Pache Ruth (1919–2013)

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Portrait von Pache Ruth (1919–2013)
Portrait von Ruth Pache (1919–2013)

Vorname: Ruth
Nachname: Pache(-Vuilleumier)
Geschlecht: weiblich
Geburts­datum: 10. Mai 1919
Geburt­sort: Cham ZG
Todes­datum: 29. April 2013
Todes­ort: Biel BE
Beruf: Sängerin

Ruth Pache kam in Cham zur Welt, wurde schweizweit eine bekannte Sängerin und Gesangspädagogin. Ihr Lebensmittelpunkt verlagerte sich nach Biel, wo sie im Städtebundtheater Biel-Solothurn grosse Rollen spielte.



Ruth Pache, abgebildet im Programmheft «Eine Nacht in Venedig» der Sommernachtfestspiele in Cham, 1951
Ruth mit einem ihrer vielen Gesangspartner
Ruth Pache im Alter, in ihrer Wohnung in Biel, 2011


Stationen

1919 Ruth Susanne Pache kommt am 10. Mai in Cham zur Welt und wird künftig immer Ruth genannt. [1] Ihr Vater Oskar Louis Pache (1886–1956) stammt aus Thun und findet 1906 eine Stelle als kaufmännischer Angestellter in der Papierfabrik Cham. Im Reformierten Kirchenchor Cham lernt er die Tochter von Villette-Gärtner Jakob Fischer, Frida Emma Fischer (1887–1974), kennen und lieben. Die Beiden heiraten und haben fünf Kinder: Marcel (*1912), Beatrice (*1914), Margot (*1916), Ruth und Oscar (*1929). Man singt viel im Hause Pache, spielt Klavier und besucht Konzerte. [2]

1935 Ruth hat nicht nur eine schöne Singstimme, sondern auch geschickte Hände. Deshalb absolviert sie eine Lehre als Damenschneiderin. Sie wird ihr Leben lang ihre Kleider selber nähen. [3]

1936 In Zug bei Anna Müller bekommt Ruth Pache ihre erste Gesangsausbildung. [4]

1937 Ruth Pache spielt mit der Theatergesellschaft Cham im Stück «Heinrich von Hünenberg» die Roswita von Hünenberg und singt mit ihrer Schwester Margot im Chor. [5]

1938 Jetzt kann Ruth Pache ihre Singstimme am Konservatorium Zürich bei der Sopranistin Ria Ginster (1898–1985) weiterentwickeln. [6] Zudem arbeitet sie als Schneiderin im exklusiven Modehaus Wigert an der Zürcher Bahnhofstrasse. [7] Als sie sich zwischen der Modewelt und der Musik entscheiden muss, wählt sie die Musik.

1943 Ruth Pache belegt den Meisterkurs bei Heinrich Schlusnus (1888–1952) in Braunwald GL. [8]

1944 Nach der profunden Ausbildung folgen die ersten Engagements von Ruth Pache bei Radio Svizzera Italiana. [9]

1945 Ruth Pache kann in diesem und in den folgenden 14 Jahren diverse Rollen beim Städtebundtheater Biel-Solothurn singen. [10] Die erste Rolle singt sie in der Operette «Der letzte Walzer», wo sie nicht nur singt, sondern auch tanzt. Fünf Opern pro Saison werden einstudiert und gespeilt, Ruth Pache gehört zum festen Ensemble. Daneben unterrichtet sie Gesang und Klavier; eine ihrer Klavierschülerinnen ist die später bekannte Schauspielerin Maria Schell (1926–2005). [11]

1947 In ihrem zweiten Jahr beim Städtebundtheater lernt Ruth Pache ihren zukünftigen Mann, Henri Vuilleumier (1922–1969) kennen: Er ist der Grund, warum sie Biel als Lebensmittelpunkt behält.

1951 Für die Grossproduktion «Eine Nacht in Venedig» in Cham kehrt Ruth Pache an den Ort ihrer Kindheit zurück: Bei den Sommernachtfestspielen singt sie die weibliche Hauptrolle der Barbara. [12]

1959 Die Sängerin zieht es ins Ausland: Sie arbeitet für zwei Jahre am Landestheater in Innsbruck. [13]

1962 Jetzt geht es noch weiter in die Ferne: Ruth Pache wirkt als Sängerin an der Israelischen Nationaloper in Tel Aviv. [14] Sie singt dort auch mit dem dem weltbekannten Künstler Placido Domingo (*1941). [15]

1963 Ruth Pache kehrt in die Schweiz zurück und lässt sich an der Murtenstrasse 33 in Biel nieder. Sie singt und spielt weiterhin beim Städtebundtheater Biel-Solothurn. Die Aufführungen finden in Biel Solothurn, Burgdorf BE, Langenthal BE und Grenchen SO statt. Daneben gibt sie ihre Erfahrungen und ihr Können an Gesangsschülerinnen und -schüler weiter. [16]

1974 Im Februar singt Ruth Pache im Kulturzyklus Cham ein Operettenkonzert mit Albert Kunz, Tenor, und mit Peter Garst am Flügel, vor einem begeisterten Publikum mit vielen Bekannten ihrer Jugend. [17]

1979 Gesangsbegeisterte Frauen von Biel schliessen sich unter Leitung von Ruth Pache zum «Damenchor Ruth Pache» zusammen und treten mit Volks- und Weihnachtsliedern im Bieler Stadtcafé auf. [18]

1995 Die Sängerin setzt ihre musikalische Kunst wiederholt bei Beerdigungen in Biel ein. [19] Sie tritt, um ihr Gehalt aufzubessern, auch immer wieder bei Privatanlässen auf. So singt sie wohl 1000 Mal bei Abdankungen, «ja, auch das gehört dazu, zum Abschluss des Lebenskreises». [20]

2013 Ruth Pache stirbt am 29. April in Biel, sie wurde knapp 94 Jahre alt. [21]


Ein Star

Die gebürtige Chamerin Ruth Pache ist in Biel ein Star! Beispielhaft dafür sei eine Kritik aus dem Jahr 1972 zitiert: «Die drei Hauptdarsteller steigern die packende Vorstellung zu einem Fest schöner Stimmen, wie es in Biel seit langer zeit nicht mehr zu hören war. Ruth Pache, vokal strahlend und schauspielerisch bis in jede Bewegung hinein souverän, schenkt der Titel Rolle ihr reifes Können und ihre faszinierende Ausstrahlung. Sie verlässt sich nicht nur auf den Glanz ihrer treffsicher angesetzten Spitzentöne; sie nüanciert ihre Figur meisterlich durch und findet immer wieder bemerkenswerte, tief berührendes Zwischentöne.». [22]


Ihre liebste Rolle

Bei einem Interview wurde Ruth Pache nach ihrer liebsten Rolle gefragt: «Schwer zu sagen! – Eigentlich Mozart, denn das ist reinste Gesangskultur. (...) Auf der Bühne bin ich viele Tode gestorben – bin vergiftet, erstochen, erstickt worden oder habe mich selber umgebracht. Sehr gern habe ich Frauen mit Herz gespielt, die aber doch über der Sache standen.» [23]


Dokument

15010 6-Pache Operettenabend Cham 1974.jpg

Programmheft Kulturzyklus Cham, Operettenabend im Pfarreiheim Cham, 08.02.1974

Besetzungsliste «Heinrich von Hünenberg» im Jahr 1936


Einzelnachweise

  1. Bieler Tagblatt, 30.03.2013
  2. Bieler Tagblatt, 10.06.2011
  3. Bieler Tagblatt, 10.06.2011
  4. Suter, Paul, Ruth Pache, in: Kotte Andreas (Hg.), Theaterlexikon der Schweiz, Zürich 2005, Bd. 2, S. 136
  5. Freundliche Mitteilung von August Sidler, Cham, 12.06.2022
  6. Vgl. Anmerkung 4 (Suter), S. 136
  7. Bieler Tagblatt, 30.03.2013
  8. Vgl. Anmerkung 4 (Suter), S. 136
  9. Vgl. Anmerkung 4 (Suter), S. 136
  10. Vgl. Anmerkung 4 (Suter), S. 136
  11. Bieler Tagblatt, 10.06.2011
  12. Eine Nacht in Venedig; Programmheft Sommernachtsfestspiele Cham 1951
  13. Vgl. Anmerkung 4 (Suter), S. 136
  14. Vgl. Anmerkung 4 (Suter), S. 136
  15. Bieler Tagblatt, 10.06.2011
  16. Bieler Tagblatt, 10.06.2011
  17. Programmheft Kulturzyklus Cham
  18. Bieler Tagblatt, 17.12.1979
  19. Bieler Tagblatt, 03.01.1995, 25.03.1995, 20.04.1995, 28.10.1995
  20. Bieler Tagblatt, 10.06.2011
  21. Bieler Tagblatt, 30.04.2013
  22. Bieler Tagblatt, 12.10.1972
  23. Theater Biel Solothurn, Geschichte und Geschichten des kleinsten Stadttheaters der Schweiz, Zürich 2004, S. 106