Landtwing Johann Georg (1664–1734)

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Vorname: Johann Georg
Nachname: Landtwing
Geschlecht: männlich
Geburtsdatum: 8. Mai 1664
Geburtsort: Zug ZG
Todesdatum: 7. September 1734
Todesort: Cham ZG
Beruf: Pfarrer, Geistliche
Religion: römisch-katholisch

Johann Georg Landtwing wird mit 32 Jahren Pfarrer von Cham. Er prägt die Pfarrei fast vier Jahrzehnte massgebend mit. Zahlreiche Schenkungen übergibt den Stadtzuger Kirchen St. Michael und St. Oswald.



Die von Pfarrer Landtwing gestiftete Wappenscheibe mit dem Familienwappen der Landtwing, Inschrift: «Herr Joann Georgius Landtweing Protho. Apost. Praeses der grossen Bruoderschafft des H. Ertz Martyris Sebastiani Sextarius vnd Pfarherr zuo Kham, 1731.»

Stationen

1664 Johann Georg aus dem bedeutenden Stadtzuger Geschlecht Landtwing wird am 8. Mai in Zug als Sohn des Kürschners und Ratsherr Kaspar Landtwing (1604?–1703) und der Marie Klara Hug geboren. [1] Sein Vater Kaspar erreicht ein für die damalige Zeit ausserordentlich hohes Alter und wird daher auch der «hundertjährige Landtwing» genannt. Er sitzt ein halbes Jahrhundert (!), nämlich von 1653 bis an sein Lebensende 1703, im Zuger Stadtrat. [2]

1689 Johann Georg studiert in Freiburg im Breisgau und in Konstanz Theologie. 1689 erhält nach der Priesterweihe eine Anstellung als Kaplan in der Stadt Zug. [3]

1696 Nach dem Tod von Pfarrer Johann Peter Vogt (1644–1696) bewirbt sich neben Johann Georg Landtwing auch Karl Franz Brandenberg (1660–1738) auf die frei gewordene Pfarrstelle in Cham. Auch er wirkt als Kaplan in der Stadt. Gewählt wird am 18. März Landtwing. [4]

Drei Monate später wird Pfarrer Landtwing im Juni nach Konstanz an den Bischofssitz zitiert, weil es im Vorfeld zu seiner Pfarrwahl angeblich zu Trölerei gekommen war. Pfarrer Landtwing kann seine Anstellung in Cham behalten. [5] Die Trölerei – der Ämterkauf und Stimmenfang mit unlauteren Mitteln – war die ganze Frühe Neuzeit hindurch ein völlig normales, wenn auch von der Obrigkeit eigentlich bekämpftes Übel. [6]

1701 Pfarrer Landtwing berichtet dem Zuger Stadtrat, die Chamer Pfrundscheune im Kirchbüel sei baufällig. Damit künftig das darin gelagerte Heu und anderes nicht verfaule, müsse die Scheune neu gebaut werden. Der Stadtzug schickt Säckelmeister Müller zu einem Augenschein. Der Stadtrat ist knausrig: Die Scheune soll nur gemacht werden, falls es nötig sei, und wenn, dann so klein wie möglich. Unnötige Kosten sind zu vermeiden. [7]

1703 Pfarrer Landtwing ist eine wichtige Person. Er wird apostolischer Protonotar [8] und Präses der Sebastiansbruderschaft.

Kurz vor seinem 40. Geburtstag beginnt Pfarrer Landtwing, an die beiden Stadtzuger Kirchen zahlreiche kostbare Paramenten und Kultusgegenstände zu verschenken. So vermacht er der Pfarrkirche St. Michael ein kostbares Messgewand samt Kelchtüchlein und «corporaltaschen» [9] aus weissem und rotem Silbertuch. [10]

1705 Wieder zeigt sich Pfarrer Landtwing grosszügig: Der Kirche St. Oswald schenkt er einen ganz neuen, weissen Ornat aus Damast. [11]

1706 Für den neuen Maria-Hilf-Altar in der Kirche St. Oswald vergabt Landtwing einen vergoldeten Kelch samt Patene. [12]

1722 Ein Streit zwischen Pfarrer Landtwing von Cham und Kaplan Johann Melchior Schell (1671–1752) von St. Wolfgang wird im Zuger Stadtrat verhandelt. Kaplan Schell soll sich beim bischöflichen Visitator beklagt haben, er müsse in der Seelsorge und Kinderlehre und bezüglich des Messweins mehr tun, als es seine Pflicht erfordere. Obwohl sich Pfarrer Landtwing angeblich mit Schell ausgesprochen hatte und dieser ganz zufrieden gewesen sei, habe er sich gleichwohl an Konstanz gewandt. Kaplan Schell erscheint nicht vor dem Rat und entschuldigt seine Abwesenheit damit, dass sich seine Dokumente in Konstanz befänden. Landtwing ist bereit, mit Schell zu verhandeln. Der Stadtrat verfügt, dass die Ratsherren Utiger und Schell mit den beiden Geistlichen einen gütlichen Vergleich suchen sollen. Gelingt dies nicht, sollen die beiden vor dem Rat erscheinen. [13]

1723 Pfarrer Johann Georg Landtwing stiftet der Pfarrkirche St. Michael in Zug einen silbervergoldeten Kelch. Zudem offeriert er dem Zuger Stadtrat 250 Gulden samt 12 Gulden 20 Schilling Zins für ein Jahrzeit. Der Stadtrat nimmt die Stiftung an. Der Kirchmeier soll der Magd einen französischen Taler Trägerlohn geben. [14]

1727 Das Pfrundhaus im Kirchbüel ist baufällig. Pfarrer Landtwing beklagt beim Zuger Stadtrat, bei Regenwetter dringe an verschiedenen Stellen Wasser ein. Auch andere Reparaturen seien nötig. [15]

1731 Karl Hürlimann, genannt Eschmann, beschwert sich vor den Zuger Stadtrat, er habe Streit mit seiner Frau und den Kindern, mit dem Pfarrer von Cham und weiteren Personen. Landvogt Johann Franz Landtwing (1671–1748) tritt im Namen von Pfarrer Landtwing vor den Rat: Hürlimann habe dem Pfarrer in betrunkenem Zustand alle möglichen Spottworte angehängt. Die Verhandlung des Geschäfts wird verschoben und Hürlimann wird ein Aufschub gestattet. Der Untervogt von Cham soll auch vorgeladen werden. Sollte Hürlimann aber betrunken erscheinen, werde ihn der Rat ins Gebet nehmen. [16]

1734 Drei Tage vor seinem Tod kehrt Pfarrer Landtwing noch einmal nach Zug zurück und gibt sämtliche Urkunden der Sebastiansbruderschaft in die städtische Kanzlei. [17] Am 7. September stirbt er in Cham. Die Zuger Gemeindeversammlung bestimmt am 12. September Kaspar Oswald Moos (1694–1754) als Pfarrer von Cham. [18]


Einzelnachweise

  1. Iten, Albert, Tugium Sacrum. Der Weltklerus zugerischer Herkunft und Wirksamkeit bis 1952, Stans 1952, S. 291
  2. Hoppe, Peter, Der Rat der Stadt Zug im 18. Jahrhundert in seiner personellen Zusammensetzung und sozialen Struktur, in: Tugium 11, 1995, S. 97–129, hier S. 99, 104
  3. Iten, Albert, Tugium Sacrum. Der Weltklerus zugerischer Herkunft und Wirksamkeit bis 1952, Stans 1952, S. 291
  4. Bürgerarchiv Zug, A 39.27.4, Gemeindeversammlungsprotokolle der Stadt Zug 1689–1710, fol. 33r
  5. Bürgerarchiv Zug, A 39.26.10, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1696–1699, fol. 3v
  6. Hoppe, Peter, Der Rat der Stadt Zug im 18. Jahrhundert in seiner personellen Zusammensetzung und sozialen Struktur, in: Tugium 11, 1995, S. 97–129, hier S. 101
  7. Bürgerarchiv Zug, A 39.26.11, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1699–1703, fol. 71v
  8. apostolischer Protonotar (lat. protonotarius apostolicus) bezeichnet man Träger eines hochrangigen päpstlichen Ehrentitels sowie mit wichtigen Leitungsaufgaben betraute Priester innerhalb der römischen Kurie
  9. Tasche für das Korporale, ein quadratisches oder rechteckiges Leinentuch als Unterlage für Hostie und Hostienteller in der katholischen Liturgie
  10. Bürgerarchiv Zug, A 39.26.12, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1703–1705, fol. 24r
  11. Bürgerarchiv Zug, A 39.26.12, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1703–1705, fol. 126v
  12. Bürgerarchiv Zug, A 39.26.13, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1706–1709, fol. 29r
  13. Bürgerarchiv Zug, A 39.26.18, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1722–1727, fol. 44v
  14. Bürgerarchiv Zug, A 39.26.18, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1722–1727, fol. 93v [Datierung: Datum und Wochentag stimmen nicht überein]
  15. Bürgerarchiv Zug, A 39.26.19, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1726–1728, S. 133
  16. Bürgerarchiv Zug, A 39.26.21, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1731–1732, fol. 52r
  17. Bürgerarchiv Zug, A 39.26.23, Ratsprotokolle der Stadt Zug 1734, S. 165
  18. Bürgerarchiv Zug, A 39.27.8, Gemeindeversammlungsprotokolle der Stadt Zug 1731–1735, fol. 57v