Hubletzen

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Flache Anhöhe nordöstlich des Zisterzienserinnenklosters Frauenthal, mit 454.8 m ü.M. eine der höchsten Erhebungen der Gemeinde Cham mit grosser Bedeutung für den lokalen Radrennsport. Ab 2025 möchte der Kanton Zug an diesem Standort ein neues Kiesabbaugebiet erschliessen.


Chronologie

1417 In einem Stadtzuger Urbar (Güterverzeichnis) wird ein Acker erwähnt, der «in die Hubeltzen, an den weg gen Frowental» angrenzt. Es ist die erste schriftliche Erwähnung der Anhöhe. [1]

1489 Ruedi Vollenwyder, der Hofmeister des Zisterzienserinnenklosters Frauenthal, kauft im Auftrag von Äbtissin Verena Netstaler (gest. 1494) für das Kloster einige Landstücke, u.a. «an der Hubletzen geleggen». Die Grenzen und Hagzäune sollen so belassen werden, wie sie sich zum Zeitpunkt des Kaufes präsentieren. [2]

1717 Auf dem Zehntenplan des Klosters Frauenthal sind an der Hubletzen ein eingehagter Weinberg und ein Ökonomiegebäude eingezeichnet. [3]

1887 Im Topografischen Atlas von Hermann Siegfried (1819–1879) wird die Höhe der Hubletzen noch mit 458 m ü.M. angegeben. Erst auf der 1956 publizierten Landeskarte (Blatt 1131 Zug) werden korrekt 454.8 m ü.M. geführt.

1911 Von 1903 bis 1925 wird in der ganzen Schweiz ein Fixpunktnetz (Triangulation I. bis III. Ordnung) für die Landesvermessung aufgebaut, basierend auf ungefähr 5000 Fixpunkten. 1911 wird auf der Hubletzen ein sichtbares Signal für einen Triangulationspunkt dritter Ordnung im Frauenthal errichtet. Das Signal ist eine vierseitige Pyramide aus flachen, gestrichenen Stahlbauteilen. [4]

1987 Im Rahmen des Chamer Stadtfestes wird auf der Hubletzen ein Bergfest ausgerichtet. Ein «Buebenschwinget», eine Festwirtschaft und musikalische Unterhaltung durch die Musikschule Cham und den Jodlerklub Schlossgruess Cham sorgen für ein gelungenes Fest. [5]

2008 Um die langfristige Selbstversorgung mit Kies bis 2040 zu sichern, möchte der Zuger Regierungsrat neben Erweiterungen in den bestehenden Abbaugebieten neu auch das Gebiet Hatwil/ Hubletzen in den Richtplan aufnehmen. Das Gebiet verfügt über eine gute Kiesqualität und ein ausreichendes Abbauvolumen. Im öffentlichen Mitwirkungsverfahren geben Parteien, Verbände, Fachstellen und Private ihre Stellungnahmen ab. Der Abbaustandort Hatwil/ Hubletzen ist umstritten, aber letztlich weniger umstritten als der Standort Allmend/ Schönbühlwald in Baar. [6]

2010 Das Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) genehmigt die vom Kanton Zug eingereichten Richtplanänderungen mit dem neuen Kiesabbaustandort Hatwil/ Hubletzen, weist jedoch auf mögliche Konflikte im Landschaftsschutzzielen hin. [7]

2012 Beim jährlich vom RMV Cham-Hagendorn organisierten Swiss Ever Grand Prix Cham Hagendorn wird jeweils an der Hubletzen der Bergpreis gefahren. Die Fahrer passieren auf 440 m ü.M. rund 200 Meter südlich der Anhöhe. Am 23./24. Juni 2012 finden auf dem 9.3 km langen GP-Rundkurs auch die Schweizer Strassenmeisterschaften mit den Chamer Lokalmatadoren Martin Elmiger (*1978) und Grégory Rast (*1980) sowie der Schweizer Radsportlegende Fabian Cancellara (*1981) statt. Beim Bergpreis an der Hubletzen wird eine Festbeiz für die Zuschauer aufgebaut. [8]

2015 Mit der Einführung des satellitengestützten Grundlagennetzes in der Landesvermessung verliert 1995 das Triangulationssignal seine ursprüngliche Funktion. Die Anlage auf der Hubletzen ist aber die einzige noch erhaltene Vermessungspyramide im Kanton Zug. Deshalb geben das kantonale Vermessungsamt und die kantonale Denkmalpflege 2015 eine sanfte Restaurierung in Auftrag. Die Spezialisten reinigen, entrosten und streichen die Stahlteile neu und bauen die Pyramide am alten Standort wieder auf. [9]

2018 Die vom Zuger Regierungsrat geplante Festsetzung des Kiesabbaus im kantonalen Richtplan – der Perimeter der Kiesgrube reicht vom Äbnetwald bis zur Hubletzen – stösst in Cham auf wenig Gegenliebe. Unter der Führung von CVP-Kantonsrat Hans Baumgartner (*1959) formiert sich eine breite Koalition aus Gemeinderat, Chamer Kantonsräten und den Ortsparteien. Man will frühzeitig verhindern, dass die Landschaft, die im Bundesinventar der Landschaften von nationaler Bedeutung (BLN) geführt wird und zugleich auch eine kantonale und gemeindliche Landschaftsschutzzone darstellt, für immer zerstört wird. Auch der Gemeinderat äussert sich vehement gegen den Kiesabbau in diesem sensiblen und wertvollen Naherholungsgebiet. [10]


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Einzelnachweise

  1. Urkundenbuch von Stadt und Amt Zug vom Eintritt in den Bund bis zum Ausgang des Mittelalters 1352–1528, 2 Bde., Zug 1952–1964. UBZG I, Nr. 570, S. 272–278. Dittli, Beat, Zuger Ortsnamen. Lexikon der Siedlungs-, Flur- und Gewässernamen im Kanton Zug. Lokalisierung, Deutung, Geschichten, Zug 2007, Bd. 3, S. 56f.
  2. Urkundenbuch von Stadt und Amt Zug vom Eintritt in den Bund bis zum Ausgang des Mittelalters 1352–1528, 2 Bde., Zug 1952–1964. UBZG I, Nr. 1504, S. 758
  3. Dittli, Beat, Zuger Ortsnamen. Lexikon der Siedlungs-, Flur- und Gewässernamen im Kanton Zug. Lokalisierung, Deutung, Geschichten, Zug 2007, Bd. 5, S. 197
  4. Twerenbold Monika, Cham, Hagendorn, Hubletzen, Triangulationssignal Nr. 1111 0161 (Restaurierungsbericht), in: Tugium 32, 2016, S. 54f.
  5. Zuger Nachrichten, 26.08.1987 (Beilage zum Chamer Stadtfest)
  6. Medienmitteilung der Baudirektion des Kantons Zug, 21.10.2008
  7. Medienmitteilung der Baudirektion des Kantons Zug, 25.10.2010
  8. Neue Zuger Zeitung, 05.06.2012
  9. Twerenbold Monika, Cham, Hagendorn, Hubletzen, Triangulationssignal Nr. 1111 0161 (Restaurierungsbericht), in: Tugium 32, 2016, S. 54f.
  10. Zuger Zeitung, 15.03.2018