Von Segesser Heinrich Viktor (1843–1900)

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Portrait von Von Segesser Heinrich Viktor (1843–1900)
Portrait von Heinrich Viktor von Segesser

Vorname: Heinrich Viktor
Nachname: von Segesser
Geschlecht: männlich
Geburts­datum: 17. August 1843
Geburt­sort: Luzern LU
Todes­datum: 11. Februar 1900
Todes­ort: Cham ZG, Schloss St. Andreas
Beruf: Architekt
Amt: Oberstdivisionär
Religion: römisch-katholisch

Der Architekt und Oberstdivisionär Heinrich Viktor von Segesser zog mit seiner Familie 1894 ins damals baufällige Schloss St. Andreas ein, vielleicht weil er hoffte, in Zug ein grosses Kirchenbauprojekt verwirklichen zu können. Mit dem Mietverhältnis in St. Andreas war die Auflage verbunden, am Schloss Renovationsarbeiten vorzunehmen.



Stationen

1843 Heinrich Viktor von Segesser kommt am 17. August als Sohn von Heinrich, Direktor, und Johanna geb. Sury in Luzern zur Welt. [1] Sein Vater ist Mitbegründer und Verwalter der Dampfschiffgesellschaft des Vierwaldstättersees. [2]

Er besucht die Stadtschulen in Luzern und studiert anschliessend an den höheren Lehranstalten in Luzern und Freiburg. [3]

1862–71 Studium der Architektur und Kunstgeschichte in München, Praktika in München, Besançon, Nancy und Paris. [4]

1871–80 Von Segesser führt zusammen mit Carl v. Balthasar (1841–1889) [5] ein Architekturbüro in Luzern. [6]

1872 Von Segesser heiratet Margaretha Crivelli (1848–1910), Tochter des Bankiers Friedrich Crivelli und der Josephine Meyer v. Schauensee. [7]

1877 Sohn Hans Albrecht wird am 21. Mai in Luzern geboren. Er ist das einzige Kind des Ehepaars. [8]

1880 Heinrich Viktor von Segesser reist in die Ukraine für einen Schlossneubau mit Dependancen für den Grafen Schuwaloff. [9]

1879–88 Von Segesser ist Kommandant des Infanterieregiments 14. [10]

1886 Von Segesser erleidet einen Arbeitsunfall. Er stürzt von einem Baugerüst. [11] In anderen Quellen ist ohne Jahresangabe von einem Sturz im Gebirgsdienst die Rede. [12] Gesichert scheint, dass er sich durch einen Sturz einen Nierenriss zuzog, der ihn fortan einschränkte. [13]

1888–92 Von Seggesser kommandiert die Infanteriebrigade 7. [14]

1892–99 Er kommandiert die Gotthard-Division und wird Ritter der Ehrenlegion. [15]


150350 St.Andreas Stich M.Vogel 1883.jpg

St. Andreas, Schloss, Kapelle, Aquarell von Max Vogel, 1883, 11 Jahre bevor von Segesser dort einzog


1892/93 Die Kirche St. Michael in Zug ist zu klein geworden. Am 29. Mai 1892 beschliesst die Kirchgemeindeversammlung auf der Hofmatte eine neue Kirche zu bauen. Den Projektwettbewerb gewinnt das Karlsruher Architekturbüro Curiel und Moser. [16] Aus Kostengründen stoppt der Kircherat das Projekt und zieht eine Vergrösserung der Kirche St. Oswald in Betracht, da diese zentraler liegt als die Kirche St. Michael. Heinrich Viktor von Segesser wird mit einer Projektierung beauftragt. [17]

1894 Von Segessers Projekt liegt im Frühling vor. Demnach soll das Schiff der Kirche unverändert bleiben, als Erweiterung soll ein Querschiff im gleichen Baustil errichtet werden, was eine Versetzung von Turm und Chor zur Folge hätte. Der bekannte Zürcher Kunsthistoriker Prof. Dr. Johann Rudolf Rahn, Gründerfigur der Denkmalpflege und Kunstforschung in der Schweiz, lehnt diesen Umbau ab. Die Bevölkerung ist gespalten. [18]

Anfang Juli wird der Umbau von St. Oswald abgelehnt. [19]

Nun setzt man wieder auf einen Neubau der Kirche St. Michael. Von Segesser wird auch dafür als Architekt ins Auge gefasst. Sein Projekt erweist sich auf dem zur Verfügung stehenden Platz als nicht realisierbar. Schlussendlich greift man wieder auf das ursprüngliche Projekt von Karl Cölestin Moser zurück. [20]

Nach dem Verkauf ihrer Villa in Luzern [21] zieht die Familie von Segesser als Mieter ins Schloss St. Andreas. [22] Dieser Umzug könnte damit zusammenhängen, dass von Segesser damals noch darauf hofft, die Zuger Kirchenbaupläne umsetzen zu können. Das Schloss St. Andreas gehört damals dem Fideikommiss der Zuger Familie Landtwing. Mit diesem Mietverhältnis ist die Auflage verbunden, am baufälligen Schloss Verbesserungen vorzunehmen. [23]

1898 Bei von Segesser macht sich eine schleichende Krankheit bemerkbar. Er leidet unter Anfällen, die seinen Körper und seinen Geist beeinträchtigen. Mit seiner Willensstärke kann er der Krankheit zeitweise trotzen. [24]

1899 Er muss vom Kommando der Gotthardtruppen zurücktreten. [25]

1900 Am 11. Februar findet auf Schloss St. Andreas eine Rücktrittsfeier im kleinen Kreis statt. Artillerie-Oberst Fritz von Tscharner (1852–1918) dankt von Segesser für seine Dienste. Dieser erhält ein Album mit Bildern der hohen Offiziere der Gotthardtruppen. [26]

Heinrich Viktor von Segesser stirbt nach 19-monatiger Krankheit [27] am 28. November 57-jährig auf Schloss St. Andreas. [28]

1902 Adelheid Page-Schwerzmann erwirbt das Schloss St. Andreas vom Landtwingschen Fideikomiss nach langen Verhandlungen für 190'000 Franken. [29] Es kommt zu einem Rechtsstreit, da die Witwe von Heinrich von Segesser ein vertraglich zugesichertes Wohnrecht bis 1909 geltend macht. Margaretha von Segesser und ihr Sohn klagen gegen das Fideikommiss auf Schadenersatz. [30]

1903 Margaretha von Segesser muss das Schloss St. Andreas verlassen. Die Klage gegen das Fideikommiss ist noch hängig. [31]

1904 Das Bundesgericht spricht im Sommer das letztinstanzliche Urteil. Das Landtwingsche Fideikommiss muss Mutter und Sohn von Segesser 25'000 Franken Schadenersatz bezahlen. [32]

Segessers Instanstellungsarbeiten in St. Andreas

Johann Rudolf Rahn, Kunsthistoriker und Begründer der Denkmalpflege in der Schweiz, attestierte von Segesser und seiner kunstsinnigen Frau bezüglich der Renovierungsarbeiten in St. Andreas: «In ein Kleinod originellster und stilvollster Ausstattung hat Segesser das verwahrloste Schlößchen St. Andreas bei Cham umgewandelt.» [33]


Würdigung

«Segesser war einer der bedeutendsten Architekten des Historismus in der Schweiz.» [34]

«Einen Edlen und Hochgesinnten haben sie am letzten Novembertage zu Grabe getragen, Heinrich Viktor v. Segesser von Brunegg. Sorgen, Enttäuschungen und Kämpfe sind ihm nicht erspart geblieben, aber sein Leben ist auch reich an Erfolgen gewesen, die unentwegter Mut und Standhaftigkeit ihm brachten. Hätte v. Segesser seinem Herzenszuge folgen können, er würde Soldat geworden sein und er hat auch später die Befähigung dazu in hoher und verantwortungsvoller Stellung bewährt. Aber neben diesem Zuge, der ein familiäres Erbteil war, hatten andere Neigungen sich ebenso früh entwickelt, die zum Künstlerstande, zu dem ihn sein idealer Sinn und das angeborene Schönheitsgefühl bestimmten.» [35]


Von Segessers letzte Worte

«Ich bin ja kein Lebensmüder, das Leben hat mir Leiden, aber auch mehr Schönes gebracht, als so vielen Anderen [...] wenn der Feldherr ruft, darf man nicht murren». [36]


Durch von Segesser realisierte Bauten und Renovationen [37]

  • 1869–70: Hotel Gotthard, Luzern
  • 1873–74: Hotel Europe, Luzern
  • 1876: neuromanische Crivelli-Privatkapelle in Luzern
  • 1886: Renovation der Schlachtkapelle Sempach
  • 1886–89: neugotische Schlosskapelle Meggenhorn bei Meggen
  • 1896–98: die sich an frühchristliche und romanische Vorbilder anlehnende Dreifaltigkeitskirche in Bern
  • 1893: Vollendung der Doppelturmfassade der Luzerner Jesuitenkirche.
  • ab 1894: Restaurations- und Instandstellungsarbeiten am Schloss St. Andreas
  • 1898: Restauration der Tellskappelle in Küsnacht (SZ)


Einzelnachweise

  1. Nott Caviezel: "Segesser, Heinrich Viktor von", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 21.11.2011. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/019929/2011-11-21/, [Stand: 17.05.2025]
  2. Bürgerbibliothek Luzern, Kurze Lebens-Notizen zu der Portrait-Gallerie merkwürdiger Luzerner.
  3. Zuger Nachrichten, 01.12.1900
  4. vgl. Anmerkung 1, Nott Caviezel
  5. Der Bund, 30.11.1900
  6. vgl. Anmerkung 1, Nott Caviezel
  7. Neue Zürcher Nachrichten, 18.07.1910
  8. Neue Zürcher Nachrichten, 13.06.1935
  9. https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Viktor_von_Segesser#cite_note-3, [Stand: 18.05.2025]
  10. vgl. Anmerkung 1, Nott Caviezel
  11. Anzeiger für schweizerische Altertumskunde : Neue Folge, 2 (1900-1901), Heft: 4, Nachruf: Heinrich Viktor v. Segesser von Brunegg
  12. https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Viktor_von_Segesser#cite_note-3, [Stand: 18.05.2025]
  13. Allgemeine Schweizer Militärzeitung, Nr. 51 (1900), S. 426–427
  14. vgl. Anmerkung 1, Nott Caviezel
  15. vgl. Anmerkung 1, Nott Caviezel
  16. Hoppe, Peter, Aus der Frühzeit der Denkmalpflege : der Abbruch der Pfarrkirchen St. Michael in Zug und St. Peter und Paul in Oberägeri. In Tugium 4 (1988), S. 44
  17. Zuger Nachrichten, 11.03.1893
  18. Zuger Volksblatt 8. Mai 1894
  19. Zuger Nachrichten, 04.07.1894
  20. Zuger Nachrichten, 30.06 1898
  21. Der Bund, 30.11.1900
  22. Zuger Volksblatt, 13.10.1894
  23. Glauser, Thomas, Der Adlige, der Söldner, die Wohltäterin. St. Andreas und seine Besitzer, in: Zug erkunden. Bildessays und historische Beiträge zu 16 Zuger Schauplätzen, Zug 2002, S. 83
  24. vgl. Anmerkung 11, Anzeiger für schweizerische Altertumskunde
  25. vgl. Anmerkung 11, Anzeiger für schweizerische Altertumskunde
  26. Allgemeine Schweizer Militärzeitung, Nr. 08 (1900), S. 63
  27. Allgemeine Schweizer Militärzeitung, Nr. 51 (1900), S. 426–427
  28. vgl. Anmerkung 11, Anzeiger für schweizerische Altertumskunde
  29. Thurgauer Zeitung, 14.07.1904
  30. Thurgauer Zeitung, 14.07.1904
  31. Thurgauer Zeitung, 14.07.1904
  32. Thurgauer Zeitung, 14.07.1904
  33. Thurgauer Zeitung, 14.07.1904
  34. vgl. Anmerkung 1, Nott Caviezel
  35. vgl. Anmerkung 11, Anzeiger für schweizerische Altertumskunde
  36. vgl. Anmerkung 11, Anzeiger für schweizerische Altertumskunde
  37. vgl. Anmerkung 1, Nott Caviezel