Keiser Bartholomäus (1599–1670)

Aus Chamapedia
Wechseln zu: Navigation, Suche

Portrait fehlt

Es ist kein Portrait dieser Person verfügbar.

Vorname: Bartholomäus
Nachname: Keiser
Geschlecht: männlich
Geburtsdatum: 1599
Geburtsort: Zug
Todesdatum: 19. April 1670
Todesort: Zug
Beruf: Geistliche, Pfarrer
Religion: römisch-katholisch

Der Stadtzuger Bartholomäus Keiser lebte 23 Jahre als Pfarrer in Cham. In seiner Zeit etablierte sich die Wallfahrt zum «Bischof ohne Namen». Mit dem Zuger Stadtrat focht er so manchen Strauss aus.




Stationen

1599 Bartholomäus Keiser wird in Zug geboren. Seine Eltern sind Martin Keiser und Barbara, geborene Moos. Über seine Ausbildung ist nichts bekannt. Er ist für eine kurze Zeit Pfarrer in Andermatt UR. [1]

1629 Als Sechser der Schwarzmurerpfründe wird Keiser Pfarrhelfer und Schulherr in der Stadt Zug. Er ist der Nachfolger von Johannes Mahler (um 1590–1634), gebürtig aus Cham. Es sind schwierige Zeiten: In der Stadt und im ganzen Stand Zug grassiert die Pest. [2]

1635 Im Februar muss für den verstorbenen Chamer Pfarrer Johannes Gugolz (1562–1635) ein Nachfolger gewählt werden. Um öffentliche Streitigkeiten zu vermeiden, aber auch auf Bitten der Kandidaten Noe Muos (1606–1647), Pfarrer von Steinhausen, und Pfarrhelfer Keiser, ordnet der Zuger Stadtrat eine geheime Pfarrwahl an.

Jeder Bürger soll im Verborgenen den gewünschten Kandidaten auf ein Zettelchen schreiben und diese in unterschiedliche Büchsen legen. Im ersten Wahlgang erreichen beide Kandidaten gleich viele Stimmen. Daher beschliesst der Stadtrat, das Schicksal durch ein unwissendes (und unschuldiges) Kind bestimmen zu lassen: Der Zuger Grossweibel Hans Speck holt auf der Gasse den noch nicht siebenjährigen Kaspar Knopfli (1627–1705), den späteren Ratsherr und Goldschmied und Sohn von Alt Stadtschreiber Beat Jakob Knopfli (1588–1662). Der kleine Kaspar erhält zwei gefaltete Zettel, einen leeren und einen mit den Worten «Pfarrei Cham» bezeichneten, den er den Kandidaten zuteilen muss. Das Los fällt so auf Bartholomäus Keiser, der am 9. Februar zum neuen Pfarrer von Cham gewählt wird. [3]

Zwischen den Erben des verstorbenen Pfarrers Gugolz und Pfarrer Keiser kommt es kurz nach dessen Amtsrat zu einem Streit. Der Zuger Stadtrat entscheidet, dass Pfarrer Keiser grundsätzlich jährlich 50 Gulden in einen Baufonds für ein neues Pfarrhaus zu zahlen hat. Für das erste Jahr müsse er aber nichts einzahlen, im zweiten Jahr sollen es dann 40 Gulden sein. [4]

1636 Bei seinen Chamer Schäfchen findet Pfarrer Keiser offenbar nicht immer die richtigen Worte. Streitigkeiten müssen vor dem Zuger Stadtrat geschlichtet werden (vgl. unten).

1643 Pfarrer Keiser steht wieder vor dem Stadtrat: Er beklagt sich über die hohen Kosten für den Innenausbau des neuen Pfarrhauses im Kirchbüel. [5] Er habe im letzten Jahr den Kaufpreis von 600 Gulden für das Haus bezahlt und seither laut eigener Rechnung noch weitere Auslagen gehabt. Der Zuger Stadtrat beschliesst, wenn Keiser noch weitere 200 Gulden aus der eigenen Tasche übernehme, bezahle der Rat die verbleibenden Kosten. Der Pfarrer darf seine gesamten Ausgaben vom jährlich schuldigen Fabrikgeld von 50 Gulden abziehen. Falls die Jahre, die er noch in Cham bleibt, nicht ausreichen sollten, muss sein Nachfolger ihm oder seinen Erben den Rest ersetzen. [6]

1657–1662 In der Pfarrkirche St. Jakob wird ein neuer Hochaltar errichtet. Den Aufbau macht Schreiner Franz Karl Twerenbold aus Rumentik. [7]

1658 Nach 23 Jahren als Pfarrer in der Vogtei Cham kehrt Bartholomäus Keiser in seine Geburtsstadt Zug zurück. Er arbeitet als Pfarrhelfer der St. Annapfründe. [8]

1670 Im Alter von rund 70 Jahren stirbt Pfarrer Keiser am 19. April in der Stadt Zug. [9]


Die Legende vom Bischof ohne Namen

Im Mai 1635 besucht der Kartäusermönch Heinrich Murer (1588–1638) vom Kloster Ittingen TG die Chamer Pfarrkirche. Er kommt mit Pfarrer Keiser ins Gespräch und verschriftlicht zum ersten Mal die Legende des Chamer Bischofs ohne Namen.

Wallfahrtsbildchen mit dem Bischof ohne Namen und der alten Pfarrkirche, gedruckt bei Johann Michael Alois Blunschi (1758–1832) in Zug, spätes 18. oder frühes 19. Jahrhundert. Die lokale Wallfahrt nach Cham war zur Zeit von Pfarrer Keiser bereits sehr beliebt.

Murer gibt seine mündliche Quelle auch Preis: «Ist mir also im Jahr Christi dess Herrn 1635 vor Pfingsten, von dem Herrn Pfarrherrn zu Kohm erzehlt worden, als ich der Orthen durchgereist bin, die Kirchen besucht, den Heyligen gegrüsst, und mich in seinem Schutz unnd Schirm befohlen habe.» [10] Heinrich Murer schreibt die Legende 1638 nieder. 1648 wird sie postum erstmals publiziert.


Kontroverse Predigten

Dass sich der Zuger Stadtrat in seinem Einflussbereich – also in der Stadt Zug und in den sechs stadtzugerischen Vogteien – immer wieder direkt in die Kirchenpflege einmischt und mit (meist aus der Stadt Zug stammenden) provokativen Klerikern Konflikte austrägt, ist im 17. und 18. Jahrhundert ein schon fast alltägliches Ereignis. Auch Bartholomäus Keiser gehörte in diese Kategorie. [11]

Pfarrer Keiser hält 1636 eine Predigt über den kleinen Zehnten [= ein Entgelt an den Pfarrherren für die kirchliche oder auch die soziale und schulische Betreuung der Bevölkerung]. Dabei erlaubt sich Keiser für die Ohren der damaligen Zeitgenossen doch recht krasse Sprüche und Aussagen, die weder bei einzelnen Pfarreigehörigen noch bei der weltlichen Obrigkeit in der Stadt Zug gerne gehört werden. Keiser lässt u.a. verlauten, diejenigen, welche den Auskauf des kleinen Zehnten begünstigt hätten, seien schlimmer als jene, die Christus getötet hätten. Und wer den Zehnten nicht entrichte, werde mit dem zehnten Teil der Engel in den Abgrund der Hölle gestossen (Anspielung auf den Höllensturz oder Engelssturz).

Und weiter: Wenn keine Schmiergelder geflossen («gele fögeli [= Goldstücke] gloffen») wären, wäre es nicht so weit gekommen. Und wer das Obst unter den Bäumen liegen lasse, dem werde es auf seiner Seele verbrennen.

Der zornige Pfarrer wird daraufhin vor den Zuger Stadtrat zitiert. Er verteidigt sich, seine Worte hätten sich nicht auf die eine oder andere Person bezogen. Er habe eine allgemeine, auf die heilige Schrift gestützte Predigt gehalten. Viele Chamer Kirchgenossen stehen jedoch für ihren Pfarrer ein und bitten für ihn.

Der Stadtrat legt die Äusserungen Keisers zu seinen Gunsten aus. Die Predigt soll weder ihm noch seinen Pfarrkindern zum Nachteil gereichen oder ihrer Ehre schaden. Pfarrer Keiser soll jedoch ernstlich zugesprochen werden. Er soll die Pfarrkinder lieben und diese ihm umgekehrt gehorchen, wie es sich gehört. [12]


Einzelnachweise

  1. Iten, Albert, Tugium Sacrum. Der Weltklerus zugerischer Herkunft und Wirksamkeit bis 1952, Stans 1952, S. 271
  2. Vgl. Fussnote 1
  3. Bürgerarchiv Zug, A 39.26.1, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1552–1649, fol. 197r; A 39.4.11, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1634–1635, fol. 30v (09.02.1635)
  4. Bürgerarchiv Zug, A 39.4.11, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1634–1635, fol. 34r (03.03.1635)
  5. Ein neues Pfarrhaus wurde im Jahr 1643 von Blickensdorf oder Zug nach Cham transportiert und soll hier – östlich der alten Pfarrkirche – neu aufgebaut worden sein. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 107
  6. Bürgerarchiv Zug, A 39.26.1.976, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1552–1649, fol. 221r (10.12.1643)
  7. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 72
  8. Vgl. Fussnote 1
  9. Vgl. Fussnote 1
  10. Kantonsbibliothek Thurgau, Y 111, fol. 139r
  11. Dazu der grundsätzliche Aufsatz von Schläppi, Daniel, Te Deum laudamus! Die Kirchenpflege als kräftezehrendes Gezerre mit Kirchenvolk und Klerus, in: Universum Kleinstadt. Die Stadt Zug und ihre Untertanen im Spiegel der Protokolle von Stadtrat und Gemeinde (1471–1798), Zug 2019, S. 277–305
  12. Bürgerarchiv Zug, A 39.4.12, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1635–1636, fol. 60v (08.08.1636)