Seestrasse 25, Seehof

Aus Chamapedia

Die Liegenschaft Seehof, undatiert (zwischen 1900 und 1920)
Aufnahme, undatiert (zwischen 1920 und 1930)
Das stattliche Bauernhaus von Süden, 27.10.1972
Seehof, Ansicht von Südosten, 05.10.2022
Seehof, Ansicht von Südwesten, 05.10.2022
Luftansicht von Südosten, 05.10.2022

Der im 18. Jahrhundert erbaute Seehof im Städtli an der alten Landstrasse von Zug nach Cham gilt als eines der grössten, repräsentativsten Bauernhäuser im Ennetsee. Im 19. und im 20. Jahrhundert leben hier Angehörige der alteingesessenen Chamer Familien Hess und Ritter.


Chronologie

vor 1800 Das ausserordentlich grosse Bauernhaus, ein Kantholzständerbau errichtet auf einem geschosshohen Keller, wird im 18. Jahrhundert im Städtli neu gebaut. Offenbar verwendet man ältere Bauteile. Ungewöhnlich ist der Einbau eines durchlaufenden, wuchtigen Brüstungsbalkens unter den Fenstern des Wohngeschosses. [1]

1811/1813 Die Liegenschaft ist im Besitz von Kirchmeier Michael Hess (1773–1857). Dazu gehören ein Wohnhaus (Ass.-Nr. 24a), eine Trotte mit Brennhütte (Ass.-Nr. 24b), eine Scheune (Ass.-Nr. 24c) sowie ein Dörrofen mit Waschhaus (Ass.-Nr. 24d). [2]

1820 Die Kommunikantenzählung erfasst im Haus von Kirchmeier Hess stattliche 12 Kommunikanten. Nur noch in einem weiteren Chamer Haushalt werden bei dieser Zählung gleichviele Kommunikanten erfasst.

1827 Am 13. September werden das Waschhaus und der Dörrofen durch einen Brand zerstört. Die Feuerassekuranzkommission beschäftigt sich ein halbes Jahr später, im März 1828, mit dem Vorfall. [3] Das Waschhaus wird 1829 neu gebaut. [4]

1841 Der Seehof gehört nun den Gebrüdern Alois und Franz Michael Hess. [5]

1859 Es gibt einen Besitzerwechsel von der Familie Hess zur Familie Ritter: Die Brüder Heinrich und Balz Ritter kaufen die Liegenschaft. [6]

1888 Die Scheune wird im März abgetragen. [7]

1896 Auch der Dörrofen wird entfernt. [8]

1906 Carl Ritter übernimmt am 31. August die Liegenschaft als Erbe. [9]

1909 Dr. Heinrich Ritter (1878–1949) kauft am 3. Mai die Liegenschaft. [10]

1914 Carl Ritter kauft die Liegenschaft am 8. Dezember zurück. [11]

1920 Die ehemalige, sicher schon 1768 bestehende Trotte und die Waschhütte werden abgetragen. Dafür entsteht neu ein Nebenbau (Ass.-Nr. 24b). [12]

1937 Auf dem Grundstück wird eine Garage (Ass.-Nr. 24c) gebaut. [13]

1954 Carl Ritter-Iten stirbt. Die Liegenschaft geht am 10. November an seine Erben. [14]

1956 Nun besitzt Witwe Anna Alexandra Ritter-Iten (1890–1974) den Seehof. [15]

1974 Dr. med. dent. Heinz Ritter (1917–1994) kann die Liegenschaft am 12. August erben. [16]

1977 Heinrich Bossard-Friedrich aus Zug kauft die Liegenschaft am 26. April. [17] Das Bauernhaus wird restauriert und mit einem Treppenhaus zu einem Mehrfamilienhaus umgebaut. [18]

2017 Das Haus wird anstelle einer Ölheizung neu mit einer Erdsonden-Wärmepumpe beheizt. Der komplette Innenausbau von Küche, Nasszellen und Räumen sind mit Radiatoren ausgerüstet und die Küche wird mittels Fussbodenheizung beheizt. [19]

2024 Die Liegenschaft [20] ist im Inventar der schützenswerten Denkmäler der Gemeinde Cham eingetragen. [21]


Spuren früherer Besitzer

Das Buffet in der Stube verweist mit seiner Inschrift auf den ersten sicher nachweisbaren Besitzer des Seehofs: «18 M[ichael] H[ess] 11». Ein neubarocker Ofen, 1913 wohl vom Zuger Ofenbauer Josef Anton Keiser (1859–1923) geliefert, trägt das Wappen der Familie Ritter von Cham. [22]


Würdigung

Die Spezialistinnen und Spezialisten des Amts für Denkmalpflege und Archäologie würdigen den Seehof: «Das Wohnhaus des ehem. Seehofs aus dem 18. Jahrhundert gehört zu den eindrücklichsten Bauernhäuser im Ortsteil Städtli. Details wie die zierlichen Stutzwalme, das leicht ausgestellte Dach und der profilierte Brüstungsbalken lassen die hohen Ansprüche beim Bau des ausserordentlich grossen Wohnhauses erkennen.» [23]


Aktueller Kartenausschnitt

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Einzelnachweise

  1. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 185
  2. Staatsarchiv Zug, G 617.6.1, Assekuranzregister Cham, 1. Generation (1813–1868)
  3. Staatsarchiv Zug, CA 13/9, Brandunglücke: Berichte und Anzeigen, Gutachten, Untersuchungen 1803–1846
  4. Staatsarchiv Zug, G 617.6.1, Assekuranzregister Cham, 1. Generation (1813–1868)
  5. Staatsarchiv Zug, G 617.6.1, Assekuranzregister Cham, 1. Generation (1813–1868)
  6. Staatsarchiv Zug, G 617.6.1, Assekuranzregister Cham, 1. Generation (1813–1868)
  7. Staatsarchiv Zug, G 617.6.2, Assekuranzregister Cham, 2. Generation (1868–1929), 1. Band
  8. Staatsarchiv Zug, G 617.6.2, Assekuranzregister Cham, 2. Generation (1868–1929), 1. Band
  9. Staatsarchiv Zug, G 617.6.2, Assekuranzregister Cham, 2. Generation (1868–1929), 1. Band
  10. Staatsarchiv Zug, G 617.6.2, Assekuranzregister Cham, 2. Generation (1868–1929), 1. Band
  11. Staatsarchiv Zug, G 617.6.2, Assekuranzregister Cham, 2. Generation (1868–1929), 1. Band
  12. Staatsarchiv Zug, G 617.6.2, Assekuranzregister Cham, 2. Generation (1868–1929), 1. Band. Vgl. Anmerkung 1 (Grünenfelder), S. 185
  13. Staatsarchiv Zug, G 617.6.4, Assekuranzregister Cham, 3. Generation (1929–1960), 1. Band
  14. Staatsarchiv Zug, G 617.6.4, Assekuranzregister Cham, 3. Generation (1929–1960), 1. Band
  15. Staatsarchiv Zug, G 617.6.4, Assekuranzregister Cham, 3. Generation (1929–1960), 1. Band
  16. Staatsarchiv Zug, G 617.6.6, Assekuranzregister Cham, 4. Generation (1960–1990), 1. Band
  17. Staatsarchiv Zug, G 617.6.6, Assekuranzregister Cham, 4. Generation (1960–1990), 1. Band
  18. Vgl. Anmerkung 1 (Grünenfelder), S. 185
  19. www.haustechnik.ch [Stand: 02.09.2022]
  20. www.zugmap.ch, Eintrag Grundstücknummer 285; Grundbuchfläche: 2997 m², Gebäude: 181 m², übrige befestigte Fläche: 286 m², Gartenanlage: 2530 m² [Stand: 20.08.2022]
  21. Amt für Denkmalpflege und Archäologie des Kantons Zug, Inventar der schützenswerten Denkmäler der Gemeinde Cham, Grundstücknummer 285 [Stand: 11.04.2024]
  22. Vgl. Anmerkung 1 (Grünenfelder), S. 185
  23. Amt für Denkmalpflege und Archäologie des Kantons Zug, Datenblatt Seestrasse 25 [Stand: 05.10.2022]