Eichmattstrasse 11, Schulhaus Eichmatt

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Das jüngste Schulhaus Chams wurde 2009 eingeweiht. Pionierhaft taten sich im Ennetsee die Gemeinden Cham und Hünenberg zusammen und planten und bauten gemeinsam für die Schulkinder aus den Quartieren an der Gemeindegrenze einen neuen Ort der Bildung.

Ansicht Südwest, 17.01.2022
Ostansicht, 13.01.2022
Westansicht, 13.01.2022
Schulanlage Eichmatt / Kemmatten, 13.01.2022
Schulhaus Eichmatt, Westansicht, 13.01.2022
Westansicht, 13.01.2022


Chronologie

1968 Bereits in den späten 1960er-Jahren denken die Ortsplaner in den Gemeinden Cham und Hünenberg über ein gemeinsames Primarschulhaus in Kemmatten, Gemeinde Hünenberg, nach. Noch leben aber zu wenig Kinder in diesem Gebiet. Das Projekt wird schubladisiert. [1]

2004 Das westliche Chamer Gemeindegebiet und das benachbarte Gebiet von Hünenberg See wird nach und nach überbaut. Immer mehr Menschen leben hier – die beiden Gemeinden wachsen zusammen. Es stellt sich die Frage, wo die vielen Kinder der neuen Quartiere den Schulunterricht besuchen sollen. Es kommt zu einer Premiere: Die Gemeinden Cham und Hünenberg planen konkret und gemeinsam den Bau eines neuen Schulhauses. Am 28. November genehmigen die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger in beiden Gemeinden an der Urne die planungsrechtlichen Grundlagen: Im Quartiergestaltungsplan Enikon–Eichmatt–Zythus werden Baufelder, Strassen, Wege und Freiflächen festgelegt. In Cham beträgt der Ja-Stimmen-Anteil 66.91 Prozent. [2]

2005 Der Kredit für den Projektwettbewerb von je 220'000 Franken wird am 12. Dezember von beiden Gemeindeversammlungen abgesegnet. Mit der gemeindeübergreifenden Zusammenarbeit können zentrale Infrastrukturen wie Aula, Bibliothek, Pausenplatz, Sportanlagen und der Aussenraum gemeinsam und kostengünstiger realisiert werden. [3]

2006 Das Interesse am Projektwettbewerb ist immens: 60 Planungsteams nehmen teil. Nach vier Jurytagen steht das Siegerprojekt fest: Es heisst «Am Hang» und stammt von einem Planungsteam unter der Leitung der ARGE Bünzli & Courvoisier Architekten und b+p baurealisation ag aus Zürich. Beim Projektwettbewerb wird nicht nur auf städtebauliche, architektonische und wirtschaftliche Kriterien grossen Wert gelegt, sondern speziell auch auf eine nachhaltige Bauweise. So sind die Energieeffizienz (Minergie-P Standard) und ein ressourcenschonendes Bauen wichtige Entscheidungskriterien, damit die Verbrauchs- und Unterhaltskosten während der gesamten Lebensdauer des Gebäudes tief bleiben. Beide Gemeindeversammlungen nehmen am 11. Dezember den Projektierungskredit von je 1.1 Millionen Franken an. [4]

2007 Die Gemeinde Hünenberg benötigt den neuen Schulraum bereits auf Schuljahresbeginn 2009/2010. Die Schulraumplanung Cham weist den Bedarf erst auf den Schuljahresbeginn 2012/2013 aus. Eine Etappierung würde aber zu einem höheren Kosten- und Organisationsaufwand führen. Daher will der Chamer Gemeinderat zeitgleich mit den Hünenbergern bauen. Die Bevölkerung folgt dem Gemeinderat am 11. März an der Urne mit einem Ja-Stimmen-Anteil von 83.83 Prozent deutlich. [5]

Neun Monate später dürfen die Chamer Stimmberechtigten erneut an die Urne. Am 9. Dezember – die Stimmbeteiligung beträgt 53.05 Prozent – wird der Baukredit von 14.3 Millionen Franken mit einem Ja-Anteil von 64.61 Prozent relativ deutlich abgesegnet (die Hünenberger votieren mit 81.7 Prozent Ja-Stimmen noch deutlicher für das neue Schulhaus). Das Bauprogramm sieht u.a. folgende Räume vor: 14 Klassenzimmer, 7 Gruppenräume, eine Aula und eine Doppelturnhalle, Räume für Werken, Textiles Gestalten und Musik, zwei Kindergärten und Räume für Heilpädagogik, Psychomotorik und Logopädie. [6]

2009 Ab dem 19. Oktober lernen rund 230 Kinder vom Kindergarten bis zur 6. Klasse in der neuen Bildungsstätte für das Leben. Das Eichmatt ist ein besonderes Schulhaus. Es besticht durch seine kompakte Form und setzt in Sachen Energieeffizienz neue Massstäbe: Mit einer hoch gedämmten Holzfassade ist das Eichmatt das erste zertifizierte Minergie-P-ECO-Schulhaus der Schweiz. Auf dem Dach wird zudem die damals grösste Solaranlage des Kantons aufgestellt, die Strom für etwa zwölf Haushalte produziert. [7] Am 21. November feiern die Kinder und eine Vielzahl von Gästen aus Politik und Schule die offizielle Eröffnung des Schulhauses.

2012 Bei Minergie-P-Gebäuden ist die Nutzung der Sonnenenergie vorgeschrieben. Die Photovoltaikanlage auf dem Dach des Schulhauses Eichmatt mit einer Fläche von gut 500 Quadratmetern erzeugt im Jahr 2011 total 71’183 kWh Strom. Die Anlage wird von den Wasserwerken Zug (WWZ) unterhalten und betrieben. [8]

2021 Seit 2009 haben über 230 Kinder die acht Jahre vom 1. Kindergarten bis zur 6. Primarklasse im Schulhaus Eichmatt absolviert. Rund 60% der Kinder stammen aus der Gemeinde Cham. Ein Team von rund 40 Lehrerinnen und Lehrern ist für die pädagogische Betreuung zuständig. [9]


Die Eröffnungsfeier vom 21. November 2009

Der Publikumsaufmarsch war riesig und so konnten nicht alle wie vorgesehen am Festakt teilhaben. Der Hünenberger Freddy Trütsch moderierte professionell den Festakt, Regierungsrätin Manuela Weichelt-Picard (*1967) überbrachte die Grüsse des Zuger Regierungsrats, und die beiden Kirchenvertreter Wolfram Kuhlmann und Christian Kelter (*1969) weihten das neue Schulhaus ein. Erfrischend fröhlich tönte das von Stefanie Jakobi-Murer komponierte und von den Eichmatt-Lehrpersonen und -Schülerinnen und -Schülern gesungene Eichmatt-Lied in der grossen Eingangshalle. «We are Family» animierte am Schluss des Festakts zum Hüftschwingen und Mitklatschen. Nachdem mit einem feinen Risotto der Mittagshunger etwas gestillt werden konnte, wurde das Schulhaus, dessen Haustechnik und die Einrichtungen mit grossem Interesse besichtigt.

Allen Teilnehmenden, den Lehrerinnen und Lehrern des Eichmatt-Schulhauses wie auch den Musiklehrpersonen aus Cham und Hünenberg, den (Musik-)Schülerinnen und Schülern, den grossartigen Risotto-Köchen, den ELG-Frauen, dem Hauswart und seinem Mitarbeiter, den beiden für die Festwirtschaft zuständigen Vereinen sowie dem gesamten OK danke ich ganz herzlich für den grossen Einsatz, für das zusätzliche Engagement rund um die Eröffnungsfeierlichkeiten. Es war ein wunderbarer Tag! [10]


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Die Einweihung am 21. November 2009: Im Vordergrund der Chamer Gemeindepräsident Bruno Werder (*1953), links neben ihm Regula Hürlimann (*1956), Gemeindepräsidentin von Hünenberg.


Würdigung

«Die Schulanlage Eichmatt ist eine Kooperation der Gemeinden Cham und Hünenberg, steht auf der Gemeindegrenze und dient Schülern beider Gemeinden. Auf einer Geschossfläche von 8581 Quadratmetern beherbergt sie vier Clustereinheiten mit Klassenzimmern, Gruppen- und Logopädieräumen. Dazu kommen Kindergärten, Musikschule, Aula, Doppelturnhalle, Werkräume, Bibliothek und eine Hauswartwohnung. Nur drei Jahre nach dem Wettbewerb wurde sie als erstes Minergie-P-Schulhaus der Schweiz 2009 bezogen.

Subtil eingepasst in die leichte Hanglage zeigt sich das Gebäude von den oben liegenden Sportplätzen her als zweigeschossiges Gebäude. Unten an der Eichmattstrasse tritt es als dreigeschossige und öffentliche Anlage in Erscheinung. Dem entsprechend werden die Schulräume und die Musikschule über den mehr privaten Schulhof von oben her erschlossen. Unten gelangt man über einen grosszügigen baumbestandenen Vorplatz zu Aula, Doppelturnhalle und Kindergärten.

Pragmatisch und doch stilvoll sind die Materialien gewählt. Aus Beton gegossen sind nicht nur die Übergänge zum Erdreich, sondern auch die inneren Wände und die Decken. Damit können grössere Spannweiten mit wenig Höhe überbrückt, die Schwingungen im Turnhallenboden tief gehalten und gute Schalldämmwerte erzielt werden. Aussergewöhnlich sind die Brettschichtholzstützen aus Lärche, welche die Betondecken entlang der Längsfassaden tragen und innen wie aussen die architektonische Erscheinung prägen. Hoch wärmegedämmte, mit gehobelter Lärchenschalung verkleidete Holzelemente und Holz-Metall-Fenster bilden die Fassade. Die drei Innenhöfe, welche das Resultat eines Kunst-am-Bau-Wettbewerbs mit den Farben Rot, Grün und Blau sind, erleichtern die innere Orientierung im tiefen Gebäude.

Die Schulanlage Eichmatt ist vorbildlich eingepasst in den städtebaulichen Kontext, verbindet die sehr verschiedenen Nutzungen sinnvoll und erreicht Nachhaltigkeit ohne Langeweile.» [11]


Die archäologischen Grabungen

2005 fand ein Grabungstechniker der Kantonsarchäologie Zug an der neu erstellten Eichmattstrasse ein rädchenverziertes Keramikstück aus der römischen Zeit. Damit allfällige Funde nicht zerstört würden, initiierte die Kantonsarchäologie schon im Oktober 2007 eine Rettungsgrabung. Auf beinahe der gesamten, 15'000 m2 umfassenden Fläche stiess man auf Baureste und zahlreiche Funde aus der späten Bronzezeit, aus der Römischen Zeit und aus dem Frühmittelalter.

Aus der römischen Zeit kamen Münzen, Keramik, eine gut erhaltene eiserne Pfeilspitze und ein bronzener Stilus (Schreibgriffel) ans Tageslicht. Am bedeutendsten war aber die Entdeckung einer ganzen Serie von etwa Grubenhäusern beidseits aus dem Frühmittelalter. Von diesen kleinen, etwa 2 bis 3 Meter breiten und 4 bis 6 m langen Gebäuden haben sich die in den Boden eingetiefte Grube sowie Spuren von Holzpfosten erhalten. Diese archäologischen Funde dürften aus dem Frühmittelalter stammen – sind es die Überreste der sehr früh in den Schriftquellen belegten Siedlung «Äniken»? [12]



Der Bau des Schulhauses in Bildern

Der Spatenstich

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Am 24. Januar 2008 kurz vor Mittag sprengen die Gemeinderäte Regula Hürlimann (*1956), Hünenberg, und Beat Schilter (*1964), Cham, für die Schulen von Cham und Hünenberg symbolisch die Gemeindegrenze im Bereich der Eichmatt. Es ist der Startschuss für die Realisierung des Schulhausprojekts Eichmatt. Im Hintergrund steht der stattliche Huebhof auf dem Gebiet der Gemeinde Hünenberg.


Bauentwicklung April 2008 bis September 2009


Das Holzdach wird aufgesetzt, Oktober 2009


Das Schulhaus kurz nach der Einweihung, November 2009


Vorher – nachher

Die beiden Bilder dokumentieren die Veränderung der Fassadenfarbe. Das erste Bild stammt von 2009, kurz nach der Eröffnung, das zweite ist 2022 aufgenommen worden.


Karte

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Einzelnachweise

  1. www.hueplus.ch/themenweg/7 [Stand: 18.02.2019]
  2. Gemeindeinfo, Informationen der Gemeinde Cham 18, 2005
  3. Gemeindeinfo, Informationen der Gemeinde Cham 18, 2005
  4. Gemeindeinfo, Informationen der Gemeinde Cham 24, 2006
  5. Neue Zuger Zeitung, 12.03.2007
  6. Neue Zuger Zeitung, 10.12.2007
  7. www.hueplus.ch/themenweg/7 [Stand: 18.02.2019]
  8. Gemeindeinfo, Informationen der Gemeinde Cham 49, Oktober 2012
  9. www.zg.ch/behoerden/gemeinden/hunenberg/de/schulen/organisation/schulhaus-eichmatt [Stand: 17.01.2022]
  10. Bericht von Rolf Schmid, Rektor der Schulen Hünenberg, www.zg.ch/behoerden/gemeinden/hunenberg/de/verwaltung/bau-und-planung/liegenschaftsverwaltung/bauprojekte/archiv/schulhaus-eichmatt/eroeffnung [Stand: 18.02.2019]
  11. Auszeichnung guter Bauten im Kanton Zug 2006–2015, S. 36–41, hier S. 37
  12. Hochuli, Stefan / Schaeren, Gishan F., Cham/Hünenberg, Eichmatt - Rettungsgrabung, in: Tugium 24, 2008, S. 25