Meier Maria Charitas (1933–2020)

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Vorname: Maria Charitas
Nachname: Meier
Geschlecht: weiblich
Geburtsdatum: 15. Juni 1933
Geburtsort: Wettingen AG
Todesdatum: 4. Dezember 2020
Todesort: Cham ZG
Beruf: Äbtissin, Geistliche
Religion: römisch-katholisch

Maria Charitas Meier wirkte von 1981 bis 2008 als Äbtissin des Zisterzienserinnenklosters Frauenthal. Als Ökonomin, Bibliothekarin, Klostergärtnerin und Vorsteherin des Klosters setzte sie sich über sechs Jahrzehnte für das Gedeihen der Klostergemeinschaft ein.



Äbtissin Maria Charitas Meier kurz nach ihrer Wahl, 1981


Stationen

1933 Am 15. Juni, an Fronleichnam, wird Margrit Erika, Tochter des Sigmund Meier und der Berta Huser in Wettingen AG geboren. [1] Margrit wächst in einer kinderreichen Familie auf – acht Mädchen und zwei Buben leben auf dem elterlichen Hof. [2]

1959 Die junge Frau will ihr Leben in einem geschlossenen Kloster verbringen. Am 4. Dezember tritt sie unter Äbtissin Maria Josepha Knüsel (1903–1967) ins Zisterzienserinnenkloster Frauenthal ein. Sie widmet ihr Leben als Schwester Maria Charitas Gott und der Klostergemeinschaft. [3]

1960 Maria Charitas wird im Kloster Heiligkreuz zusammen mit jungen Mädchen ausgebildet, um die Hauswirtschaftsschule im Frauenthal zu leiten. Das ständige Hin-und-Her-Gerissen-Sein zwischen der Ruhe im Frauenthal und dem Betrieb während der Ausbildung wird zur grossen Herausforderung («Das Laute, die Betriebsamkeit in diesem Mädchenpensionat brachten mich beinahe um»). [4]

1964 Als 31-jährige legt Schwester Maria Charitas die feierliche Profess am 10. August ab. [5] Im Kloster ist sie die Ökonomin und damit unter anderem für den Klosterwald und die grossen Obstkulturen zuständig. Daneben ist sie als Bibliothekarin für die religiöse und geistige Weiterbildung der Schwestern verantwortlich. [6]

1968 Der jüngere Bruder von Maria Charitas – Sebastian Meier (*1940) – folgt seiner Schwester ins Frauenthal. Er wird der neue Gutsverwalter und bleibt dies bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2018. [7]

1980/1981 Äbtissin Maria Dolorosa Willimann (1935–1980) stirbt am 23. Dezember 1980. Im 750. Jubiläumsjahr – Frauenthal wird (vermutlich) 1231 von den Herren von Schnabelburg gegründet – braucht das Kloster also eine neue Vorsteherin. Die 35 Kapitularinnen wählen am 8. Januar unter der Leitung von Kassian Lauterer (*1934), Abt des Zisterzienserklosters Wettingen-Mehrerau, Schwester Maria Charitas zur 39. Äbtissin der Klostergeschichte. Erstmals dürfen auch die Laienschwestern mitwählen. [8] Am 21. März wird Maria Charitas in Beisein von Sighard Kleiner (1904–1995), Generalabt der Zisterzienser, benediziert. [9] Äbtissin Maria Charitas steht 39 Schwestern und 13 Personen in der Verwaltung vor. Sorgen macht der 48-jährigen Äbtissin der fehlende Nachwuchs: Bereits 1981 beträgt das Durchschnittsalter 63 Jahre – seit 1971 gab es keine Neueintritte mehr. [10]

2003 Der klösterliche Gutsbetrieb wird an zwei Betriebsleiter verpachtet: An Thomas Meier – er ist der Neffe der Äbtissin – und an Adrian Arnold. [11]

2004 Neben den zahlreichen Leitungsaufgaben im Kloster arbeitet die Äbtissin gerne im grossen Klostergarten. Gemüse, Hülsenfrüchte, Beeren und Kräuter für die klostereigene Teeproduktion – im Garten fühlt sich Äbtissin Meier besonders wohl. [12]

2005 Zahlreiche Liegenschaften werden unter Äbtissin Meier saniert. So wird auch der Innenraum der Klosterkirche aus dem 13. Jahrhundert sanft restauriert. [13]

2008 Nach 27 Jahren emeritiert Maria Charitas Meier altersbedingt am 15. Juni als Äbtissin. Noch leben 17 Zisterzienserinnen im Frauenthal. Maria Consolata Bucher (1942–2015) führt das Kloster ab dem 10. Juli als Priorin-Administratorin. [14]

2020 Maria Charitas Meier stirbt 87-jährig am 4. Dezember, am Barbaratag, auf den Tag genau 61 Jahren nach dem Eintritt in ihr irdisches Paradies. Sie wird auf dem Klosterfriedhof im Frauenthal beigesetzt. [15]


Äbtissin M. Charitas Meier im Gespräch, 1981

Auszüge aus einem in den Zuger Nachrichten vom 8. April 1981 veröffentlichten Gespräch mit Journalist Peter Holdener:

Ist diese Ernennung zur Äbtissin mit noch mehr Arbeit verknüpft? «Bestimmt, und zwar Aufgaben, die man sich vorher gar nicht vorstellen kann. Wenn man jahrzehntelang in dieser Umgebung gelebt hat, so kann man sich einfach nicht ausmalen, was ein solches Amt an Lasten mit sich bringt. Es ist wirklich zu 99 Prozent Bürde, was da auf einen zukommt, innerklösterlich und auf dem ganzen Betrieb mit seiner Oekonomie. Allerdings steige ich mit viel Optimismus in den neuen Auftrag Gottes, der viel Schönes und Erfreuliches mit sich bringen wird. Eine faszinierende Aufgabe, die allen zum Segen gereicht.»

Haben Sie noch ein Anliegen, das sie beschäftigt? «Es ist jedesmal ein Schock für die Leute, die hierher kommen, wenn sie das Gitter sehen, obwohl es nur symbolischen Charakter hat. Ich will die jungen Leute wieder einmal überzeugen, wo die wahre Freiheit mit Glück und Frieden zu finden ist. Sie suchen es heute meistens am falschen Ort, dass sie nachher noch gefangener sind als vorher. Ich habe seinerzeit einen Schritt getan, den ich noch nie bereut habe.»

Sehen Sie auch noch, was ausserhalb dieser symbolischen Abtrennung durch das Gitter vor sich geht? Haben Sie Kontakt zur Welt? «Es sieht immer so aus, als ob wir hinter dem Wald zuhause sind. Wir haben Tageszeitungen, Radio und Fernsehen. Wir sind aber sehr diskret im Gebrauch und gehen gerne früh ins Bett. Wenn etwas Sinnvolles ausgestrahlt wird, dann benutzen wir die Gelegenheit. Wir haben die Pflicht, mit den Mitmenschen draussen in Kontakt zu bleiben. Da und dort ist doch wieder ein Herd, den wir in unser tägliches Gebet miteinbeziehen ...» [16]


Einzelnachweise

  1. Gruber, Eugen / Sommer-Ramer Cécile, Frauenthal, in: Helvetia Sacra III, Die Orden mit Benediktinerregel, Bd. III/3, S. 727
  2. Zuger Nachrichten, 12.01.1981
  3. Vgl. Anmerkung 2
  4. Cuonz, Romano, Geschichten, Farben und Gerüchte entlang der Lorze, in: Zuger Neujahrsblatt 2004, S. 29–40, hier S. 38
  5. Vgl. Anmerkung 1
  6. Vgl. Anmerkung 2. Vgl. Anmerkung 4
  7. Zuger Zeitung, 09.03.2018
  8. Vgl. Anmerkung 2
  9. Lüthold-Minder, Ida, 750 Jahre Abtei Frauenthal 1231–1981, Cham 1981, S. 29
  10. Vgl. Anmerkung 2. Zuger Nachrichten, 08.04.1981
  11. Vgl. Anmerkung 7
  12. Vgl. Anmerkung 4
  13. Frey, Georg / Twerenbold, Monika, Cham, Frauental, Klosterkirche Innenrestaurierung, in: Tugium 22, 2006, S. 22f.
  14. www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Bucher,_Consolata [Stand: 09.01.2021]
  15. www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Meier,_Charitas [Stand: 09.01.2021]
  16. Vgl. Anmerkung 10