Sonne

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Aus der Blütezeit des Restaurant Sonne: Verena Bisang-Balmer (1874–1957), genannt «Sonne-Vre», vor dem Eingang der Wirtschaft. Für ein Erinnerungsfoto durfte das Auto selbstverständlich belagert werden. An der linken Hauswand erkennt man das Schild «Coiffeur»
Restaurant Sonne, Westansicht, 2018
Die «Sonne», von Osten her gesehen
Bar, Restaurant …
… und Biergarten
Wer Hagendorn durchwandert, sollte in der «Sonne» einkehren

Die Hagendorner Gastwirtschaft besteht schon 1881, als der Chamer Weiler stark wächst. Aufsehenerregend war die Zeit, als die legendäre Verena Bisang-Balmer die «Sonne» führte und sogar Affen im Garten hielt, sehr zur Freude der Kinder von nah und fern.

Chronologie

1881 Die Brüder Balthasar und Niklaus Fähndrich erbauen die Liegenschaft Sonne in Hagendorn. [1]

1882 Innerhalb von kurzer Zeit ergeben sich zwei Handwechsel: Zuerst kauft Oswald Henggeler die «Sonne», dann Jakob Schürmann. [2]

1888 Jetzt erwirbt eine Frau die Wirtschaft, nämlich Anna Merz. [3]

1891 Drei Jahre später steht der nächste Verkauf an: Balthasar (Balz) Fähndrich ist der neue Eigentümer. [4]

1895 Fähndrich reicht das Gesuch für ein Wirtepatent in der «Sonne» ein – er ist jetzt 42-jährig. [5]

1899 Fähndrich verkauft die Liegenschaft an Jakob Köpfli (1876–1945) von Inwil LU. [6]

1900 Köpfli geht konkurs. Ferdinand Bisang-Balmer (1867–1919), Landarbeiter von Nebikon LU, ersteigert die «Sonne» und stellt das Gesuch für das Wirtepatent. [7]

1902 Verena Bisang-Balmer (1874–1957), genannt «Sonne-Vre» ist nun Eigentümerin der «Sonne». [8] Es ist bemerkenswert, dass sie zu dieser Zeit als Eigentümerin verzeichnet ist und nicht ihr Mann, wie dies oft der Fall war. In der Wirtsstube schneidet Verena Bisang-Balmer auch Haare und Bärte. Im Garten hält sie einen Kleintierzoo: mit prächtigen Vögeln, darunter einem sprechenden Papagei, aber auch mit Affen; der eine hiess Peterli, der andere Motz. «Sonne-Vre war vernarrt in Tiere und liess auch die Umwelt daran Freude haben.» [9] Zudem führt sie in der «Sonne» eine Art Krämerladen für Männer: Sie verkauft vom Kragenknöpfchen bis zum Sockenhalter alles, was Männerherzen begehren. «Nicht selten drehte sie den Kunden während des Haarschneidens oder Rasierens Kleider oder Übergewänder an.» [10]

1923 Die Wirtin Verena Bisang baut das Haus aus und verbessert den baulichen Zustand. [11]

1929 Verena Bisangs Ehegatte Ferdinand stirbt am 31. Januar. Er wurde nicht einmal ganz 62 Jahre alt. Verena Bisang-Balmer führt allein das Restaurant Sonne in Hagendorn. Sie ist auch eine der ersten Frauen im Kanton Zug, die selber ein Auto hat und fahren kann. [12]

1932 Verena Bisang-Balmer nennt sich selber «Coiffeuse» und verlangt vom Chamer Gemeinderat, dass ihr Geschäft nicht der Ladenschlussordnung unterliegt. Im Klartext: Sie will abends und an Wochenenden solange Haareschneiden, wie die Wirtsstube offen ist. [13]

1939 Verena Bisang-Balmer verkauft die Liegenschaft ihrem Schwiegersohn Wilhelm Pfister-Bisang (1907–1952). [14]

1952 Witwe Olga Pfister-Bisang (1914–1959) kauft das Haus. [15]

1957 Verena Bisang-Balmer stirbt am 9. Oktober im Alter von 82 Jahren. Es erscheint keine Todesanzeige und auch kein Nachruf. Publiziert wird nur eine Kurzmitteilung in den Zivilstandsnachrichten. [16] Verena Bisangs Tochter Olga Pfister-Bisang übernimmt die Gastwirtschaft. [17]

1959 Olga Pfister-Bisang stirbt am 29. September. An ihrer Stelle führt ihr Sohn die «Sonne» weiter: Rudolf Pfister (*1935), Coiffeur und Wirt, verheiratet mit Erika Näff. [18]

1966 Erwin Nussbaum-Henggeler (*1934), Schlosser von Beruf, verheiratet mit Maria-Luise, wirtet per 28. Juli in der «Sonne». [19]

1970 Josef Hodel (*1928), Techniker, verheiratet mit Anna Stadelmann, führt jetzt die Gastwirtschaft in Hagendorn. [20]

1976 Margrit Streuli-Schönbächler (*1937), Mutter von vier Kindern, kauft das Haus und übernimmt den Betrieb der «Sonne» per 1. Mai. [21]

1994 Ihr Sohn Paul Streuli (*1964), gelernter Koch aus Horgen ZH, erwirbt das Patent bis 1998. [22]

2018 Raphaela Bind führt das Restaurant Sonne. Das Lokal ist unter der Woche jeden Tag geöffnet. Am Wochenende öffnet die «Sonne» erst ab 15 Personen ihre Türen. Die dreigängigen Mittagsmenus gibt’s ab 15.50 Franken. [23]


Personen


Einzelnachweise

  1. Einwohnergemeindearchiv Cham, Assekuranzregister
  2. Einwohnergemeindearchiv Cham, Assekuranzregister
  3. Einwohnergemeindearchiv Cham, Assekuranzregister
  4. Einwohnergemeindearchiv Cham, Assekuranzregister
  5. Staatsarchiv Zug, CD 27, Wirtepatente 1892–1918, Mappe Sonne, Gesuch vom Juni 1895
  6. Staatsarchiv Zug, CD 27, Wirtepatente 1892–1918, Mappe Sonne, Gesuch vom 11.11.1899
  7. Staatsarchiv Zug, CD 27, Wirtepatente 1892–1918, Mappe Sonne, Gesuch vom 06.12.1900
  8. Einwohnergemeindearchiv Cham, Assekuranzregister
  9. Steiner, Adolf A., Sonne-Vre – Barbierin, Krämerin und Wirtin, in: Zuger Kalender 1989, S. 62
  10. Steiner, Adolf A., Sonne-Vre – Barbierin, Krämerin und Wirtin, in: Zuger Kalender 1989, S. 62
  11. Einwohnergemeindearchiv Cham, Assekuranzregister
  12. Steiner, Adolf A., Sonne-Vre – Barbierin, Krämerin und Wirtin, in: Zuger Kalender 1989, S. 62f.
  13. Einwohnergemeindearchiv Cham, C1-50008
  14. Einwohnergemeindearchiv Cham, Assekuranzregister
  15. Einwohnergemeindearchiv Cham, Assekuranzregister
  16. Zugersee-Zeitung, 15.11.1957
  17. Staatsarchiv Zug, G 468, Wirtepatente, Mappe Sonne, Gesuch vom 11.08.1957
  18. Staatsarchiv Zug, G 468, Wirtepatente, Mappe Sonne, Gesuch vom 25.04.1962
  19. Staatsarchiv Zug, G 468, Wirtepatente, Mappe Sonne, Gesuch vom 07.07.1966
  20. Staatsarchiv Zug, G 468, Wirtepatente, Mappe Sonne, Gesuch vom 18.10.1970
  21. Staatsarchiv Zug, G 468, Wirtepatente, Mappe Sonne, Gesuch vom 10.04.1976
  22. Staatsarchiv Zug, G 468, Wirtepatente, Mappe Sonne, Gesuch vom 23.03.1994
  23. www.hri.ch [Stand: 28.09.2018]