Adelheid-Page-Strasse 7, Villa Seematt

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Idylle im Schnee: die Villa Seematt, Winter 1935
Renoviert und wunderschön: die Villa Seematt an der Adelheid-Page-Strasse 7
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Die historisierende Villa Seematt an der Adelheid-Page-Strasse 7 zeigt spielerisches Flair beim Schweizerhausstil an der doppelgeschossigen Veranda. Haus und Park gingen in den Besitz einer Missionsstiftung über – mit dem Erlös aus der «Seematt» wurde in Pakistan eine Forschungsbibliothek aufgebaut, die nach dem Chamer Erbauer der Villa «Butler Library» heisst.

Chronologie

1898 Robert Bütler wohnt direkt neben dem Schloss St. Andreas im Haus Meienrain. Die Milchsüdi-Erbin Adelheid Page-Schwerzmann (1853–1925) will nicht nur das Schloss, sondern auch die benachbarten Gebäude erwerben. Da Bütler der resoluten Dame nicht verkaufen will, schaltet Page den Unterägerer Nationalrat Dr. Klemens Iten (1858–1932) ein. Dieser kauft Bütler das Haus ab und verkauft es umgehend an Page weiter – der Nationalrat wirkt als Strohmann. [1]

1905/06 Mit der Verkaufserlös des Haus Meienrain baut Robert Bütler seine liebliche Vorstadtvilla – an der Strasse zum Schloss. So muss die wenig geschätzte Adelheid Page täglich Bütlers Haus passieren ... Stilistisch ist die Villa im Stil des Historismus gebaut, die doppelgeschossige Veranda zeigt typische Elemente des Schweizerhausstils. An der Haustüre erinnern die geschmiedeten Initialen «R B» an Robert Bütler. [2]

1966 Der Erbe des Hauses ist wiederum ein Robert Bütler (1915–1996), der Jesuitenpater ist. [3] Da Jesuiten keinen Eigenbesitz besitzen dürfen, überschreibt Pater Bütler die Villa 1966 der Franz-Xaver-Stiftung mit dem Zweck «Erlös für die Mission Pakistan». Denn Pater Robert wirkt ab 1961 in Pakistan. In Lahore baut er mit einem Belgier und einem Deutschen ein jesuitisches Zentrum auf. Bütler widmet sich vor allem dem Aufbau der Forschungsbibliothek, die mit den Mieterträgen aus Cham alimentiert werden kann. Noch heute heisst die Bibliothek im fernen Pakistan «Robert Butler Library». [4]

1966–1997 Die Familie von Schneidermeister Cyrill Widmer wohnt in der Villa Seematt.

1997 Die jesuitische Franz-Xaver-Stiftung verkauft die Villa Seematt ihren heutigen Besitzern. Zuvor parzelliert die Stiftung den beträchtlichen Umschwung ab und gibt diesen im Baurecht ab, zum einen der «Gemeinnützigen Baugenossenschaft» für preisgünstige Wohnungen, zum anderen für Eigentumswohnungen. So fliessen noch heute die Erträge aus dem Baurecht in die Mission nach Pakistan. [5]

1998 Die neuen Eigentümer restaurieren das Gebäude fachgerecht.

2004 Die Villa Seematt ist im «Inventar Schutzobjekte der Gemeinde Cham» aufgeführt. [6]

Kunsthistorische Beschreibung

«Über dem Sockel in Bruchsteinmauerwerk erheben sich zwei hell verputzte Hauptgeschosse mit Eckquaderung. Diese werden abgeschlossen von einem hohen Walmdach mit mehreren Quergiebeln, deren Fronten mit rot gestrichenem Fachwerk verblendet sind. Gartenseitig ist eine zweigeschossige Veranda mit Wechsel zwischen klassischer Balustrade im Hochparterre und Holzarbeiten in Formen des Schweizerhausstils im Obergeschoss ausgebildet. Der risalitartig vorgelagerte Hauseingang wird von einer kleinen, aber mit üppigen vollplastischen Geländerbalustern ausgestatteten Terrasse bekrönt. Volutenartige Konsolen tragen den kurzen Vorkrag des Terrassenbodens.» [7]


Fotogalerie

Villa Seematt


Pater Robert Bütler


Dokumente

Pater Toni Kurmann über das Wirken von P. Robert Bütler in Lahore, Pakistan


Einzelnachweise

  1. Freundliche Mitteilung von Raymund Gmünder-Blum, Cham, 05.06.2013
  2. Grünenfelder, Josef, Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Neue Ausgabe, Bd. 2, Die ehemaligen Vogteien der Stadt Zug, Bern 2006, S. 117
  3. Iten, Albert, Tugium Sacrum. Der Weltklerus zugerischer Herkunft und Wirksamkeit bis 1952, Stans 1952, S. 142
  4. Freundliche Mitteilung von Raymund Gmünder-Blum, Cham, 05.06.2013
  5. Freundliche Mitteilung von Raymund Gmünder-Blum, Cham, 05.06.2013
  6. www.cham.ch, Inventar Schutzobjekte [Stand: 26.01.2018]
  7. Furrer, Benno / Grünenfelder, Josef, Häuser am Weg, Gemeinde Cham 1 [Faltprospekt], Cham 2006