Toggenhölzli

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Kleines Wäldchen an der Gemeindegrenze von Cham und Hünenberg. Durch das Wäldchen führt der Weg von Cham über Enikon nach St. Wolfgang, einst ein Zubringer zur alten Landstrasse von Luzern über St. Wolfgang, Rumentikon und Knonau nach Zürich. Vom 16. bis ins 18. Jahrhundert entschied der Zuger Stadtrat darüber, ob, wieviel und welches Holz hier gefällt werden durfte.


Bannwald

Im Spätmittelalter wurden die meisten Wälder rund um die Dörfer in der heutigen Gemeinde Cham gemeinschaftlich genutzt. Der Wald gehörte zur Allmend und er durfte von den Dorfgenossen genutzt werden, vor allem für den Bezug von Brennholz, Bauholz und von Holz für gewerbliche Zwecke. Wichtig war auch der Auftrieb von Vieh. Vom 16. bis ins 18. Jahrhundert griff der Zuger Stadtrat in einigen Ennetseewäldern wie dem Toggenhölzli oder dem ganz auf Hünenberger Gemeindegebiet gelegenen Herrenwald immer stärker in die Waldbewirtschaftung ein. Der Rat erliess Nutzungsvorschriften, stellte Bannwarte an und ahndete Holzdiebstähle. [1]


Chronologie

1497 In einer Urkunde aus dem späten 15. Jahrhundert wird das «Toggelhöltzli» erstmals erwähnt. [2]

1523 Der Zuger Stadtrat bestellt eine Gruppe von Ratsherren, darunter auch den Reisläufer, Marignanoveteran und späteren Santiago-de-Compostela-Pilger Heinrich Schönbrunner den Jüngeren (1498–1537), zur Besichtigung der Grenze zwischen den Gerichtskreisen von Cham und Hünenberg. In der Grenzbeschreibung wird auch das Toggenhölzli erwähnt. [3]

1597 Erstmals wird ein Bannwart oder Förster («forster») im Toggenhölzli erwähnt: Am 14. Juni bestätigt der Zuger Stadtrat Wolfgang Schürmatter aus Cham in diesem Amt. [4]

1606–1764 Der Stadtrat gibt immer wieder Zuger Stadtbürgern und Chamer Vogteileuten im Toggenhölzli stehende Eichen und Tannen zur Nutzung frei. Mit dem Holz werden zum Beispiel Brunnen gebaut. [5]

1616–1680 Am 21. Mai 1616 wird der Bannwart, der «Ochsenloner» (vom Hof Ochsenlon an der Hünenberger Gemeindegrenze) vor den Stadtrat geladen, weil im Toggenhölzli ohne Erlaubnis Eichen gefällt worden seien. Der Bannwart gibt die Namen der Holzfrevler bekannt (sie werden allerdings nicht ins Protokoll geschrieben). [6] Vier Jahre später lässt der Stadtrat auch in Cham ein Mandat auszurufen, dass Holzfrevel aus gebannten Wäldern mit zehn Kronen Busse bestraft wird. [7] Illegaler Holzschlag in gebannten Wäldern kommt aber immer wieder vor. Ab und zu statuiert der Stadtrat ein Exempel und verurteilt Holzfrevler zu (einer kurzen) Turmhaft. [8]

1735 Die Vergabe von Holz aus dem Toggenhölzli wird vom Zuger Stadtrat recht unterschiedlich gehandhabt: Am 7. Mai genehmigt er dem (Stadtzuger) Baumeister vier Stöcke Holz zum Stauen der Lorze. Knapp vier Monate später, am 27. August, wird Josef Jäcklin, Papiermacher von Cham, verboten, eine Eiche und drei Tannen zu beziehen. Der Wald sei geschützt («im bahn»). [9]

1739 Am 16. und 18. Januar 1739 fegen die gewaltigen Winterstürme «Marcellus» und «Prisca» über das Land: Häuser, Scheunen und Kirchtürme werden zerstört. In Obstbaumgärten und Wäldern liegen hunderttausende Bäume am Boden. Der Zuger Obervogt und Bannwart Michael Landtwing berichtet, dass im Hünenberger Herrenwald nur wenig Holz gefällt worden sei. Im Toggenhölzli lägen etwa sechs Stöcke. [10]

1887 Im Topografischen Atlas von Hermann Siegfried (1819–1879) erscheint das «Doggenhölzli» fast doppelt so gross wie heute. Auf dem Chamer Gemeindegebiet erreicht der Waldrand fast die Hünenbergerstrasse.

um 1940 Im Rahmen der Anbauschlacht im Zweiten Weltkrieg wird der östliche Waldteil auf Chamer Gemeindegebiet fast komplett abgeholzt. Auch hier will man Landfläche für den Anbau von Nahrungsmitteln gewinnen. [11]

2018 Das Toggenhölzli gehört mehreren Privatpersonen. Ein kleiner Teil wird von der Korporation Hünenberg genutzt. Die querende Strasse zur Autobahn A4 hin ist im Besitz der Einwohnergemeinde Cham. [12]


Namensgebung

Bei der Namensgebung sind mehrere Deutungen möglich. Am wahrscheinlichsten ist ein Bestimmungswort *tockel- zu schwdt. Togg, Toggen m./f. „zurechtgeschnittenes Stück, Pfosten, Pfahl“, der Markierung von (Weide-)Grenzen verwendet wird. Ein «Toggenhölzli» ist also ein Wäldchen mit Grenzmarkierungen. [13]


Aktueller Kartenausschnitt

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Einzelnachweise

  1. Klee, Doris, «... ein dürres Eichlein gefällt», Holzfrevel in Zug im 16. und 17. Jahrhundert, in: Tugium 28, 2012, S. 129–131
  2. Urkundenbuch von Stadt und Amt Zug vom Eintritt in den Bund bis zum Ausgang des Mittelalters 1352–1528, 2 Bde., Zug 1952–1964. UBZG II, Nr. 1690, S. 842
  3. Bürgerarchiv Zug, A 39.26.0, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1471–1623, fol. 23v
  4. Bürgerarchiv Zug, A 39.26.1, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1552–1649, fol. 130r
  5. Bürgerarchiv Zug, A 39.4.7, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1586–1612, fol. 6v (09.09.1606); A 39.4.8, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1612–1616, fol. 32v (18.07.1615); A 39.26.25b, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1736–1738, fol. 154v (18.05.1737), A 39.26.31, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1761–11768, fol. 124r (14.04.1764)
  6. Bürgerarchiv Zug, A 39.4.8, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1612–1616, fol. 43r
  7. Bürgerarchiv Zug, A 39.4.9, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1619–1623, fol. 26v
  8. Bürgerarchiv Zug, A 39.26.5, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1669–1681, S. 510. Grundsätzlich zur Holzfrevelthematik: Klee, Doris, «... ein dürres Eichlein gefällt», Holzfrevel in Zug im 16. und 17. Jahrhundert, in: Tugium 28, 2012, S. 129–139
  9. Bürgerarchiv Zug, A 39.26.24, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1735, S. 70 und 136
  10. Bürgerarchiv Zug, A 39.26.26, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1739–1742, fol. 6r. Krämer, Daniel, Als die Buchen und Tannen «wie Vögelein» flogen. Die Winterstürme «Marcellus» und «Prisca» am 16. und 18. Januar 1739 und ihre Auswirkungen in der Zentralschweiz, in: Der Geschichtsfreund 162, 2009, S. 143–176.
  11. map.geo.admin.ch, Luftbilder von 1931 und 1942 [Stand: 07.01.2018]
  12. www.zugmap.ch, Einträge Grundstücknummern 1489, 2215, 2216, 2240 und 2241 [Stand: 13.01.2018]
  13. Dittli, Beat, Zuger Ortsnamen. Lexikon der Siedlungs-, Flur- und Gewässernamen im Kanton Zug. Lokalisierung, Deutung, Geschichten, Zug 2007, Bd. 5, S. 47f.