Ingold Willi (1934–ca. 2015)

Aus Chamapedia
Wechseln zu: Navigation, Suche

Willi Ingold gehört wie Hans Baggenstos zu den Chamer Malern, deren Werke bis heute in einigen Chamer Wohnungen zu finden sind. Ingold, ein Autodidakt, hat von den 50er- bis in die 70er-Jahre, als er Cham verliess, vieles von Alt-Cham auf Bildern festgehalten; Landschaften, Gebäude, Ansichten von Cham. Neben dem Malen faszinierte ihn auch das Schachspiel.

Portrait von Ingold Willi (1934 – ca. 2015)
Portrait von Willi Ingold (1934 – ca. 2015)

Vorname: Willi
Nachname: Ingold
Geschlecht: männlich
Geburtsdatum: 1944
Geburtsort: Cham ZG
Todesdatum: 2015
Todesort: Zuoz GR
Beruf: Maler, Kunstschaffende





Ölbild von Willi Ingold, Blick vom Räbacker in Richtung Dorf und Alpen, 1955
Scheune der Familie Boog im Flachsacher, Ölbild, 1979
Olten, Ölbild, 1968
Willi Ingold verbringt seinen Lebensabend in Zuoz GR

Stationen

1934 Willi Ingold wird in Cham geboren. Seine Eltern führen eine Gärtnerei im Räbacker, an der Weggabelung zwischen dem Fussweg ins Löbernquartier und jenem auf die Schluecht. Willi Ingold wächst zusammen mit seiner Schwester Frieda auf. Die Familie Ingold gehört einer Freikirche an. Die Ingolds leben im katholisch geprägten Cham etwas isoliert. Sie beten jeweils beim Wegkreuz Räbacker.

1944 Willi Ingold entdeckt bereits als Kind seine Leidenschaft für das Malen. Laut Ingolds Angaben wurde er als 10-jähriger Bub von Alois Kaufmann in die Malerei eingeführt. Kaufmann habe ihm die Regeln des Farbaufbaus und der Perspektive beigebracht. [1] Ebenfalls berichtet Ingold, dass er damals sein erstes Werk ausgestellt und ein Jahr später sein erstes Bild verkauft habe. [2] Ingold wird Landschaftsgärtner.

1960–1970 Ingold arbeitet im elterlichen Betrieb. [3] Er ist verheiratet. Zusammen mit seiner Frau und seiner Tochter lebt er in der obersten Wohnung im Elternhaus am Räbacker. Seine Frau liebte das Stricken und andere Handarbeiten, möglicherweise war sie Handarbeitslehrerin. In der Baracke neben dem Haus wohnten spanische Gastarbeiter. [4]

1970–1980 Ingold arbeitet als Herrschaftsgärtner. Wo genau, ist unklar. [5]

1983 Ingold entscheidet sich, das Malen zu seinem Beruf zu machen. [6] Er verlässt mit seiner Familie Cham. Er zieht wohl ins Bündnerland, möglicherweise nach Davos GR. [7] Sein nächstes sicher nachweisbares Domizil ist Losone TI, nahe bei Ascona. [8] Dort lebt er als Kunstmaler. Er ist aber auch immer wieder in der Deutschschweiz unterwegs und malt in verschiedenen Schweizer Städten und Dörfern pittoreske Sujets. Um ein Bild zu malen, benötigt er etwa eine Woche. [9] Nachdem er Cham verlassen hat, besucht er immer wieder seine Mutter und seine Schwester am Räbacker. [10]

1992 Ingold bezieht einen Zweitwohnsitz in Zuoz GR und lebt nun abwechselnd im Engadin und im Tessin. [11] Ab dieser Zeit malt er oft Landschaftsbilder im Engadin, auch bei grösster Kälte. [12]

2002 Ingold malt im Spätsommer und Herbst zuerst in Aarau, dann in Zofingen und schliesslich in Olten. Er sucht in diesen Städten die für ihn lohnenswerten Objekte. Für Zofingen plant er ein bis zwei Monate ein. [13]

2008 Ingold nimmt am Schachturnier «Open Zuoz» teil.

2014 Ingold wird in der Engadiner-Post als Kunde der Spitex porträtiert. Er hat eine längere Krankheit hinter sich und nimmt nun die Dienste der Spitex in Anspruch. [14] Darauf verliert sich seine Spur. Sicher ist, dass Willi Ingold kurze Zeit später verstorben ist. [15]


Würdigung und Charakterisierung

Willi Ingold hat Sujets in Cham gemalt, als sich die Gemeinde sehr schnell entwickelt und verändert. Alte Häuser mussten neuen weichen, unbebautes Land wird überbaut. Er hat diesen Umbruch dokumentiert, indem er die alte Situation festhält, bevor das Neue entsteht. Man erwirbt seine Bilder wohl auch deshalb, weil man eine Erinnerung an das Vergangene haben will. Willi Ingold ist bereits als junger Mann aufgefallen. Er war sehr gross, hatte eine gebeugte Körperhaltung und lange schwarze, sehr buschige Haare. Er fuhr einen uralten VW-Käfer. Kindern ist er wie ein Riese vorgekommen. Man erzählte sich, dass Willi Ingold male. [16]

Nach seiner Chamer Zeit ist Ingold als Maler seiner Linie treu geblieben zu sein. Er hat beliebte Reiseziele im Tessin, Altstädte in der Deutschschweiz, die «heilen» Orte aufgesucht, dort die alten Gebäude gemalt, auch solche, die abgerissen werden sollten. So hat er in Sils 1997 das Hotel Alpenrose kurz vor dem Abriss gemalt, ein verwunschenes Haus, das bei vielen nostalgische Erinnerungen geweckt hat. [17] Ingold hatte ein simples, aber wirkungsvolles Marketingkonzept entwickelt. Er hat meist auf belebten Plätzen mehrere Tage hintereinander an seinen Bildern gearbeitet. Einem Journalisten sagte er: «Ich bin kein Atelier-Maler, ich muss draussen in der Natur sein». [18] Dies ist wohl eine Prägung aus seiner Tätigkeit als Landschaftsgärtner.

Passanten konnten jeden Tag das Entstehen seiner Werke beobachten. Die Leute sind auf ihn zugegangen und er auf sie. Ingold hat an den Orten, wo er gearbeitet hat, auch immer die Restaurants aufgesucht, um Menschen zu treffen. Auf diesem Weg hat er seine Käufer gefunden. Man hat sich einen Ingold gekauft, um ein Stück Ferien mit nach Hause zu nehmen oder das Bild eines besonders schönen Gebäudes in der eigenen Stadt. Ingold scheint recht gut davon gelebt zu haben. Für ein Bild will er im Durchschnitt 2500 Franken eingenommen haben. [19]

Ingold war mit sich und anderen grosszügig, hat sich aber auch gerne einladen lassen. [20] So sagte er gegenüber einem Journalisten: «Ich habe stets gelebt, wie die meisten Künstler, bin ich kein Spartyp. Anker hat über jeden Rappen Buch geführt, das wäre mir zu blöd.» [21]

Ingold hat immer gegenständlich gemalt. Darauf angesprochen meinte er: «Ich lehne das Abstrakte nicht ab, aber wieso soll ich etwas anderes malen, als das, was ich sehe?» [22] Seine Bilder sind sehr realistisch, die Geschichten, die er erzählte, klingen im Gegensatz dazu abenteuerlich und phantastisch. Sie sind zum Teil in mehreren Zeitungsartikeln kolportiert. So soll ein Ölscheich ein Bild mit fünf Pferden gekauft und es von 8000 auf 2500 Franken «hinuntergemärtet» haben. [23] Ingold berichtet auch mehrfach, dass zwei Bundesräte zu seinen Kunden gehört haben. Für Bundesrat Hans Hürlimann(1918–1994) habe er dessen Elternhaus gemalt, Bundesrat Otto Stich (1927–2012) habe von ihm ein Pferdebild erworben. [24]

2005 äusserte er gegenüber einem Journalisten, dass er vor 50 Jahren den «Duttweilerpreis» gewonnen habe [25] Er erzählte auch, dass sein Grossvater, der berühmte Felix Ingold gewesen sei, der die Kirchenfeldbrücke in Bern gebaut habe. [26] Diese Geschichte ist nachweislich falsch. [27] Das gleiche gilt wohl auch für die anderen. Vielleicht waren diese Geschichten ironisch gemeint, vielleicht wollte er sich mit diesen Geschichten aber auch etwas bedeutender machen.

Malen war seine Leidenschaft. Er ist aufgefallen, der grosse Mann mit dem etwas schwerfälligen Gang, der oft einen Leiterwagen mit seinen Malutensilien hinter sich her zog und der auch bei eisigen Temperaturen draussen malte. [28] Er hat die Öffentlichkeit gesucht und gefunden. Es gibt einige Zeitungsartikel über ihn. Und er war nicht nur Maler, sondern auch ein Geschichtenerzähler.

Die folgende kleine Anekdote aus der Schweizerischen Schachzeitung ist wohl typisch für Ingold: «Willi Ingold (74), früher Gartengestalter und Privatgärtner, heute erfolgreicher Kunstmaler in Zuoz und Losone (TI), erlebt oder gerät immer wieder in tolldreiste Situationen. Da war unser Willi doch im Sommer in Biel beim Schachfestival. Wie so häufig hatte er seine Staffelei frühmorgens, also vor der Frühstückszeit aufgebaut – und malte natürlich! Als er einen Hunger verspürte, ging er zum Frühstück, was etwas dauerte. Zurück bei seinem neuen Mal-Opus … war dieses einfach nicht mehr vorhanden: Ja, sogar sein bequemer Stuhl hatte bewegliche Beine bekommen und das Weite gesucht!» [29]

Einige seiner Werke werden im Internet angeboten, eines für einen tiefen fünfstelligen Betrag. Ob sich dieser Wunschpreis auch erzielen lässt, sei dahingestellt.


Dokument

Zeitungsartikel im Zofinger Tablatt über Willi Ingold, 14.09.2002

Currently your browser does not use a PDF plugin. You may however download the PDF file instead.


Einzelnachweise

  1. Aargauer Zeitung, 14.09.2002. Wer Alois Kaufmann war, konnte nicht eruiert werden.
  2. St. Galler Tagblatt, 15.03.2005
  3. Freundliche Auskunft von Hans Renggli, Cham, vom 10.09.2019
  4. Freundliche Auskunft von Barbara Fuchs-Müller, Cham, 18.09.2019
  5. Aargauer Zeitung, 14.09.2002
  6. Zuger Neujahrsblatt 1989, S. 55
  7. Freundliche Auskunft von Barbara Fuchs-Müller, Cham, 18.09.2019
  8. Aargauer Zeitung, 14.09.2002
  9. Aargauer Zeitung, 14.09.2002
  10. Freundliche Auskunft von Barbara Fuchs-Müller, Cham, 18.09.2019
  11. Aargauer Zeitung, 14.09.2002. Freundliche Auskunft von Kurt Büchler, Freund von Willi Ingold, 10.09.2019
  12. Sonntags-Zeitung, 02.11.1997
  13. Aargauer Zeitung, 14.09.2002
  14. Engadiner Post, 19.06.2014
  15. Freundliche Auskunft von Kurt Büchler, Horgen, Freund von Willi Ingold, 10.09.2019
  16. Freundliche Auskunft von Barbara Fuchs-Müller, Cham, 18.09.2019
  17. Blick, 26.11.1997
  18. St. Galler Tagblatt, 15.03.2005
  19. Aargauer Zeitung, 14.09.2002
  20. Freundliche Auskunft von Kurt Büchler, Horgen, Freund von Willi Ingold, 10.09.2019
  21. Aargauer Zeitung, 14.09.2002
  22. Aargauer Zeitung, 14.09.2002
  23. Aargauer Zeitung, 14.09.2002
  24. Aargauer Zeitung, 14.09.2002. Zofinger Tagblatt / MLZ, 20.07.2002
  25. St. Galler Tagblatt, 15.03.2005
  26. Zofinger Tagblatt / MLZ, 20.07.2002
  27. Peter Meyer (Hrsg.): Siedlung und Architektur im Kanton Bern, Illustrierte Berner Enzyklopädie, Bern 1987, S. 135
  28. Freundliche Auskunft von Kurt Büchler, Horgen, Freund von Willi Ingold, 10.09.2019
  29. Schweizerische Schachzeitung 11/12, 2008