Eslenbach

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Kleiner Bach, der von Enikon her zum Zugersee fliesst und heute weitgehend eingedolt und dann im Unterlauf begradigt ist.

Das Gebiet Eslen aus der Luft: Das Gebiet an der Gemeindegrenze zwischen Cham und Hünenberg südlich der Luzernerstrasse ist noch kaum überbaut, 1961
Eslenbach, 19.07.2019
Ein begradigtes Gerinne ... trotzdem etwas «Dschungelfeeling»
Die letzten Meter vor der Mündung ...
Die Bachmündung ist im dichten Schilfbestand kaum zu erkennen, 19.07.2019
Der Mündungsbereich in der Eslen aus der Luft; westlich der Mündung ist der eingezäunte Seebinsen-Restbestand erkennbar

Chronologie

1887 Im Topografischen Atlas von Hermann Siegfried (1819–1879) sind die verschiedenen Quellbäche in Enikon und am Hang südlich des Huebhofs in der Gemeinde Hünenberg gut erkennbar. Die Bäche fliessen in einem kleinen Feuchtgebiet nördlich der Luzernerstrasse zusammen Nach der Unterquerung der Luzernerstrasse und der 1864 eröffneten Bahnlinie Zürich–Zug–Luzern der Schweizerischen Nordostbahn (NOB) fliesst der Eslenbach in Richtung Zugersee.

2007 Am Eslenbach sind über die Jahre erhebliche Verlandungen entstanden, die das Abfliessen des Regenwassers in Richtung Zugersee behindern. Die Einwohnergemeinde lässt das Bachgerinne reinigen. Das angeschwemmte Material wird an geeigneten Stellen deponiert. Es sind ideale Habitate für Kleinlebewesen wie Amphibien und Insekten. [1]

2019 Heute tritt der Bach südlich der Seemattstrasse (Fussweg zum Bahnhof Cham) der Bahnlinie an die Erdoberfläche und fliesst ziemlich direkt in südöstliche Richtung durch Wiesland und mündet nach rund 220 Metern in den Zugersee.


Namensgebung

Der Name des Bachs hat wohl nichts mit dem Tiernamen Esel (lat. asinus) zu tun. Der Name «Eslen» erinnert mit grosser Sicherheit an eine im Zugersee abgesunkene Halbinsel oder Insel. Das mittelhochdeutsche Wort «insele, insel» respektive die Nebenform «isele» ist hier namengebend. [2]. Und tatsächlich ist der See an dieser Stelle nicht tief und etwa 70 Meter vom Ufer entfernt finden die Zuger Archäologen ab den 1990er Jahren im Wasser immer wieder Spuren von menschlichen Siedlungen aus ganz verschiedenen Zeitepochen. Das Gebiet ist von der Jungsteinzeit (Neolithikum) bis ins Spätmittelalter (15. oder 16. Jahrhundert) bewohnt. [3]


Eine seltene Pflanze

Einige Meter westlich der Mündung des Eslenbachs in den Zugersee wächst noch eine selten gewordene Wasserpflanze: Die Seebinse (lat. scirpus lacustris). Diese heimische Röhrichtpflanze war einst rund um den ganzen Zugersee verbreitet. Im 20. Jahrhundert leidet sie massiv unter dem hohen Eintrag von Dünger in den See. 1991 wird in der Eslen noch ein letztes Vorkommen von etwa 370 m2 nachgewiesen, im Herbst 2018 ist nur noch eine klägliche Restfläche von rund 20 m2 vorhanden.

Im Frühjahr 2019 ergreift der Kanton Zug (zeitlich vorerst auf fünf Jahre befristete) Schhutzmassnahmen: Spezialisten montieren einen 50 Meter langen und 2 Meter hohen feinmaschigen Maschendrahtzaun seewärts um den bestehenden Binsenbestand. [4]


Aktueller Kartenausschnitt

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Einzelnachweise

  1. Einwohnergemeinde Cham, Geschäftsbericht 2008, S. 37
  2. Ableitung vom lateinischen Lehnwort «insula» = Insel. Dittli, Beat, Zuger Ortsnamen. Lexikon der Siedlungs-, Flur- und Gewässernamen im Kanton Zug. Lokalisierung, Deutung, Geschichten, Zug 2007, Bd. 2, S. 96. Gebräuchlich ist auch die Form Nesslen beziehungsweise Nesselnbach, vgl. Dittli, Beat, Zuger Ortsnamen. Lexikon der Siedlungs-, Flur- und Gewässernamen im Kanton Zug. Lokalisierung, Deutung, Geschichten, Zug 2007, Bd. 4, S. 386
  3. Zwei Beispiele aus der umfangreichen Forschungsliteratur: Gnepf Horisberger, Ursula / Gross-Klee, Eduard / Hochuli Stefan, Eine einzigartige Doppelaxt aus dem Zugersee, in: Archäologie der Schweiz 23, 2000, S. 2–9. Roth Heege, Eva, Drei spätmittelalterliche Waffenfunde aus dem Zugersee, in: Tugium 19, 2003, S. 89–94
  4. www.zg.ch, Gemeinde Cham – Schilfförderungsmassnahme, Öffentliche Planauflage, 18.01.2019