Wildenbach

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Kleiner Bach, der von der Eichmatt und vom hünenbergischen Huebhof her zum Zugersee fliesst. Seit dem 16. Jahrhundert ist der Wildenbach als Grenzbach zur Gemeinde Hünenberg fassbar. Die Namendeutung ist unklar, den wild gebärdet sich dieser Bach nicht (mehr). [1]


Chronologie

5. Jahrtausend vor Christus Im Jahr 2002 wird nördlich der Luzernerstrasse unmittelbar an der Gemeindegrenze Cham/Hünenberg die Pfahlbausiedlung Hünenberg-Wildenbach entdeckt. Mit naturwissenschaftlichen Methoden wird eine Siedlung oder zumindest ein Werkplatz aus der Egolzwiler Kultur mit einem Besiedlungszeitraum zwischen 4500 und 4000 v. Chr. nachgewiesen. Hünenberg-Wildenbach ist damit eine der ältesten, wenn nicht die älteste Pfahlbausiedlung des Kantons Zug. Die Siedlung auf 417 m ü.M. dürfte vor 6500 Jahren direkt an einer kleinen Bucht oder in einem Feuchtgebiet in der Nähe des im 16. und 17. Jahrhundert abgesenkten Zugersees gelegen haben. [2]

1370 Der in finanzielle Schwierigkeiten geratene Ritter Gottfried IV. von Hünenberg (gest. 1387) verkauft das Schloss St. Andreas in Cham an die Herzöge Albrecht III. (1348/49–1395) und Leopold III. (1351–1387) von Österreich. In der Verkaufsurkunde wird auch der Wildenbach erstmals schriftlich erwähnt. [3]

um 1521 Der Wildenbach markiert auch in der Zugerseefischerei eine Grenze. Der Zuger Stadtrat verpachtet den oberen See gegen Dersbach für neun Pfund an Hans Müller und Peter Kündig. Müller darf die Fischernetze nur bis zum Wildenbach ziehen und nicht darüber hinaus fischen. [4]

1523 In einer Beschreibung der Gerichtsgrenze zwischen Cham und Hünenberg heisst es: «Die March zwuschend dem gricht zuo Cham unnd dem gricht von Hunenberg ist angefangen zuo kemletten an dem see und gatt den Wildenbach uff an die strass, die gan Lutzern gatt.» [5]

1648 Der Zuger Stadtrat ermahnt die Wuhrpflichtigen (d.h. den Unterhaltspflichtigen) am Wildenbach, sie sollen ihrer Pflicht nachkommen, wie es ein Gerichtsurteil von 1592 verlange. Ansonsten wolle man auf Kosten desjenigen der im Unrecht ist, am Bach einen Augenschein nehmen lassen. [6]

1887 Im Topografischen Atlas von Hermann Siegfried (1819–1879) sind die verschiedenen Quellbäche in der Eichmatt und am Hang südlich des Huebhofs in der Gemeinde Hünenberg gut erkennbar. Die Quellbäche vereinigen sich zu einem kleinen Feuchtgebiet nördlich der Luzernerstrasse. Nach der Unterquerung der 1864 eröffneten Bahnlinie Luzern–Zug fliesst der Bach auf Hünenberger Gebiet in Richtung Zugersee.

2002 Johannes Weiss, Mitarbeiter der Kantonsarchäologie Zug, entdeckt bei der Prospektion der Baustelle Liegenschaft Luzernerstrasse 76 in Hünenberg See – südlich des inzwischen unterirdisch fliessenden Wildenbachs – Überreste einer Pfahlbausiedlung. [7]

2017 Der Wildenbach ist über weite Strecken eingedolt. Nur im Mündungsbereich in Hünenberg See fliesst er noch offen, allerdings in einem begradigten Gerinne.


Einzelnachweise

  1. Dittli, Beat, Zuger Ortsnamen. Lexikon der Siedlungs-, Flur- und Gewässernamen im Kanton Zug. Lokalisierung, Deutung, Geschichten, Zug 2007, Bd. 5, S. 221
  2. Huber, Renata et al., Zum Stand der Pfahlbauforschung im Kanton Zug, in: Tugium 25, 2009, S. 111–140, insbesondere S. 120–125
  3. Urkundenbuch von Stadt und Amt Zug vom Eintritt in den Bund bis zum Ausgang des Mittelalters 1352–1528, 2 Bde., Zug 1952–1964. UBZG I, Nr. 110, S. 53–55. Glauser, Thomas, Der Adlige, der Söldner, die Wohltäterin. St. Andreas und seine Besitzer, in: Zug erkunden. Bildessays und historische Beiträge zu 16 Zuger Schauplätzen, Zug 2002, S. 64–87
  4. Bürgerarchiv Zug, A 39.26.0, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1471–1623 (undatiert, wohl 1521), fol. 27v
  5. Bürgerarchiv Zug, A 39.26.0, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1471–1623 (1523), fol. 23v
  6. Bürgerarchiv Zug, A 39.26.2, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1641–1650, fol. 234r
  7. Huber, Renata et al., Zum Stand der Pfahlbauforschung im Kanton Zug, in: Tugium 25, 2009, S. 111–140, insbesondere S. 120–125