Villiger Hannah (1951–1997)

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Arbeit | Work, 1980 C-print of a polaroid, mounted on aluminium, 100 x 100 cm


Stationen

1951 Hannah Villiger wird am 9. Dezember in Cham als Tochter des Adolf und der Margrith Villiger-Laubacher geboren. Sie besucht die Schulen in Cham und schliesst an der Kantonsschule Zug mit dem Handelsdiplom ab. Anschliessend besucht sie die Kunstgewerbeschule in Luzern.

1974 Erhält Hannah – noch während der Studienzeit – ihr erstes eidgenössisches Kunststipendium, das ihr erlaubt, während zwei Jahren in Rom frei zu arbeiten. Es entstehen grosse skulpturale Werke.

1977 Kehrt sie in die Schweiz zurück, arbeitet als Kellnerin, fotografiert und arbeitet mit Holz und an Plexiglasobjekten. Sie reist länger in die USA.

1980 Erkrankt sie an Tuberkulose. Daraus folgt ein langer Kuraufenthalt in Davos – «Eine satte Zeit, viel Leere» – arbeitet aber intensiv. Kleine Holzobjekte, Polaroidaufnahmen und Skizzenbücher entstehen.

1981 Hannah Villiger zeigt in der Kunsthalle Basel – unter der Leitung von Jean-Christophe Ammann (1939–2015) – zwölf auf Aluminium aufgezogene Polaroidaufnahmen nebeneinander. In den Jahren 1981/82 unternimmt Hannah eine Weltreise mit Susann Wyss: Indonesien, Australien, die Fidschi-Inseln und Hawaii. Anschliessend lebt sie neun Monate in Los Angeles.

1983 Zeigt sie erste vergrösserte Polaroidarbeiten mit dem Titel «Skulptural» und beginnt den eigenen Körper als Hauptmotiv zu nutzen.

1985 Zeigt sie in der Kunsthalle Basel auf Aluminium aufgezogene Polaroidarbeiten ihres Körpers. Alle Werke sind ab jetzt in der Regel 123 x 125 cm gross: «Fotos müssen gross sein, damit ich hineinsteigen kann. Ähnlich wie bei Aufnahmen durchs Objektiv.» Die folgenden Jahre sind durch den Aufenthalt an der Cité Internationale des Arts (CIA) in Paris geprägt. Diverse Ausstellungen u.a. in der Galerie Zabriskie in Paris und New York und in der Kunsthalle Basel, sowie in Marseille, Zürich und Dijon. Sie lernt ihren zukünftigen Mann Joe Kébé kennen.

1991 Am 2. April kommt ihr Sohn Yann Abdulaye zur Welt. Im gleichen Jahr stellt sie im Kunsthaus Zug aus.

1992/1993 Sind grössere Werkgruppen in Ausstellungen in Genua, Wien und Toyama JPN zu sehen.

1994 Vertritt Hannah zusammen mit Pipilotti Rist (*1962) die Schweiz an der Biennale in Sao Paolo. Sie präsentiert am sternförmigen Pavillon der Basler Architekten Herzog & de Meuron sechs Körperblöcke.

1992–1996 Lehrt Hannah Villiger an der Schule für Gestaltung in Basel. «Wenn du unterrichtest ... bekommst du einen vollkommen anderen Blick für Arbeiten. Ein neues Auge öffnet sich ...»

1997 Erkrankt sie erneut. Nach einem mehrwöchigen Aufenthalt in einem Pariser Spital reist sie in die Schweiz und stirbt am 12. August an Herzversagen.


Kunstschaffen

Hannah Villiger war Bildhauerin, ihre Arbeiten Skulpturen und ihr Medium die Fotografie. Anfang der achtziger Jahre begann sie mit der Polaroidkamera den eigenen Körper zu erforschen. Im einsamen, nie abbrechenden Dialog mit sich selber, fotografiert sie sich „so nahe, dass das Pola direkt in den Körper saust“. Die ab Polaroid vergrösserten und auf dünne Aluminiumplatten aufgezogenen Farbfotografien entsprechen ihrer Haut: hochsensibel und verletzlich. Während mehr als fünfzehn Jahren hat sie sich durch eine Kameralinse betrachtet, so die eigene Identität ertastet und diese in einem objektivierenden Medium, der Fotografie, als Skulptur reproduziert. „Ein kleines Spiel zwischen dem Ich und dem mir“, notiert sie am 20. September 1989 in ihrem Arbeitsbuch. Als Hannah Villiger am 12. August 1997 im Alter von nur 45 Jahren stirbt, zählt sie zu den bedeutendsten Schweizer Künstlerinnen ihrer Generation. Mit ihrer Rückbesinnung und Zentrierung auf den eigenen Leib hat sie Pionierarbeit geleistet für die Künstlerinnen der neunziger Jahre, für ein selbstbewusstes Anders-Sehen des Objektes Körper aus weiblicher Sicht.


Wichtigste Museen mit Hannah Villiger’s Werken

Kunsthaus Aarau, Kunstmuseum Basel, Kunstmuseum Luzern, Kunstmuseum St. Gallen, Kunsthaus Zug, MAMCO Genève, Centre Pompidou Paris, MOMA San Francisco


Weblink

Mehr Infos unter: www.hannahvilliger.com


Fotogalerie

Für alle Bilder gilt: © Hannah Villiger Nachlass