des Kirchenschiffs erinnert an diese Volksmission. [20]


Einzelnachweise

  1. Iten, Albert, Tugium Sacrum. Der Weltklerus zugerischer Herkunft und Wirksamkeit bis 1952, Stans 1952, S. 387
  2. Zuger Nachrichten, 12.05.1908
  3. Nekrologe der verstorbenen Mitglieder [des Historischen Vereins der V Orte], in: Der Geschichtsfreund 63, 1908, S. XIV–XXVIII, zu Stadlin insbesondere S. XXI–XXII
  4. Zuger Nachrichten, 12.05.1908
  5. Iten, Albert, Tugium Sacrum. Der Weltklerus zugerischer Herkunft und Wirksamkeit bis 1952, Stans 1952, S. 387
  6. Iten, Albert, Tugium Sacrum, Stans 1952, S. 388
  7. Neue Zuger Zeitung, 03.02.1869
  8. Zuger Nachrichten, 14.05.1908
  9. Gruber, Eugen et al., Geschichte von Cham, Bd. 2, Cham 1962, S. 252
  10. Gruber, Eugen et al., Geschichte von Cham, Bd. 2, Cham 1962, S. 252
  11. Zuger Nachrichten, 14.05.1908
  12. Gruber, Eugen et al., Geschichte von Cham, Bd. 2, Cham 1962, S. 310
  13. Gruber, Eugen et al., Geschichte von Cham, Bd. 2, Cham 1962, S. 258
  14. Iten, Albert, Tugium Sacrum. Der Weltklerus zugerischer Herkunft und Wirksamkeit bis 1952, Stans 1952, S. 388
  15. Nekrologe der verstorbenen Mitglieder, in: Der Geschichtsfreund 63, 1908, S. XIV–XXVIII, zu Stadlin S. XXI–XXII
  16. Zuger Neujahrsblatt 1910, S. 44
  17. «Förderer der Schule». Historisch-biografisches Lexikon der Schweiz, Band VI, Neuenburg 1931, S. 489
  18. Zuger Nachrichten, 16.05.1908
  19. Zuger Nachrichten, 16.05.1908
  20. Steiner, Hermann et al., Vom Städtli zur Stadt Cham. Geschichte und Geschichten einer Zuger Gemeinde, Cham 1995, S. 71