Gugolz Johannes (1562–1635)

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Der gebürtige Stadtzuger Johannes Gugolz wird 1606 zum Pfarrer von Cham gewählt. In seiner fast 30-jährigen Amtszeit beginnt er ab 1609 mit dem Schreiben von Pfarrbüchern (Tauf-, Ehe- und Sterbebücher), führt 1625 in der Pfarrei die Rosenkranzbruderschaft ein und erlebt mit der Pestepidemie von 1629 die wohl grösste Katastrophe der (bekannten) Chamer Geschichte mit. Kurz nach seinem Tod 1635 wird die Legende vom hl. Bischof ohne Namen aus Cham erstmals verschriftlicht.

Die von Pfarrer Gugolz gestiftete Figurenscheibe mit der Muttergottes und dem Jesuskind, links kniend der Stifter, rechts das Familienwappen der Gugolz, 1628


Stationen

1562 Johannes Gugolz wird in der Stadt Zug geboren. [1]

1582 Gugolz lernt bei den Jesuiten in Luzern. Im Herbst 1582 darf er zusammen mit neun weiteren Innerschweizern nach Mailand reisen, um am Collegium Helveticum zu studieren. Kardinal Karl Borromäus (1538–1584) hatte das Seminar 1579 mit über 70 Freiplätzen für junge Priester aus der Eidgenossenschaft gegründet. [2]

1583 Johannes Gugolz kann aber nicht lange in Mailand bleiben: Am 14. Juli wird er nach wenigen Monaten Studium als «unverbesserlicher Junge» wieder entlassen. [3]

1586 Ob und wie er sein Studium abschliesst, ist nicht bekannt. Jedenfalls erscheint er drei Jahre später als Pfarrhelfer in seiner Heimatstadt Zug. Er muss das übliche Gelöbnis ablegen. [4]

1587 Am 24. Januar wählt ihn der Zuger Stadtrat zum Kaplan von Meierskappel LU. Gugolz muss seine neue Stelle am 24. Juni antreten. [5]

1597 Nach einem Jahrzehnt in Meierskappel zieht Kaplan Gugolz hinunter an den Zugersee. Er wird Pfarrer in der Pfarrei St. Verena Risch. In Gugolz’ Amtszeit fällt die Neuausarbeitung des Rischer Jahrzeitbuchs, das ab einer älteren Vorlage vom in Zug ansässigen und aus Bamberg D stammenden Gültenschreiber Peter Schmid neu geschrieben wird. [6]

1606 Die Zuger Bürgerversammlung wählt Gugolz zum Pfarrer von Cham. [7]

1608 Wohl auf die Initiative von Pfarrer Gugolz wird (von Meister Wolfgang Jörg?) die prächtige spätgotische Turmmonstranz geschaffen. Am Fuss der Monstranz finden sich die Wappen der Stadt Zug und die Gemeindewappen von Cham und von Hünenberg, die Jahreszahl 1608 und die Inschrift «H. JOHANES GVGELTZ. D. Z. PFARHER ZV KAM» [= Herr Johannes Gugolz, der Zeit Pfarrer zu Cham]. [8] Neben Pfarrer Gugolz beteiligen sich über 70 Spender aus Cham und Hünenberg an den Herstellungskosten. [9]

1609 Pfarrer Gugolz beginnt, in Cham ein Tauf-, ein Ehe- und ein Sterbebuch zu führen. Der erste Eintrag im Taufbuch erfolgt am 2. Januar, die erste Ehe wird am 24. Januar eingetragen. Der erste Todesfall folgt am 30. Dezember desselben Jahres. Mit dem Nachführen der Pfarrbücher setzt Gugolz damit zu Beginn des 17. Jahrhunderts – einige Jahre früher als die meisten seiner Kollegen in den anderen Zuger Pfarreien – eine zentrale Forderung des Konzils von Trient (1545–1563) um. Obwohl die Pfarrbücher vom 17. bis 19. Jahrhundert auch Fehler enthalten und unvollständig sind, gehören sie zu den wichtigsten Quellen für die Familien- und Sozialgeschichte in unserer Region. [10]

1625 Pfarrer Gugolz führt in Cham die Rosenkranzbruderschaft ein. Bruderschaften sind Vereinigungen von Gläubigen zur Pflege von freiwilligen Werken der Frömmigkeit oder sozial karitativer Tätigkeit. Das Ziel der vor allem vom Orden der Dominikaner geförderten Rosenkranzbruderschaften war die Vertiefung der Volksfrömmigkeit durch das Beten des Rosenkranzes.

1629 Wie in vielen anderen Gegenden der Eidgenossenschaft wütet auch in Cham die Pest. Dutzende Chamer und Chamerinnen sterben bei diesem letzten grossen Pestzug der Eidgenossenschaft vom Sommer 1629 bis zum Jahresfang 1630. Damals leben wohl nicht einmal 1000 Menschen in der weitläufigen Pfarrei Cham-Hünenberg. Die Pestepidemie von 1629 dürfte somit die grösste in den Schriftquellen fassbare Katastrophe der Chamer Geschichte gewesen sein! [11]

1635 Pfarrer Gugolz stirbt am 4. Februar in Cham. [12] Für den verstorbenen Pfarrer ist ein Nachfolger zu wählen. Um Missstimmung zu vermeiden, aber auch auf Bitten der Kandidaten Noe Muos (1606–1647), Pfarrer von Steinhausen, und Bartholomäus Keiser (1599–1670), beide Zuger Stadtbürger, ordnet der Zuger Stadtrat eine geheime Pfarrwahl an. Man soll im Verborgenen Zettelchen in unterschiedliche Büchsen legen. Im ersten Wahlgang erreichen beide Kandidaten gleich viele Stimmen. Daher beschliesst der Rat einstimmig, das Schicksal durch ein unwissendes Kind bestimmen zu lassen. Dieses erhält zwei gefaltete Zettel, einen leeren und einen mit der Pfründe bezeichneten, die es den Kandidaten zuteilen muss. Das Los fällt so auf Bartholomäus Keiser, der am 9. Februar zum neuen Pfarrer von Cham gewählt wird. [13]

Nur einige Monate nach dem Tod von Gugolz – im Mai 1635 – besucht der Kartäusermönch Heinrich Murer (1588–1638) vom Kloster Ittingen TG die Chamer Pfarrkirche, kommt mit dem Pfarrer – Gugolz’ Nachfolger Bartholomäus Keiser – ins Gespräch und verschriftlicht zum ersten Mal die Legende des Chamer Bischofs ohne Namen. Murer verrät gleich auch seine mündliche Quelle: «Ist mir also im Jahr Christi dess Herrn 1635 vor Pfingsten, von dem Herrn Pfarrherrn zu Kohm erzehlt worden, als ich der Orthen durchgereist bin, die Kirchen besucht, den Heyligen gegrüsst, und mich in seinem Schutz unnd Schirm befohlen habe.» [14] Die lokale Wallfahrt zum namenlosen Bischof reicht also wahrscheinlich schon in die Amtszeit von Pfarrer Gugolz zurück.


Die Figurenscheibe von 1628

Pfarrer Gugolz stiftet 1628 eine Glasscheibe, deren Herstellung dem Stadtzuger Glasmaler Michael II. Müller (vor 1571–1642) zugeschrieben wird. Das von einem Lorbeerkranz eingefasste Rund stellt die hl. Muttergottes in violettem Kleid und einem blauen Mantel dar. Mit ihrer rechten Hand reicht sie dem im linken Arm sitzenden Jesuskind einen Apfel. Zu Füssen der Muttergottes steht in einer blauen Kartusche die Stifterinschrift: «H. Joannes Gugeltz Pfarherr Zu Kam 1628» [= Herr Johannes Gugolz, Pfarrer zu Cham 1628].

Rechts von der Kartusche ist das Wappen der Familie Gugolz – ein braunroter Hahn («Güggel») mit goldenem Schnabel über grünem Dreiberg und in silbernem Feld – abgebildet, links davon kniet der Stifter Johannes Gugolz in Messkleidung mit zum Gebet erhobenen Händen. Das glatte Haar sowie der angegraute Kinn- und Backenbart zeigen einen Mann im mittleren Lebensalter (Gugolz ist zum Zeitpunkt der Stiftung aber bereits 66 Jahre alt). [15]


Einzelnachweise

  1. Iten, Albert, Tugium Sacrum. Der Weltklerus zugerischer Herkunft und Wirksamkeit bis 1952, Stans 1952, S. 211
  2. Iten, Albert, Tugium Sacrum. Der Weltklerus zugerischer Herkunft und Wirksamkeit bis 1952, Stans 1952, S. 211
  3. Bergmann, Uta, Die Zuger Glasmalerei des 16. bis 18. Jahrhunderts, Bern 2004 (Corpus Vitrearum Schweiz, Frühe Neuzeit 4), S. 293
  4. Bürgerarchiv Zug, A 39.26.1, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1552–1649, fol. 102v (04.01.1586)
  5. Bürgerarchiv Zug, A 39.26.1, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1552–1649, fol. 106v (24.01.1587). Lütolf, Konrad, Geschichte von Meierskappel, in: Der Geschichtsfreund 56, 1901, S. 3–154, hier S. 63
  6. Hediger, Richard, Risch um die erste Jahrtausendwende 800 bis 1200, Rotkreuz 2016, S. 77
  7. Iten, Albert, Tugium Sacrum. Der Weltklerus zugerischer Herkunft und Wirksamkeit bis 1952, Stans 1952, S. 211
  8. Schreibweise modernisiert
  9. Die vollständige Donatorenliste wird im Pfarrarchiv Cham aufbewahrt. Gruber, Eugen et al., Geschichte von Cham, Bd. 1, Cham 1958, S. 227f. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 91f.
  10. Hoppe, Peter, Die kirchlichen Tauf-, Firm-, Ehe- und Sterbebücher des Kantons Zug von 1600 bis 1900, in: Tugium 1, 1985, S. 123–147, hier S. 136f., zur Quellenkritik S. 129f.
  11. Quellenkritisch ist einerseits zu bedenken, dass wohl nicht alle 1629 und Anfang 1630 von Pfarrer Gugolz im Sterbebuch eingetragenen Toten an der Pest gestorben sind, andererseits aber auch, dass Gugolz’ Liste vielleicht nicht vollständig ist.
  12. Zurlaubiana, Acta Helvetica 92/16
  13. Bürgerarchiv Zug, A 39.4.11, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1634–1635, fol. 30v
  14. Kantonsbibliothek Thurgau, Y 111, fol. 139r
  15. 1962 erwirbt die Korporation Zug die Scheibe vom liechtensteinischen Händler Josef Farago. Heute wird die Scheibe im Museum der Burg Zug aufbewahrt. Bergmann, Uta, Die Zuger Glasmalerei des 16. bis 18. Jahrhunderts, Bern 2004 (Corpus Vitrearum Schweiz, Frühe Neuzeit 4, S. 293)