Wegkapellchen St. Wendelin Enikon

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Das Wegkapellchen St. Wendelin Enikon auf dem Hof der Familie Baumgartner

Das Wegkapellchen zu Ehren des Bauernheiligen Wendelin steht heute an der Chamerstrasse beim Langweidhof auf dem Gebiet der Gemeinde Hünenberg. Da das wohl schon im 17. Jahrhundert bestehende Wegkapellchen einst auf der anderen Strassenseite auf Chamer Boden stand, ist ein Chamapedia-Eintrag aber durchaus gerechtfertigt.


Chronologie

1706 Das Heiligenhäuschen in Enikon wird erstmals erwähnt. Hans Jakob Bütler geht darin die Verpflichtung ein, seinen Anteil an der Strasse nach Hünenberg samt dem «helgen Stöcklin» gut zu unterhalten: «Hannß Jacob Büttler ... ab demme Stükhli Landt, Rütteli genannt, sambt gärtlin, mit Versprechung, die daran Ligente Strasß zuo allen Zeitten in Ehren zuo halten, sambt dem helgen Stöcklin.» [1] Der Flurname Wändelacher – Wiesland bei Enikon auf Chamer Gebiet – ist bereits 1629 in Schriftquellen nachweisbar und nimmt möglicherweise auf das Wendelinkapellchen Bezug. [2]

1739 Leonz Bütler möchte in Enikon anstelle des hölzernen Bildstocks («helgen-stöckhlin») ein gemauertes, dem heiligen Wendelin geweihtes Wegkapellchen erbauen. Er bittet den Zuger Stadtrat um Kalk oder Ziegel. Der Rat ist einverstanden und gewährt Bütler einen Malter Kalk. [3]

1885 In diesem Jahr wird das Wegkapellchen restauriert. Am Gewölbe der Nische sind noch Überreste einer Dekorationsmalerei mit Sternen erkennbar. [4]

um 1930 Wiederum muss das Wegkapellchen an der Hünenbergerstrasse ausgebessert werden. [5]

2018 Das Bildstöckli an der Hünenbergerstrasse 73 in Hünenberg See (Ass. 51a) ist im Inventar der schützenswerten Denkmäler in der Gemeinde Hünenberg enthalten. [6]


Kunsthistorische Beschreibung und Würdigung

«Der kleine Putzbau wird 1706 erstmals erwähnt und weist die seit dem Mittelalter geläufige Gestalt eines rechteckigen Giebelbaus mit Rafendach und rundbogiger Nische auf. Das Heiligenhäuschen steht unmittelbar vor der Rückfassade des bäuerlichen Wohnhauses Hünenbergerstrasse 73 zu dem es gehört. Die Nischenöffnung wird durch ein Eichenholzgewände mit stichbogigem Sturz gebildet, der Boden der Nische ist mit handgestrichenen Biberschwanzziegeln ausgelegt. Darin ist ein Opferstock mit eiserner Deckplatte und Scharnierschloss aus dem ausgehenden 18. Jahrhundert eingelassen. Am Tonnengewölbe der Nische finden sich Reste einer hellblauen Fassung, die mit applizierten Sternen das Himmelsgewölbe darstellt und wohl von der Renovation von 1885 her stammt. Im Fond steht ein die ganze Rückwand einnehmendes, modellartiges Barockretabel mit einem von Säulen flankierten Altarblatt mit der Darstellung des hl. Wendelin als Schafhirte, darüber Gottvater in Halbfigur. Die stumpfe, qualitativ nicht sehr hochwertige Fassung stammt wohl aus der Zeit um 1930 und ist mit «S. Suter» signiert. Ebenfalls in dieser Zeit wurde das Dach mit den ornamentierten Vordachstreben erneuert. Das früher über der Öffnung angebrachte Medaillon mit auf Blech gemaltem Bild Mariahilf und das Gitter fehlen.» [7]

«Das Heiligenhäuschen St. Wendelin reiht sich ein in eine Gruppe ähnlicher sakraler Kleinbauten auf dem Gemeindegebiet. Im Vergleich ist die reiche Ausgestaltung von besonderem künstlerischem Wert. Die legendenhafte Erzählung um seine Entstehung erklärt das Patrozinium und steigert die heimatkundliche Bedeutung des sakralen Kleinbaus. Mit der Versetzung wurde das Heiligenhäuschen zudem Bestandteil des Langweidhofes in unmittelbarer Nähe zum qualitätvollen, 1789 erbauten Bauernhaus (Ass. 51a, geschützt).» [8]


Aktueller Kartenausschnitt

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Einzelnachweise

  1. Staatsarchiv Zug, Hypothekenbücher, Bd. 31, S. 462
  2. Dittli, Beat, Zuger Ortsnamen. Lexikon der Siedlungs-, Flur- und Gewässernamen im Kanton Zug. Lokalisierung, Deutung, Geschichten, Zug 2007, Bd. 5, S. 172
  3. Bürgerarchiv Zug, A 39.26.26, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1739–1742, fol. 22v
  4. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 336
  5. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 336
  6. Amt für Denkmalpflege und Archäologie, Inventar der schützenswerten Denkmäler des Kantons Zug, Grundstücknummer 254 [Stand: 04.06.2019]
  7. Amt für Denkmalpflege und Archäologie, Inventar der schützenswerten Denkmäler in der Gemeinde Hünenberg (Datenblatt)
  8. Amt für Denkmalpflege und Archäologie, Inventar der schützenswerten Denkmäler in der Gemeinde Hünenberg (Datenblatt)