Bisang-Balmer Verena (1874–1957)

Aus Chamapedia
Wechseln zu: Navigation, Suche
Verena Bisang-Balmer (1874–1957)
«Sonne-Vre» vor dem Eingang der Wirtschaft zur Sonne in Hagendorn. Für ein Erinnerungsfoto durfte das Auto selbstverständlich belagert werden. An der linken Hauswand erkennt man das Schild «Coiffeur»
Verena Bisang unterhält sich im Garten mit ihren Lieblingstieren, den Äffchen «Motz» und «Peterli»
Ferdinand Bisang-Balmer (1867–1931)

Verena Bisang-Balmer war eine Chamer Wirtin. Sie soll die erste Chamerin gewesen sein, die Auto fuhr. Verena Bisang führte das Restaurant Sonne in Hagendorn, hielt sich einen Kleinzoo mit Vögeln und sogar mit Affen, schnitt auch die Haare der Beizengäste und verkaufte allerlei in ihrem Krämerladen.


Stationen

1874 Verena Balmer kommt am 27. Januar zur Welt. [1] Sie heiratet Ferdinand Bisang-Balmer (1867–1931).

1902 Verena Bisang-Balmer kauft die Liegenschaft Sonne in Hagendorn. [2] Sie erscheint als Eigentümerin – und nicht ihr Mann, wie das häufig der Fall war. In der Wirtsstube schneidet Verena Bisang-Balmer auch Haare und Bärte. Und im Garten hält sie einen Kleintierzoo: mit prächtigen Vögeln, darunter einem sprechenden Papagei, aber auch mit Affen; der eine hiess «Peterli», der andere «Motz»- «Sonne-Vre war vernarrt in Tiere und liess auch die Umwelt daran Freude haben.» [3] Zudem führt sie in der Sonne eine Art Krämerladen für Männer: Sie verkauft vom Kragenknöpfchen bis zum Sockenhalter alles, was Männerherzen begehren. «Nicht selten drehte sie den Kunden während des Haarschneidens oder Rasierens Kleider oder Übergewänder an.» [4]

1923 Die Wirtin baut das Haus aus und verbessert den baulichen Zustand. [5]

1927 Verenas Ehegatte Ferdinand stirbt am 31. Januar. Er wurde nicht einmal ganz 62 Jahre alt. Verena Bisang-Balmer führt nun das Restaurant Sonne allein. Sie ist auch eine der ersten Frauen im Kanton Zug, die selber ein Auto besitzt und fahren kann. Gemeinhin wird sie nach dem Restaurant nur noch «Sonne-Vre» genannt. [6]

1932 Verena Bisang-Balmer nennt sich selber «Coiffeuse» und verlangt vom Chamer Gemeinderat, dass ihr Geschäft nicht der Ladenschlussordnung unterliegt. Im Klartext: Sie will abends und an Wochenenden so lange Haareschneiden, wie die Wirtsstube offen ist. [7]

1939 Verena Bisang-Balmer verkauft die Liegenschaft ihrem Schwiegersohn Wilhelm Pfister-Bisang. [8]

1957 Sie stirbt am 9. Oktober im Alter von 82 Jahren. Es erscheint keine Todesanzeige und auch kein Nachruf, sondern nur eine Kurzmitteilung in den Zivilstandsnachrichten. [9]


Erinnerungen

Verena Bisang-Balmer fiel in Hagendorn auf. Sie fuhr Auto, war immer gut gekleidet, trug Schmuck, war schlagfertig, vertrat ihre Meinung und sie konnte so laut pfeifen, dass man es im ganzen Dorf hören konnte. «Sie war eine Respektsperson.» [10]


Einzelnachweise

  1. Steiner, Adolf A., Sonne-Vre – Barbierin, Krämerin und Wirtin, in: Zuger Kalender 1989, S. 62f.
  2. Einwohnergemeindearchiv Cham, Assekuranzregister 233a
  3. Steiner, Adolf A., Sonne-Vre – Barbierin, Krämerin und Wirtin, in: Zuger Kalender 1989, S. 62
  4. Steiner, Adolf A., Sonne-Vre – Barbierin, Krämerin und Wirtin, in: Zuger Kalender 1989, S. 62
  5. Einwohnergemeindearchiv Cham, Assekuranzregister
  6. Steiner, Adolf A., Sonne-Vre – Barbierin, Krämerin und Wirtin, in: Zuger Kalender 1989, S. 62f.
  7. Einwohnergemeindearchiv Cham, C1-50008
  8. Einwohnergemeindearchiv Cham, Assekuranzregister
  9. Zugersee-Zeitung, 15.11.1957
  10. Steiner, Adolf A., Sonne-Vre – Barbierin, Krämerin und Wirtin, in: Zuger Kalender 1989, S. 63