Knopfli Beat Jakob (1615–1665)

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Vorname: Beat Jakob
Nachname: Knopfli
Geschlecht: männlich
Geburts­datum: 7. März 1615
Geburt­sort: Zug ZG
Todes­datum: 2. August 1665
Todes­ort: Zug ZG
Beruf: Unternehmer, Söldner

Beat Jakob Knopfli war von Beruf Söldnerhauptmann in fremden Diensten. Doch 1657 gründete er zusammen mit Hauptmann Johann Kaspar Brandenberg die Papiermühle Cham, den Urbetrieb der späteren Papierfabrik.



Plan des Lorzenausflusses in Cham, am oberen Ende eingezeichnet die Papiermühle, 18. Jahrhundert


Stationen

1615 Beat Jakob Knopfli aus der Zuger Familie Knopfli kommt am 7. März in Zug zur Welt. Sein Vater ist der gleichnamige Beat Jakob Knopfli (1588–1662), der von 1623 bis 1634 Stadtschreiber von Zug ist, das städtische Amt aber für eine Karriere als Söldner aufgibt. Seine Mutter ist Katharina Landtwing. Sohn Beat Jakob Knopfli befehligt als Hauptmann die Gardekompanie seines Vaters. [1] In Abgrenzung zu seinem gleichnamigen Vater wird er «der junge Hauptmann» genannt.

1635 Im Alter von 20 Jahren heiratet Knopfli Cäcilia Widmer. Mit ihr wird er in Folge zehn Kinder haben. [2]


1503100 Papiermühle Rat Zug 1657.jpg

Bewilligung des Zuger Stadtrats zum Betrieb der Papiermühle Cham, 18.08.1657


1657 Bereits 1638 hatte der Zuger Stadtrat erwogen, in Cham an der Lorze eine Papiermühle in Betrieb zu nehmen, nachdem ein Konsortium von St. Galler Kaufleuten auf der östlichen Flussseite den kurzzeitigen Betrieb einer Sensenhammerschmiede einstellen musste. [3] 1654 kommt der Vorschlag erneut in den Rat und vor Ort gibt es einen Augenschein. [4]

Zusammen mit Johann Kaspar Brandenberg (1622–1695) reicht Knopfli am 2. Juni das Gesuch beim Zuger Stadtrat ein, die Wasserkraft der Lorze in Cham für eine Papiermühle nutzen zu dürfen. Sie versprechen, einen angemessenen Bodenzins zu entrichten. [5] Die Stadt Zug übergibt den Beiden der «fahll» in der Lorze, damit ist die Gefällstufe gemeint. Der Weg ist frei, um dort die geplante Papiermühle zu errichten. Es handelt sich um die erste Papierherstellungsmanufaktur der Region Zug. [6] Dass Knopfli mit seinem Kompagnon Brandenberg selber aus dem Faserbrei das Papier schöpft, ist unwahrscheinlich, weil die beiden wenig in der Gegend sind. Knopfli und Brandenberg sind Hauptmänner in den Fremden Diensten. [7]

1658 Dass Beat Jakob Knopfli ein wichtiger Mann ist, zeigt seine Berufung in den Ausschussrat der Stadt Zug. Er ist der Abgeordnete seiner Familie. [8]

1662 Knopfli, mittlerweile 47-jährig, heiratet ein zweites Mal, jetzt mit Helena Schön. Die Ehe bleibt kinderlos. [9]

1664 Jetzt wird Beat Jakob Knopfli auch zum Fleischschätzer ernannt, er ist offizieller Vertreter der Burgerschaft. [10]

1665 Beat Jakob Knopfli stirbt am 2. August im Alter von 50 Jahren. [11]


Anekdote

Knopfli wird mit seinem Geschäftspartner Brandenberg vom Rat von Zug wegen «Scheltworten» verurteilt, also wegen Fluchen oder böser Nachrede. Zur Strafe muss Knopfli eine Narrenkappe tragen. Darauf denkt er sich eine Rache der feinen Art aus: Er setzt bei der Papierproduktion ein Prägesieb ein, das ein Wasserzeichen auf dem Papier hinterlässt – dieses zeigt aber keinen Fabriknamen, sondern einen Narren mit übergrossem Maul! [12]


Würdigung

Warum genau Knopfli und Brandenberg 1657 die Papiermühle in Betrieb nehmen wollen, ist nicht überliefert. Doch der Papierbedarf in den städtischen Verwaltungen nimmt im 17. Jahrhundert zu, so schliesst die Papiermühle Cham als erster Papierherstellungsbetrieb der Region eine Lücke. [13]


Einzelnachweise

  1. Orsouw, Michael van, Der Zellstoff, auf dem die Träume sind – 350 Jahre «Papieri» Cham, Zug 2007, S. 19
  2. Archiv Papierfabrik Cham, Papiermühle Cham, Auszüge, Abschriften und Photokopien aus den Ratsprotokollen, Hypothekenbücher und Kauf- und Auskaufprotokollen, Typoskript o. D.
  3. Bürgerarchiv Zug, A 39.4.13.957, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1637–1638, fol. 94ar (17.04.1638). Hoppe, Peter, Die St. Galler Sensenhammerschmiede von 1635/36 in Cham und die zweite Absenkung des Zugersees. Ein bisher unbekanntes Stück Zuger Wirtschafts- und Wasserbaugeschichte mit konfessionellen Zwischentönen, in: Tugium 29, 2013, S. 83
  4. Bürgerarchiv Zug, A 39.26.3.1213, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1650–1660, fol. 82r (26.09.1654); A 39.26.3.1239, fol. 84r (24.10.1654)
  5. Bürgerarchiv Zug, A 39.26.3.2048, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1650–1660, fol. 151r (09.06.1657)
  6. Bürgerarchiv Zug, A 39.26.3.2094, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1650–1660, fol. 155r (18.08.1657)
  7. Arnet, Edwin, Stadlin, Paul, Die Geschichte der Papierfabrik Cham, in: Festgabe Robert Naville zum 60. Geburtstag, Cham 1944, S. 109–114. Vgl. Anmerkung 1 (van Orsouw), S. 19
  8. Bürgerarchiv Zug, A 39.26.3.2297, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1650–1660, fol. 180r (11.05.1658)
  9. Archiv Papierfabrik Cham, Papiermühle Cham, Auszüge, Abschriften und Photokopien aus den Ratsprotokollen, Hypothekenbücher und Kauf- und Auskaufprotokollen, Typoskript o. D.
  10. Bürgerarchiv Zug, A 39.26.4.928, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1660–1668, fol. 76r (29.03.1664)
  11. Vgl. Anmerkung 1 (van Orsouw), S. 19
  12. Vgl. Anmerkung 1 (van Orsouw), S. 20
  13. Vgl. Anmerkung 1 (van Orsouw), S. 19