Reitibuech

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Ursprünglich reichte der Städtlerwald noch rund 200 Meter weiter nach Süden bis zur Schluecht. Diese südlichsten Waldteile, Reitibuech und Schluechtholz genannt, wurden im 18. Jahrhundert abgeholzt. Heute wird das Gebiet landwirtschaftlich und als Naherholungsraum genutzt.


Chronologie

1370 Ritter Gottfried IV. von Hünenberg (gest. 1387) steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Er muss das Schloss St. Andreas an die Herzöge Albrecht III. (1348/49–1395) und Leopold III. (1351–1387) von Österreich verkaufen. In der im Bürgerarchiv Zug aufbewahrten Verkaufsurkunde erscheinen verschiedene Waldstücke im Chamer Gemeindegebiet, u.a. auch das «Reytenbuoch» (Reitibuech) und das Schluechtholz. Später gehen die beiden Waldstücke in den Besitz der Stadt Zug über. [1]

1504 Für 120 Gulden verkauft die Stadt Zug den Genossen im Städtli die beiden Waldstücke Reitibuech und Schluechtholz. Es gibt aber einige Vorbehalte: So dürfen die Zuger Stadtbürger nach einer Feuersbrunst oder in einer anderen Notlage weiterhin in den beiden Gehölzen Eichen und Tannen schlagen. Das Holz für die Chamer Brücke, «eß sÿendt grundthöltzer, stüdt, daußböm [Lagerbalken einer Brücke] undt laden», soll weiterhin von dort bezogen werden und auch die alten Holzrechte der Obermüli – der Mühle im Besitz der Stadt Zug am westlichen Lorzenufer im Quartier Kirchbüel – bleiben bestehen. [2]

1765 Der Zuger Stadtrat muss in einer Auseinandersetzung zwischen dem Chamer Müller auf der Obermüli und den Gemeindeleuten im Städtli schlichten. Der Müller pocht auf die Urkunde von 1504 und verlangt Bauholz aus dem Städtlerwald für eine neue Trotte und einen Speicher abzugeben. Die Gemeindeleute sind nicht einverstanden und erklären, die Waldstücke Reitibuech und Schluechtholz seien «würckhlichen abgeholtzet und zu ackherlandt gemacht» worden. Laut dem Kaufbrief von 1504 sei man dazu befugt gewesen. Zudem glaube man nicht, dass sich die Urkunde von 1504 auch auf eine Trotte beziehen lasse. Man wolle auch aus dem noch übrig gebliebenen Gemeindewald kein Tannenholz für eine Trotte geben. Der Stadtrat lässt sich die Kaufurkunde von 1504 und die Lehenbriefe für die Obermüli noch einmal vorlesen. Dann bestätigt er die Verpflichtung der Städtler Gemeindeleute, aus ihrem Wald das Bauholz zu liefern. [3]

2018 Heute wird das Gebiet südlich des Städtlerwaldes zwischen den Höfen Stumpen, Spiess und der Städtlistrasse landwirtschaftlich genutzt. Wegen seiner Nähe zum Wald und der guten Aussichtslage wird das Gebiet als Naherholungsgebiet sehr geschätzt. Der «Reitibuechweg» befindet sich im nordöstlichen Teil des Städtlerwaldes, unmittelbar neben der Autobahn A4a.


Namensgebung

«Reitibuech» ist eine Zusammensetzung aus schwzdt. Reit «Schuppen, Lagerraum, Landstück mit einem Lagerplatz oder Schuppen» und schwzdt. «Buech, Buechen». Der Flurname weist also auf die hier einst vor mehrheitlich vorkommende Baumart «Buche» (lat. fagus silvatica) hin. [4]


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Einzelnachweise

  1. Urkundenbuch von Stadt und Amt Zug vom Eintritt in den Bund bis zum Ausgang des Mittelalters 1352–1528, 2 Bde., Zug 1952–1964. UBZG I, Nr. 110, S. 53–55
  2. Der Kaufbrief ist in der Einleitung zum Urbar (Güterverzeichnis) der Städtligenossenschaft von 1694 überliefert. Urkundenbuch von Stadt und Amt Zug vom Eintritt in den Bund bis zum Ausgang des Mittelalters 1352–1528, 2 Bde., Zug 1952–1964. UBZG II, Nr. 1869, S. 910f. Gruber, Eugen et al., Geschichte von Cham, Bd. 1, Cham 1962, S. 265
  3. Bürgerarchiv Zug, A 39.26.31, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1761–1768, fol. 172v. Dittli, Beat / Güdel, Markus / Schuler, Markus, Gehölzrundgang Gemeinde Cham, Cham 2010, S. 20
  4. Dittli, Beat, Zuger Ortsnamen. Lexikon der Siedlungs-, Flur- und Gewässernamen im Kanton Zug. Lokalisierung, Deutung, Geschichten, Zug 2007, Bd. 4, S. 43.