Ortsname Cham

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In der Pergamenturkunde aus dem Jahr 858 erscheint erstmals das Wort «Chama». Unterzeichnet ist sie vom ostfränkischen König Ludwig dem Deutschen (um 805–876). Das Original befindet sich im Staatsarchiv Zürich, eine Kopie in der Krypta der Schlosskapelle St. Andreas in Cham.


Cham ist der mit Abstand älteste Ortsname des Kantons Zug. Die ältesten überlieferten, zweisilbigen Formen sind «Chama» (9.–11. Jahrhundert) und «Chamo» (12./13. Jahrhundert). Der Name geht er auf das keltische Wort «*kama« für «Dorf» zurück. [1]

Chronologie

858 In einer vom ostfränkischen König Ludwig dem Deutschen (um 805–876) ausgestellten Urkunde wird ein fränkischer Königshof erwähnt. Ludwig schenkt den Hof dem Zürcher Fraumünsterkloster. Wörtlich heisst es in der lateinischen Urkunde: «curtem nostram, quae vocatur Chama». [2]

877 Nun wird eine «villa Chama» erwähnt. Das mittellateinische Wort «villa» steht für Dorf, Weiler oder (kleine) Stadt. [3]

um 900 In der um das Jahr 900 herum verfassten Legende des hl. Meinrad (gest. 861) von Einsiedeln erscheint eine «villa Chama». Es ist aber in der Forschung umstritten, ob der hl. Meinrad auf der Suche nach einer Einsiedelei wirklich nach Cham am Zugersee gekommen ist. [4]

1036/37 Wiederum findet Cham in einer Urkunde Erwähnung, nämlich: «in loco et in villa, que dicitur Chama». [5]

1260/62 In den Schriftquellen erscheinen immer noch zweisilbige Namensformen, zum Teil noch mit volltonigem Auslaut («Chamo»), aber auch bereits mit reduzierten Auslaut («Chame»). [6]

1276 Erstmals ist die heutige, einsilbige Namensform «Cham» fassbar. [7]

1491 Im 15. Jahrhundert tauchen in Schriftquellen vermehrt Schreibweisen mit mundartlich verdumpftem Stammvokal auf («Chom»). [8] Bei alteingesessenen Chamerinnen und Chamern hält sich das «Chom» bis heute.

Die Sage zur Namensherkunft

Der Zuger Arzt und Lokalhistoriker Franz Karl Stadlin (1777–1829) publiziert 1819 in seiner Zuger Kantonsgeschichte eine ältere volkstümliche Überlieferung zum Namen Cham und verlegt die Entstehung des Namens in vorchristliche Zeiten. Stadlin schreibt: «Cham oder Camus habe ein Held geheissen, der aus Niederlanden hinauf hier zu einer Höhle gekommen – lange vor Christi Geburt – und mit ihren Bewohnern, alten und jungen Bären einen blutigen, aber für ihn siegreichen Kampf bestanden habe, weswegen auch die Stelle Namen und Wappen erhalten.» [9]

Die Herkunft des Namens der deutschen Schwesterstadt

Ein weiteres Cham existiert in Bayern. Dort geht der Name auf den stark mäandrierenden Fluss Cham zurück. Dessen Name lautet um 1075 «chamb», was auf das keltische Wort «cambos» zurückgeführt wird. «Cambos» bedeutet gekrümmt, was wiederum mit der Flussform zusammenhängt. [10]

Einzelnachweise

  1. Die ausführliche sprachwissenschaftliche Erklärung und eine Vielzahl von historischen Belegen bei Dittli, Beat, Zuger Ortsnamen. Lexikon der Siedlungs-, Flur- und Gewässernamen im Kanton Zug. Lokalisierung, Deutung, Geschichten, Zug 2007, Bd. 1, S. 357–359
  2. Urkundenbuch der Stadt und Landschaft Zürich, 13 Bde., Zürich 1888–1957, Bd. 1, Nr. 85, S. 33
  3. Urkundenbuch der Stadt und Landschaft Zürich, 13 Bde., Zürich 1888–1957, Bd. 1, Nr. 131, S. 53
  4. Dittli, Beat, Zuger Ortsnamen. Lexikon der Siedlungs-, Flur- und Gewässernamen im Kanton Zug. Lokalisierung, Deutung, Geschichten, Zug 2007, Bd. 1, S. 359, Anm. 9
  5. Urkundenbuch der Stadt und Landschaft Zürich, 13 Bde., Zürich 1888–1957, Bd. 1, Nr. 231, S. 123
  6. Urkundenbuch der Stadt und Landschaft Zürich, 13 Bde., Zürich 1888–1957, Bd. 3, Nr. 1109, S. 207; Bd. 3, Nr. 1168, S. 260
  7. Sammlung Schweizerischer Rechtsquellen, VIII. Abteilung, Die Rechtsquellen des Kantons Zug, 2 Bde., Aarau 1971–1972, SSRQ 1, Nr. 14, S. 47
  8. Urkundenbuch von Stadt und Amt Zug vom Eintritt in den Bund bis zum Ausgang des Mittelalters 1352–1528, 2 Bde., Zug 1952–1964. UBZG II, Nr. 1561, S. 780f.
  9. Stadlin, Franz Karl, Die Geschichten der Gemeinden Chaam, Risch, Steinhausen u. Walchwyl. Des ersten Theils zweiter Band, Luzern 1819, S. 5f.
  10. Gruber, Eugen et al., Geschichte von Cham, Bd. 1, Cham 1958, S. 87