Fugazza-Meier Gotthard (1917–1976)

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Portrait von Fugazza-Meier Gotthard (1917–1976)
Portrait von Gotthard Fugazza, ca. 50-jährig

Vorname: Gotthard Josef Joachim
Nachname: Fugazza-Meier
Geschlecht: männlich
Geburts­datum: 8. Mai 1917
Geburt­sort: Konstanz (D)
Todes­datum: 20. September 1979
Todes­ort: Griechenland
Beruf: Lohnbuchhalter

Gotthard Fugazza-Meier war eine wichtige Administrativkraft der Papierfabrik Cham: Er war Chef des Lohnbüros und Verwalter der Betriebskrankenkasse.



Die legendären Lohntüten der Papierfabrik Cham
Gotthard Fugazza mit seinen Mitarbeiterinnen im Lohnbüro
Gotthard Fugazza mit seiner Frau Meta vor dem Eigenheim an der Weinbergstrasse, ein Jahr vor seinem Tod, 1975


Stationen

1917 Gotthard Fugazza kommt am 8. Mai in Konstanz zur Welt, wo er mit zwei Schwestern aufwächst und die Schulen besucht. Sein Vater Josef hatte ein Musikstudium begonnen, arbeitete dann aber als Kunstgewerbler und Fotograf, seine Mutter stammte aus Deutschland. Die Familie Fugazza stammt aus Curio TI im Malcantone. Der Grossvater von Gotthard Fugazza war nach Konstanz ausgewandert und hatte sich dort als Steinbildhauer selbstständig gemacht. [1]

ca. 1935 Gotthard Fugazza zieht als junger Erwachsener nach Luzern. Dort besucht er für kurze Zeit die Zentralschweizerische Verkehrsschule, wechselt dann aber nach Lugano und macht dort eine kaufmännische Lehre in einem Reisebüro. In Lugano wohnt er in einem Lehrlingsheim und lernt italienisch. [2]

ca. 1940 Fugazza tritt eine Stelle in der Administration der Papierfabrik Perlen LU an. Während seiner Zeit in Perlen lernt er Meta Meier kennen, deren Vater in der Papierfabrik arbeitet. [3]

1946 Gotthard Fugazza und Meta Meier heiraten, er ist 29-, seine Frau 21-jährig. Sie beziehen eine Wohnung im Haus der Apotheke Anklin an der Poststrasse in Cham, später ziehen sie an die Pilatusstrasse. [4] Fugazza tritt am 25. März eine Stelle in der Papierfabrik Cham an. Er ist Mitarbeiter zuerst im Lohnbüro, nach der Pensionierung seines Chefs, Oskar Louis Pache (1886–1956), wird er Chef des Lohnbüros und Verwalter der Betriebskrankenkasse. Mit der Schaffung der AHV und dem Beitritt der Papierfabrik zur paritätischen Arbeitslosenkasse der Papierindustrie wird sein Aufgabenbereich wesentlich erweitert. Fugazza wird zudem Fourier der Betriebsfeuerwehr. [5]

1947 Die erste Tochter Silvia wird geboren. [6]

1953 Geburt der zweiten Tochter, Claudia. [7]

1961 Fugazza wird zum Handlungsbevollmächtigten ernannt. [8]

1962 Die Familie Fugazza bezieht ihr neu erstelltes Eigenheim an der Weinbergstrasse 10 in Cham. [9]

1963 Das Lohnbüro unter der Leitung von Gotthard Fugazza stellt auf «monatliche Lohnabrechnung mit halbmonatlicher Zwischenzahlung» um. Zuvor wurden die Löhne in der Papierfabrik wöchentlich in einem gelben Papiersäcklein ausbezahlt. [10]

1976 Als Fugazza in Griechenland in den Ferien weilt, stirbt er am 20. September mit nur 59 Jahren völlig überraschend an einem Herzversagen. [11] Nach Fugazzas Tod wird das System der Lohnzahlung umgestellt, die Löhne werden bargeldlos überwiesen. [12]

Würdigung

Gotthard Fugazza war ein sehr zuverlässiger und korrekter Mensch. Ein Schriftpsychologe attestierte ihm: «Seine moralische Zuverlässigkeit (Vertrauenswürdigkeit) erscheint so gut wie unbegrenzt.» [13] In der Papierfabrik wurden die Löhne der Arbeiterschaft bis 1978 bar ausbezahlt. Im Lohnbüro lag deshalb viel Bargeld. Deshalb machte sich Fugazza Gedanken, wie er sich bei einem Überfall verhalten würde: Er hätte keinen Widerstand geleistet und das Geld ausgehändigt. [14] Gotthard Fugazza war ein begabter Musiker, er spielte Klavier und Akkordeon, vor allem Unterhaltungsmusik. Jahrelang war er Mitglied der Tanzband «Zingg», die an verschiedenen Tanzanlässen aufspielte, so jedes Jahr an Silvester im Kursaal von Engelberg OW. [15]

Fugazza war auch sportbegeistert. Er war Mitglied im Tennisclub der Papierfabrik, ging mit seiner Familie gerne Wandern und Skifahren. [16]


Anekdote

Im Löbernquartier wohnten viele Papieri-Familien. Eltern und Kinder waren in der Kranken- und Unfallkasse der Papierfabrik versichert, für die Herr Fugazza verantwortlich war. Als sich ein etwa 12-jähriger Knabe anschickte, das erste Mal den Rasen mit dem Benzinmäher zu schneiden, kam – kaum hatte er den Mäher gestartet – Herr Fugazza auf ihn zu. Er gab dem Knaben ein Zeichen, den Motor abzustellen, deutete auf seine Turnschuhe und sagte: «Mit diesen Schuhen darfst du den Rasen nicht mähen, du könntest dich schwer verletzen, wenn du ausrutschst!» Er riet dann, Wanderschuhe zu tragen, fügte aber bei, dass Schuhe mit Stahlkappen die sicherste Option wären. Diese Begegnung kommt dem damaligen Nachwuchsgärtner oft in den Sinn, wenn er sich anschickt, die Wanderschuhe anzuziehen, um den Rasen zu mähen. [17]


Einzelnachweise

  1. Freundliche Auskunft von Claudia Fugazza, 11.04.2022
  2. Freundliche Auskunft von Claudia Fugazza, 11.04.2022
  3. Freundliche Auskunft von Claudia Fugazza, 11.04.2022
  4. Freundliche Auskunft von Claudia Fugazza, 11.04.2022
  5. Chamer Mosaik, Hauszeitschrift der Industrieholding Cham AG 2, 1976, S. 35
  6. Freundliche Auskunft von Claudia Fugazza, 11.04.2022
  7. Freundliche Auskunft von Claudia Fugazza, 11.04.2022
  8. Chamer Mosaik, Hauszeitschrift der Industrieholding Cham AG 2, 1976, S. 35
  9. Freundliche Auskunft von Claudia Fugazza, 11.04.2022
  10. Orsouw, Michael van, Der Zellstoff, auf dem die Träume sind. 350 Jahre Papieri Cham, Cham 2006, S. 118
  11. Chamer Mosaik, Hauszeitschrift der Industrieholding Cham AG 2, 1976, S. 35
  12. Vgl. Anmerkung 10 (van Orsouw), S. 118
  13. Vgl. Anmerkung 10 (van Orsouw), S. 161
  14. Freundliche Auskunft von Claudia Fugazza, 11.04.2022
  15. Freundliche Auskunft von Claudia Fugazza, 11.04.2022
  16. Freundliche Auskunft von Claudia Fugazza, 11.04.2022
  17. Erinnerung von Thomas Fähndrich, als Nachbar von Familie Fugazza in Cham aufgewachsen, aufgezeichnet am 05.04.2022