Wirth Maria Verena (1613–1688)

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Vorname: Maria Verena
Nachname: Wirth
Geschlecht: weiblich
Geburtsdatum: 14. Juli 1613
Geburtsort: Waldshut D
Todesdatum: 12. Juni 1688
Todesort: Cham ZG
Beruf: Äbtissin, Geistliche
Religion: römisch-katholisch

Maria Verena Wirth ist die 27. Äbtissin des Zisterzienserinnen-klosters Frauenthal. Als weitsichtige Ökonomin fügt sie sich nahtlos in die Reihe von gut ausgebildeten und fähigen Äbtissinnen des 17. und 18. Jahrhunderts ein. Sie steht dem Kloster über drei Jahrzehnte vor.



Die von Äbtissin Wirth 1668 gestiftete Wappenscheibe mit der Abendmahldarstellung von enthält das Wappenfamilien der Wirth von Waldshut (in Rot über grünem Dreiberg drei natürliche Pfauenfedern), des burgundischen Klosters Cîteaux (Mutterkloster aller Zisterzienser) und das Wappen der Klostergründerfamilie von Eschenbach (respektive von Schnabelburg). Inschrift: «Fr. Maria Verena von Gottes Gnaden Äbbtissin des Würdigen Gottshauß in Vnser lieben Frauwenthall 1668». Die Wappenscheibe stammt von Zuger Glasmaler Michael IV. Müller (um 1627–1682). [1]
Eine weitere Bildscheibe von Äbtissin Verena Wirth von 1687 zeigt die Darstellung des Monats April, geschaffen vom Zuger Glasmaler Adam Zumbach (1651–1693) nach der Vorlage der Radierungen von Matthäus Merian d.Ä. (1593–1650), mit dem Familienwappen Wirth. Inschrift: «Von Gottß Gnaden Frauw Verena Aebtissin des wohl würdigen Gottshaus in Vnser lieben Frauwen Tahl Anno 1637 (sic!)» [2]

Stationen

1613 Verena Wirth wird am 14. Juli im badischen Waldshut geboren. Sie ist die Tochter von Johann Ulrich Wirth und Verena Bürgin. Ihre Jugendzeit erlebt sie in Baden AG. [3]

1655/1656 Gegen Ende des Jahres 1655 verschärft sich die innenpolitische Lage in der Eidgenossenschaft: Katholische und reformierte Stände sind tief zerstritten und können sich nicht auf eine einheitliche Ordnung in den gemeinsam verwalteten Vogteien einigen. Am Weihnachtsabend 1655 wird die Zuger Nordgrenze besetzt. Hilfstruppen aus den Kantonen Uri und Unterwalden werden im Zisterzienserinnenkloster Frauenthal einquartiert. Im Januar 1656 bricht der Erste Villmergerkrieg aus. Die Zuger Truppen eilen dem von den Zürchern belagerten Rapperswil zu Hilfe. Die Nordgrenze wird bis auf einige wenige Feldwachen entblösst. Zürcher Truppen überqueren darauf die Grenze, rauben Vieh und legen Feuer in Ökonomiegebäuden des Klosters im Frauental, in Hatwil und in Islikon. Am 24. Januar endet der Krieg mit der Niederlage der Reformierten in der Schlacht beim Villmergen AG. [4]

1657 Am 24. Mai stirbt Maria Cäcilia Huber, Äbtissin von 1652 bis 1657. Einige Tage später wird am 27. Mai Verena Wirth mit knapp 44 Jahren als Nachfolgerin gewählt. [5] Gemäss dem Bericht von Alt-Ammann Beat II. Zurlauben (1593–1663) sind Abt Bernhard Keller (1608–1660) von Wettingen, Dekan Jakob Hafner (1589–1662), der Zuger Ammann Georg Sidler (um 1593–1672), Ratsherr Paul Wickart (gest. 1660), Statthalter Karl Brandenberg (1615–1678) und Stadtschreiber Beat Konrad Wickart (1613–1669) bei der Wahl anwesend. [6] Alt-Ammann Zurlauben steht als Schirmvater und Ratgeber bis zu seinem Tod 1663 im brieflichen Kontakt mit der Äbtissin Wirth (vgl. als Beispiel unten den Brief vom 13. Januar 1658).

1658 Die wirtschaftliche Situation des Klosters ist angespannt. Der Zuger Stadtrat kommt der neuen Äbtissin entgegen und enthebt sie beispielsweise von der Pflicht, den Zuger Schülern jährlich neun Gulden für das Neujahrssingen zu senden. [7] Verena Wirth ist eine vorsichtige Ökonomin: Sie ist sparsam, sehr zurückhaltend bei Bauprojekten, kauft und tauscht aber wiederholt Landstücke in Cham und in Hünenberg. Gute Beziehungen unterhält sie mit den Klosterpächtern und Bewohnern aus dem benachbarten zürcherischen und reformierten Knonaueramt. [8]

1662 Einige Jahre später schreitet der Zuger Stadtrat bei einem Gütergeschäft ein: Die Äbtissin hatte einem Wettinger den Hof verkauft, den sie von der Familie Diepold eingetauscht hatte. Der Stadtrat hebt den Kauf auf. Dem Abt Gerhard Bürgisser (1608–1670) von Wettingen wird ein Verweis zugestellt, dass sich seine Wettinger Amtsleute ohne Wissen des Stadtrats in Güter- und Rechtsgeschäfte des Klosters einmischen. [9]

1674 Äbtissin Wirth erneuert im Juli das 1386 abgeschlossene Burgrecht des Klosters mit der Stadt Zug. [10]

1677–1684 Immer wieder wird die Klausur, also die Begrenzung der persönlichen Freiheit der Nonnen auf den Raum innerhalb der Klostermauern, zum Streitpunkt zwischen den Zuger Ratsherren und dem Kloster Wettingen. Nikolaus Göldlin von Tiefenau (1625–1686), Abt von Wettingen, will keine Verschärfung der Klausur. Weiter will der Zuger Stadtrat auch durchsetzen, dass die Äbtissin die Zuger Obrigkeit wieder informiert und um Erlaubnis bittet, wenn fremde Töchter von ausserhalb des Standes Zug aufgenommen werden sollen. [11]

1688 Maria Verena Wirth stirbt am 12. Juni, nachdem sie die Klostergemeinschaft 31 Jah-re geführt hat. Sie war seit vielen Jahren erblindet. [12] Ihre Nachfolgerin als Äbtissin wird Maria Verena Mattmann (1650–1726).


Süsse Neujahrsgrüsse aus dem Frauental

Brief vom 13. Januar 1658 von Äbtissin Maria Verena Wirth an Alt Ammann Beat II. Zurlauben von Zug (ihrem Ratgeber und Fürsprecher im Zuger Stadtrat, der gerade krank ist):

«Mit was grossem hertz laid uns sambtlichen des hochgeehrten Herren Vater schmertzlicher zuostandt und kranckheit vor komen könte ich nit gnuogsamb beschriben, wellen aber nit ablassen bey dem allmechtigen Got für des hochgeehrten Herrn vatern guete gesundheit und wollstandt bitlich anzuehalten, gethröster hoff[n]ung das durch vilfeltiges instendiges Gebet wir erhört und der geehrte Herr Vater seiner gwünsten gesundheit gewahrt werden soll.

Hiebey über sende ich dem hochgeehrten lieben Herren Vater und fr. Mueter [= Euphemia Honegger, Ehefrau von Beat II. Zurlauben] dissere wenig kröpflin [= Chräpfli, Gebäck oder Konfekt, meist in Form kleiner Krapfen] zum gueten Jahr grüesslin und thuen darbey mich sambt meinem geliebten Gotshuss und geistlichen kindern demüetigest recomendieren und anbefehlen darbey auch nit weniger seiner geliebten nechst fründtlicher begrüessung und neüw Jahrs gratulierung widerum guete und beharliche gesundheit anwünschende, uns aber aller sits Götlicher protection Empfehlende etc. ... » [13]


Einzelnachweise

  1. Bergmann, Uta, Die Zuger Glasmalerei des 16. bis 18. Jahrhunderts, Bern 2004 (Corpus Vitrearum Schweiz, Frühe Neuzeit 4), S. 390f.
  2. Bergmann, Uta, Die Zuger Glasmalerei des 16. bis 18. Jahrhunderts, Bern 2004 (Corpus Vitrearum Schweiz, Frühe Neuzeit 4), S. 165
  3. Gruber, Eugen, Geschichte von Frauenthal, Zug 1966, S. 152
  4. Gruber, Eugen, Geschichte von Frauenthal, Zug 1966, S. 169f.
  5. Gruber, Eugen, Geschichte von Frauenthal, Zug 1966, S. 152
  6. Bürgerarchiv Zug, A 39.26.3.2038, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1650–1660, fol. 150r (26.05.1657). Zurlaubiana, Acta Helvetica 27/87 (27.05.1657)
  7. Bürgerarchiv Zug, A 39.26.3.2186, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1650–1660, fol. 162v (05.01.1658)
  8. Gruber, Eugen, Geschichte von Frauenthal, Zug 1966, S. 152f.
  9. Bürgerarchiv Zug, A 39.26.4.595, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1660–1668, fol. 51v (09.12.1662)
  10. Bürgerarchiv Zug, A 39.26.5.1884, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1669–1681, S. 288 (07.07.1674)
  11. Bürgerarchiv Zug, A 39.26.5.2939, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1669–1681, S. 433 (20.11.1677); A 39.26.5.3138, S. 458 (23.07.1678). Bürgerarchiv Zug, A 39.26.6.880, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1681–1684, fol. 81r (31.12.1683); A 39.26.6.912, fol. 84v (04.02.1684); A 39.26.6.1010, fol. 93v (06.05.1684)
  12. Gruber, Eugen, Geschichte von Frauenthal, Zug 1966, S. 153
  13. Zurlaubiana, Acta Helvetica 130/31 (13.01.1658)