Isenring Lamberta (1901–2005)

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Portrait von Isenring Lamberta (1901–2005)
Portrait von Isenring Lamberta (1901–2005), Sr.

Namens­zusatz: Sr.
Vorname: Lamberta
Nachname: Isenring
Geschlecht: weiblich
Geburts­datum: 12. September 1901
Geburt­sort: Wolfertswil-Degersheim SG
Todes­datum: 2. November 2005
Todes­ort: Cham ZG
Beruf: Operationsschwester, Pflegefachfrau
Religion: römisch-katholisch

Schwester Lamberta Isenring war Olivetaner-Benediktinerin im Kloster Heiligkreuz in Lindencham. Sie arbeitete viele Jahre in den Spitälern in Cham und Zug. Im Spital Cham war sie viele Jahre Oberin. Dort arbeitete sie bis zu ihrem 95. Geburtstag, am Schluss als Hausbeamtin und geistliche Begleiterin von Kranken und Sterbenden. Als Sr. Lamberta mit 104 Jahren starb, war sie die mit Abstand älteste Chamerin.



Sr. Lamberta, auch eine begeisterte Jasserin
Die Ordensschwestern Sr. Lamberta, Sr. Maria Alphonsa Stähelin (1923–2012) und Sr. Maria Patrizia Högger (1921-2013) am Spitalbazar in Cham, 04.10.1981


Stationen

1901 Maria Rosa Isenring kommt am 12. September in Wolfertswil bei Degersheim SG zur Welt. Sie ist die Zweitälteste von sechs Kindern. Ihr Vater ist Briefträger, ihre Mutter Hausfrau und Schneiderin. Sie besucht die Schulen in Degersheim. [1][2]

Ihr Vater stirbt mit 38 Jahren, als ihr jüngstes Geschwister noch nicht ein Jahr alt ist. [3]

1915 Maria Rosa stellt ihren Berufswunsch, Lehrerin zu werden, zurück und unterstützt ihre Mutter, die nach dem Tod des Vaters alleine für die Familie sorgen muss. Sie beginnt nach Abschluss der obligatorischen Schulzeit in einer Stickereifabrik zu arbeiten. Zeitweise ist sie auch als Verkäuferin tätig. [4]

Später hilft sie in der Konditorei und im Café ihres Bruders in Wil SG mit. In ihrer Freizeit spielt sie Theater und singt im Kirchenchor. In Wil kommt sie mit den Schwestern von Heiligkreuz in Lindencham in Kontakt, die das Kurhaus in Dussnang TG führen. [5]

1930 Maria Rosa tritt mit 29 Jahren als Kandidatin ins Kloster Heiligkreuz ein. Sie wählt bewusst ein Kloster, in dem sie aktiv für die Menschen tätig sein kann, kein kontemplatives. [6] Im Heiligkreuz wird sie in der klostereigenen Schule zwei Jahre in Krankenpflege ausgebildet und hilft gelegentlich im Asyl Cham (später Spital Cham), wo die Heiligkreuzer Schwestern arbeiten. Die Arbeit im Spital überfordert sie anfänglich, sie denkt daran, das Kloster zu verlassen. [7]

Maria Rosa leistet auch Einsätze im Bürgerspital Zug (später Kantonsspital). Chefarzt Otto Zürcher (1884–1974) bildet sie für die Tätigkeit im Operationssaal aus, obwohl ihr diese Arbeit anfänglich missfällt. Schon bald findet sie daran aber Gefallen. [8]

1932 Maria Rosa Isenring feiert am 22. August ihr erste Profess und bekommt den Namen Sr. Lamberta. Danach arbeitet sie ein Jahr im Spital Cham. [9][10]

1933 Sr. Lamberta wird Krankenpflegerin und Operationsschwester am Bürgerspital Zug. Sie arbeitet dort 14 Jahre. [11]

1938 Sr. Lamberta legt am 2. August ihre ewige Profess ab. [12]

1947 Sr. Lamberta wird für drei Jahre Oberin im Asyl Cham. [13]

1950 Sr. Lamberta kehrt ins Kloster Heiligreuz zurück. Sie wird für 12 Jahre Assistentin von Sr. Angelika Steiner, Frau Mutter im Kloster Heiligkreuz. [14]

1954 Sr. Lamberta besucht berufsbegleitend für vier Jahre den Theologiekurs für Laien in Zürich. [15]

1963 Sr. Lamberta kehrt ins Asyl Cham zurück und arbeitet dort für weitere 10 Jahre als Oberin. [16]

Das Institut Heiligkreuz erhält am 29. Dezember das schon lang ersehnte «Decretum laudis», das Belobigungsschreiben aus Rom. Damit ist das Institut Heiligkreuz nach mehr als 100 Jahren seines Bestehens endlich kirchenrechtlich anerkannt. Der Festprediger, Pater Innozenz Bischof (1914 –1967), Spiritual im Heiligkreuz, richtet einen besonderen Dank an Sr. Angelika Steiner und ihre Stellvertreterin Sr. Lamberta Isenring. Beide haben in der Zeit, als sie dem Kloster vorstanden, sehr viel zur Erreichung dieses Ziels beigetragen. [17]

1973 Sr. Lamberta, unterdessen 72-jährig, gibt ihr Amt als Oberin im Spital Cham an Sr. Aniceta Rüttimann (1911–2000) weiter. [18]

Sie bleibt Teil der Schwesterngemeinschaft im Spital Cham und arbeitet dort bis ins hohe Alter als Hausbeamtin und geistliche Begleiterin der Patientinnen und Patienten. [19]

1982 Sr. Lamberta ist 50 Jahre im Kloster. Sie feiert am 31. Mai ihre goldene Profess. [20]

1992 Sr. Lamberta feiert am 8. Juni ihre diamantene Profess. [21]

1996 Sr. Lamberta, unterdessen 95-jährig und über 30 (!) Jahre schon im ordentlichen Pensionsalter lebend, gibt ihre Tätigkeit im Spital Cham endgültig auf, als das Kloster die Schwestern zurückzieht. [22]

1997 Sr. Lamberta feiert 65 Jahre Profess. [23]

1998 Das Schweizer Radio strahlt am 14. Juli in der Sendung MEMO um 08:35 Uhr eine Sendung über Sr. Lamberta aus. [24]

2001 In beneidenswerter geistiger und körperlicher Frische und ohne gravierende Altersbeschwerden kann Sr. Lamberta am 12. September ihren 100. Geburtstag feiern. Die Andreasklinik und der Bürgerrat laden sie zu einer Geburtstagsfeier in der Andreasklinik ein. [25]

2002 Sr. Lamberta feiert das «steinerne» Professjubiläum. [26]

2005 Sr. Lamberta stirbt am 2. November im Kloster Heiligkreuz, 51 Tage nach ihrem 104. Geburtstag. Sie war zu diesem Zeitpunkt die mit Abstand älteste Chamerin. [27]


Würdigung

Sr. Lamberta Isenring war eine aussergewöhnliche Frau.

Sie hat in der Medizin und in der Krankenpflege ihren «Traumberuf» gefunden und ausserordentlich viel geleistet, obwohl sie am Anfang Widerstände spürte. Menschen, die sie gekannt haben, beschreiben sie als liebenswürdige und mütterliche Frau, die bis ins höchste Alter voller Lebensfreude war. [28] Sr. Lamberta strahlte eine grosse Ruhe aus. Ihre Mitschwester im Spital Cham, Sr. Hedwig Ziegler, fand dafür folgende sehr treffende Formulierung: «Der Teufel musste auf Stelzen kommen, um sie aus der Ruhe zu bringen». [29]

Sr. Lamberta liebte das Zusammensein mit Menschen und sie genoss es, wenn sie an Geburtstagen und Jubiläen geehrt wurde. [30] Ein besonders eindrückliches Beispiel ist die Festrede von Sr. Cäcilia Iten, Priorin von Heiligkreuz, zum 100. Geburtstag von Sr. Lamberta. Sie wählte das Jassen, dem Sr. Lamberta und einige Schwestern im Spital in der spärlichen Freizeit gerne frönten, als Leitmotiv ihrer Laudatio. Sie verglich die einzelnen Stationen im langen Leben von Sr. Lamberta mit diesem Spiel. Die Karten wurden immer wieder neu gemischt, mal kriegte Sr. Lamberta ein gutes Blatt und manchmal eben nicht und hat sich dann damit arrangiert. [31] Sr. Lambertas Freude an diesem Festtag war so gross, dass die 100-Jährige einem Alphorn einige Töne zu entlocken versuchte. [32] In der Todesanzeige wird Sr. Lamberta als «kluge und mütterliche Frau» beschrieben, die «trotz grosser Veranwortung und strengster Berufsarbeit» im Umgang mit dem Personal und den Patienten «immer vornehm und herzlich» blieb. [33] Besonders bemerkenswert ist, dass Sr. Lamberta bis zu ihrem 95. Geburtstag im Spital Cham mitgearbeitet hat. Dort hat sie viele Kontakt geknüpft. Diese Beziehungen hat sie bis ins höchste Alter gepflegt.

Zu ihrem 100. Geburtstag hat Alt-Regierungsrat und Alt-Gemeindepräsident Heinrich Baumgartner (1923–2013) in der Neuen Zuger Zeitung Sr. Lamberta wie folgt gewürdigt: «Aus ihrem Leben ist eine typische "Klosterfraukarriere" geworden - geprägt von gerne erbrachter Pflichterfüllung zu Gunsten Dritter und als selbstverständlich empfundener Hinwendung zum Mitmenschen: Während Jahrzehnten setzte sich Schwester Lamberta im Spital Cham an vorderster Stelle für das Wohl von Kranken und Leidenden und für die Chamer Bevölkerung überhaupt ein. Deshalb erinnern sich heute noch viele, vor allem ältere Chamerinnen und Chamer, mit Dankbarkeit im Herzen an sie, ihre Hilfe oder die aufmunternden Worte, die sie in einem schweren Moment ihres Lebens für sie hatte.» [34]


Dokumente

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Würdigung von Sr. Cäcilia Iten zum 100. Geburtstag von Sr. Lamberta


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Todesanzeige von Sr. Lamberta, 2005


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Hinweis im Thuner Tagblatt auf eine Radiosendung mit Sr. Lamberta, 1998


Einzelnachweise

  1. Neue Zuger Zeitung, 12.09.2001
  2. Archiv Kloster Heiligkreuz, Cham, Freundliche Mitteilung von Sr. Agnes Widmer
  3. Neue Zuger Zeitung, 12.09.2001
  4. Neue Zuger Zeitung, 12.09.2001. Archiv Kloster Heiligkreuz, Cham, Freundliche Mitteilung von Sr. Agnes Widmer
  5. Neue Zuger Zeitung, 12.09.2001
  6. Archiv Kloster Heiligkreuz, Sr. Cäcilia Iten, Priorin, anlässlich des 100. Geburtstags von Sr. Lamberta
  7. Archiv Kloster Heiligkreuz, Sr. Cäcilia Iten, Priorin, anlässlich des 100. Geburtstags von Sr. Lamberta
  8. Neue Zuger Zeitung, 12.09.2001. Archiv Kloster Heiligkreuz, Cham, Freundliche Mitteilung von Sr. Agnes Widmer
  9. Neue Zuger Zeitung, 12.09.2001 Seite 31
  10. Archiv Kloster Heiligkreuz, Cham, Sr. Agnes Widmer
  11. Archiv Kloster Heiligkreuz, Cham, Freundliche Mitteilung von Sr. Agnes Widmer
  12. Archiv Kloster Heiligkreuz, Cham, Freundliche Mitteilung von Sr. Agnes Widmer
  13. Neue Zuger Zeitung, 12.09.2001. Archiv Kloster Heiligkreuz, Cham, Freundliche Mitteilung von Sr. Agnes Widmer
  14. Neue Zuger Zeitung, 12.09.2001. Archiv Kloster Heiligkreuz, Cham, Freundliche Mitteilung von Sr. Agnes Widmer
  15. Archiv Kloster Heiligkreuz, Cham, Freundliche Mitteilung von Sr. Agnes Widmer
  16. Neue Zuger Zeitung, 12.09.2001. Archiv Kloster Heiligkreuz, Cham, Freundliche Mitteilung von Sr. Agnes Widmer
  17. Neue Zürcher Nachrichten, 02.01.1963
  18. Odermatt, Alice / Stadlin, Judith, Vom Asyl Cham zur AndreasKlinik. Eine Erfolgsgeschichte der Bürgergemeinde Cham, Cham 2009, S. 102
  19. Neue Zuger Zeitung, 12.09.2001. Archiv Kloster Heiligkreuz, Cham, Freundliche Mitteilung von Sr. Agnes Widmer
  20. Archiv Kloster Heiligkreuz, Cham, Freundliche Mitteilung von Sr. Agnes Widmer
  21. Archiv Kloster Heiligkreuz, Cham, Freundliche Mitteilung von Sr. Agnes Widmer
  22. Neue Zuger Zeitung, 12.09.2001. Archiv Kloster Heiligkreuz, Cham, Freundliche Mitteilung von Sr. Agnes Widmer
  23. Archiv Kloster Heiligkreuz, Predigt von Pater August Gassmann im Abschiedsgottesdienst 2005
  24. Thuner Tagblatt, 14.07.1998
  25. Neue Zuger Zeitung, 12.09.2001
  26. Archiv Kloster Heiligkreuz, Predigt von Pater August Gassmann im Abschiedsgottesdienst 2005
  27. Archiv Kloster Heiligkreuz, Cham, Freundliche Mitteilung von Sr. Agnes Widmer
  28. Archiv Kloster Heiligkreuz, Predigt von Pater August Gassmann im Abschiedsgottesdienst 2005
  29. Freundliche Mitteilung von Sr. Hedwig Ziegler, Kloster Heiligkreuz, Cham, 10.12.2021
  30. Archiv Kloster Heiligkreuz, Predigt von Pater August Gassmann im Abschiedsgottesdienst 2005
  31. Archiv Kloster Heiligkreuz, Sr. Cäcilia Iten, Priorin, anlässlich des 100. Geburtstags von Sr. Lamberta
  32. Archiv Kloster Heiligkreuz, Predigt von Pater August Gassmann im Abschiedsgottesdienst 2005
  33. Archiv Kloster Heiligkreuz, Sr. Simone Buchs in der Todesanzeige von 2005
  34. Neue Zuger Zeitung, 12.09.2001