Hausheer Alois (1760–1846)

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Vorname: Alois
Nachname: Hausheer
Geschlecht: männlich
Geburtsdatum: 4. Dezember 1760
Geburtsort: Cham ZG
Todesdatum: 6. Oktober 1846
Todesort: Cham ZG
Beruf: Landwirt
Amt: Gemeindepräsident
Religion: römisch-katholisch

Alois Hausheer war ein Landwirt von der Plegi und einflussreicher Kommunalpolitiker in bewegten Zeiten. Nach der Verselbständigung von Cham wird er 1799 der erste Gemeindepräsident.



Stationen

1760 Alois Hausheer kommt am 4. Dezember in Cham zur Welt. [1]

nach 1780 Hausheer übernimmt den Bauernhof in der Plegi.

1796 Die Französische Revolution von 1789 und die nachfolgenden Wirren führen in ganz Europa zu nachhaltigen Veränderungen. Cham ist noch immer eine Vogtei, ein abhängiges Untertanengebiet, der Stadt Zug. Auf Vorschlag der Chamer Untervögte wird unter anderem Alois Hausheer als «Fürsprecher von Cham» gewählt. Hausheer gehört also schon in jungen Jahren zur dörflichen Oberschicht. [2]

1798 In der Umbruchsphase der Helvetischen Revolution rücken französische Truppen in die alte Eidgenossenschaft ein. Die politischen, wirtschaftlichen und militärischen Verhältnisse werden neu geordnet. Mit dem Franzoseneinfall werden die alten Abhängigkeiten und Untertanengebiete aufgehoben, die Stadt gibt im Februar ihre fünf Vogteien Cham, Hünenberg, Steinhausen, Risch (Gangolfswil) und Walchwil frei. [3]

Am 12. April tritt ein neues, von Frankreich aufoktroyiertes und an der französischen Verfassung orientiertes Grundgesetz in Kraft. In diesem neuen Staatswesen, der Helvetischen Republik, entsteht nun auch die freie Munizipalität [= moderne, alle Einwohner umfassende Gemeinde] Cham. [4]

Am 21. November tritt der provisorische, siebenköpfige Rat erstmals zusammen: Es sind dies Präsident Hausheer, Michael Stutz aus Lindencham, Heinrich Wiss aus Hatwil, Jakob Hildebrand von Bibersee, Melchior Gretener im Städtli, Xaver Ritter aus Lindencham und Sekretär Melchior Bütler. [5]

1799 Am 5. April treten in Cham die über 20-jährigen und damit stimmfähigen Männer zusammen. Die «Urversammlung» wählt die «ersten munizipalbeamtenden» (Ratsherren, Schreiber, Weibel) und setzt deren Besoldung fest. Mit 66 von 122 Stimmen wird Bauer Hausheer aus der Plegi zum ersten Gemeindepräsidenten gewählt. Als Entlöhnung soll er jährlich «15 franzöische thaller oder 60 francen» erhalten. [6] Der neue, fünfköpfige Chamer Gemeinderat wird mit Michael Stutz, Jakob Hildebrand, Heinrich Wiss und Josef Luthiger komplettiert. [7] Im Frühjahr 1799 wird die Gemeinde Cham also selbstständig und unabhängig. [8]

Die Gemeinde war für die Führung der Bürgerregister, das Vormundschaftswesen, das Überwachen von Kaufgeschäften und Erbteilungen, Steuereinschätzungen und das Ausstellen von Niederlassungsbewilligungen, Leumundszeugnissen oder Wirtshauspatenten zuständig. Der Gemeinderat erledigt diese Aufgaben. Die Bürger treffen sich zu ihren jährlichen Maiengemeinde unter freiem Himmel beim Gasthaus Raben, um die Gemeinderäte und die Vertreter in die kantonalen Behörden zu wählen und deren Geschäftsführung zu überprüfen. [9]

1803 Nach der turbulenten Zeit der Helvetik bleibt Alois Hausheer bis 1807 Gemeindepräsident von Cham. [10]

1846 Jakob Hausheer, «unser Senior» mit einem «frohen Sinn», stirbt am 6. Oktober im Alter von 85 Jahren und 10 Monaten. [11]


Dokument

15 Protokoll Einwohnerrat 1798–1818.jpg

Erste Seite aus dem ersten Protokoll des Einwohnerrats von Cham, 21.11.1798


Transkription

Provißorische Múnicipalité der Gemeindé Zu Chamm

Mit Glieder

Bürger Aloiß Haußherr auß der Blegÿ Preßident

Bürger Michael stuz von Lindenchamm Mitglied

Bürger Heinrich Weiß von Hatwil Miglied

Bürger Jacob Hildebrand von Bübersee Mitglied

Bürger Melchior Grettener im Stettlÿ Mitglied

Bürger Xaver Ritter in Lindenchamm Mitglied

Bürger Melchior Büttler Einßweillen Sekretär


Sizung den 21ten 9bre 1798

1. Bürger Preßident alloiß Haußherr auß der Blegÿ und Bürger Verwalter Michael Stuz von Lindenchamm, seind verordnet, die in unßere Gemeinde Chamm, gehörige Witwen- und Wäißen Gütter von der Statt Munizipalitet von Zug abzuhollen.


Einzelnachweise

  1. Geschichte von Cham, Band 2, Cham 1962, S. 308
  2. Bürgerarchiv Zug, A 39.26.37.15, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1796–1798, fol. 2r
  3. Morosoli, Renato, Zweierlei Erbe. Staat und Politik im Kanton Zug 1803–1831/1847 nach den Erfahrungen von Ancien Régime und Helvetik, Dissertation Universität Zürich, Zug 1991, S. 54f.
  4. Gruber, Eugen et al., Geschichte von Cham, Bd. 1, Cham 1958, S. 320f.
  5. Einwohnergemeindearchiv Cham, Gemeinderatsprotokoll 1798–1818
  6. Einwohnergemeindearchiv Cham, Gemeinderatsprotokoll 1798–1818
  7. Dazu kommen drei Suppleanten [= Stellvertreter, Ersatzmänner], nämlich Jakob Fähndrich, Xaver Ritter und Thomas Bütler.
  8. Gruber, Eugen et al., Geschichte von Cham, Bd. 1, Cham 1958, S. 322
  9. Gruber, Eugen et al., Geschichte von Cham, Bd. 1, Cham 1958, S. 323
  10. Gruber, Eugen et al., Geschichte von Cham, Bd. 2, Cham 1962, S. 34
  11. Neue Zuger Zeitung, 10.10.1846