Frauenthaler Lebkuchen

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Klosterbäckerei
Lebkuchen aus Frauenthal
Jürg Johner (3.v.l.) ist der bisher einzige Chamer, der den Zuger Lebkuchen erhielt. Mit ihm: Franz Hotz, Stadtpräsident Dolfi Müller, Jacky Johner, Stadtrat André Wicki, Vreni Landtwing, Stadtrat Andreas Bossard, Sepp Keiser (1923–2015), Stadtschreiber Arthur Cantieni, Stadtrat Karl Kobelt, Stadträtin Vroni Straub-Müller
Die Zuger Lebkuchenfeier ist ein stilvoller Anlasss, der seit 2019 im Gotischen Saal des Rathauses Zug stattfindet. Alle Ausgezeichneten erhalten natürlich den Lebkuchen sowie eine Urkunde; der Anlass wird im «Goldenen Buch» der Stadt Zug verewigt.

Jedes Jahr in der Weihnachtszeit ehrt die Stadt Zug Menschen, die ohne viel Aufhebens Eindrückliches leisten, mit einem Frauenthaler Lebkuchen. Die Wurzeln dieses Brauchs reichen ins 16. Jahrhundert zurück.


Als der Sempacherkrieg ausbricht, tritt das Zisterzienserinnenkloster Frauenthal am 5. Januar in ein Burgrecht mit der Stadt Zug ein. Das Kloster steht nun unter «Schutz und Schirm» der Stadt Zug. [1] Es erstattet dafür jährlich 3 Pfund Pfennig und entrichtet eine Umsatzsteuer für seine auf den Markt gehandelten Produkte, von den ordentlichen Steuern bleibt das Kloster aber befreit. [2]

Mit dem Neubeginn nach der Reformation unter Äbtissin Anna von Fulach (vor 1520–1566) entsteht der Brauch, dass das Kloster Frauenthal auf Neujahr jedem der Zuger Ratsherren als Abgabe einen Lebkuchen von 12 Pfund oder einen Münzdukaten überreicht. [3]

1737 moniert der Zuger Rat nach Erhalt der Lebkuchen, dass diese zu klein seien. Die Äbtissin Maria Elisabeth Kunigunde Brandenberg (1681–1742), eine Stadtzugerin, Tochter des Statthalters und Landvogts Johann Jakob Brandenberg (1648–1713), reagiert postwendend. Sie schreibt dem Rat am 11. Januar, dass dem Kuchen «nichts vom Gewicht genommen» worden sei und dass sie diesen Kuchen im Übrigen als freiwilliges Neujahrsgeschenk betrachte. Die Äbtissin Brandenberg meint, dass das Kloster durchaus nicht verpflichtet sei, einen Lebkuchen zu schicken. Die freiwillige Schenkung dieses Lebkuchens sei während der Reformation als Dank für die grossen Bemühungen der Stadtzuger Obrigkeit erfolgt. [4] Mit dem Ende der Alten Eidgenossenschaft 1798 wird die Lebkuchenlieferung aus dem Frauenthal eingestellt.

1981 wird die Tradition des Frauenthaler Lebkuchens wieder aufgenommen. Und seit 1984 werden in der ersten Dezemberwoche Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt Zug, die sich im Stillen für das Gemeinwohl verdient gemacht haben, vom Zuger Stadtrat als Dank für ihre Verdienste mit einen Lebkuchen aus dem Kloster Frauenthal geehrt. Initiant der neuen Tradition des Frauenthaler Lebkuchens ist der damalige Stadtschreiber Albert Müller (*1935), der einen persönlichen Kontakt zum Kloster und zur damaligen Äbtissin, Charitas Meier (1933–2020), pflegt. [5]

Der bisher einzige Chamer Preisträger ist Jürg (Jacky) Johner. Er erhält den Frauenthaler Lebkuchen 2012, als der Verein Zuger Stadtführungen geehrt wird. [6]


Filmdokument

Albert Müller (*1935), Historiker und ehemaliger Stadtschreiber von Zug, berichtet, wie die Tradition der Frauenthaler Lebkuchens 1984 wieder aufgenommen wird.


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Einzelnachweise

  1. Gruber Eugen / Sommer-Ramer Cécile, Frauenthal, in: Helvetia Sacra, Abteilung III, Bd. 3, Zweiter Teil, Bern 1982, S. 711
  2. vgl. Anmerkung 1 (Gruber / Sommer-Ramer), S. 711
  3. Gruber, Eugen, Geschichte von Frauenthal, Zug 1966, S. 154
  4. Bürgerarchiv Zug, A 39.26.25b.204, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1736–1738, fol. 129r (05.01.1737); A 39.26.25b.219, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1736–1738, fol. 131r (12.01.1737)
  5. Zuger Zeitung, 10.12.2016
  6. https://www.stadtzug.ch/_docn/1712890/Liste_Geehrte_seit_1982.pdf, 29.05.2022