Seeweg, SBB-Passerelle
Von 1918 bis 1989 konnten sich Fussgänger von der Zugerstrasse zum Seeweg über eine Passerelle begeben. Sie wich dem Ausbau der Eisenbahnlinie Cham–Zug zur Doppelspur.
Chronologie
1864 Die Bahnlinie Luzern-Zug-Zürich wird eröffnet und Cham erhält einen Bahnhof. Gleichzeitig trennt die damals einspurige Bahnlinie das Dorf vom See. Allmählich entstehen meist unbewachte Übergänge. [1]
1914 Einer dieser Übergänge befindet sich im Gebiet Städtli bei Kilometer 42,686. Er überquert die Bahnlinie zwischen Seeweg und Zugerstrasse, nahe bei der Liegenschaft Uferau. Dort befahren die Züge die Strecke inzwischen mit einer Geschwindigkeit bis zu 75 Stundenkilometer. Arnold Bertschinger (1856–1923), Präsident der Kreisdirektion III in Zürich, mahnt in einem Brief vom 23. April: Beim unbewachten Fusswegübergang könnten sich leicht Unfälle ereignen. Es sollten also Massnahmen für die Sicherheit der Passanten getroffen werden, und zwar müsse der Übergang entweder eine Bewachung erhalten oder dann durch eine schienenfreie Bahnkreuzung ersetzt werden. [2]
Die Anstellung «einer besonderen Wärterin» verwerfen die SBB. Dagegen schlagen sie vor, im Zusammenhang mit dem geplanten Projekt für das Doppelgeleise Sumpfweiche-Cham «als rationellere Lösung den Ersatz des Überganges durch eine eiserne Passerelle» vorzusehen. Die Erstellung eines Durchgangs sei an dieser Stelle wegen der ungünstigen Bodenbeschaffenheit und wegen des Grundwassers nicht zu empfehlen. Die Kosten werden auf 45’000 Franken berechnet. Das Baudepartement der Generaldirektion ist damit einverstanden und stellt das Geld ins Budget 1915 ein. Dann beginnt der Erste Weltkrieg und das Projekt wird vorläufig sistiert. [3]
Kinder spazieren auf dem Andreasweg, im Hintergrund die Passerelle, 1928
1916
Die Verzögerung hat einen positiven Effekt, denn in Schlieren ZH wird eine Passerelle frei. Am 16. Januar 1916 erstellt das Baudepartement des Kreis III einen «Voranschlag für die Versetzung der Passerelle von der Gasometerstrasse in Schlieren nach Kilometer 42,672 bei Cham und der Verschiebung der Sumpfweiche von Kilometer 42,332 nach Kilometer 42,414» und beantragt die Aufnahme der dafür nötigen 40’500 Franken in das Baubudget 1917. [4]
1917 Doch die Gemeinde Cham und die Zuger Regierung stellen sich dagegen. In der Vernehmlassung des Zuger Regierungsrates an das Post- und Eisenbahndepartement (PED) vom 16. Februar 1917 heisst es: «Der Regierungsrat hat sich nach Einsichtnahme der betreffenden Vorlage und der Vernehmlassung des Einwohnerrates von Cham dahin schlüssig gemacht, es sei (…) an Stelle der projektierten Passerelle – weil in ästhetischer Hinsicht sehr unschön – die Erstellung einer Unterführung für den Personenverkehr zu verlangen. Mit Rücksicht auf den Seespiegel soll die lichte Höhe der Unterführung mindestens 1,8 Meter betragen.» Der unterzeichnete Landammann Josef Hildebrand (1855–1935) stammt aus Cham. [5]
Am 17. September 1917 entscheidet das Post- und Eisenbahndepartement: Die Passerelle wird gebaut. [6]
Flugaufnahme aus dem Jahre 1979, auf welcher die Passerelle in der Mitte des Fotos zu erkennen ist; im Vordergrund die damaligen Schrebergärten beim Strandbad, dahinter das noch unbebaute Gebiet Eichmatt, 21.05.1979
1918
Die ausgediente Passerelle von Schlieren wird in Cham aufgebaut. Später dient sie den Menschen aus dem Städtli-Quartier als direkter Zugang zu dem 1943 erbauten Strandbad Cham. [7]
1987 Die Bahnlinie Zug-Cham wird auf Doppelspur ausgebaut. Der Verwaltungsrat der SBB spricht dafür 47 Millionen Franken. [8]
Die Eisenbahnlinie wird auf zwei Spuren ausgebaut, bald wird die Passerelle demontiert, 15.05.1989
1988
Anfang der 80er Jahre verlangt eine Motion, das bestehende Fusswegnetz im Bereich Sumpfbach / Alpenblick sei mit einer Bahnunterführung zu ergänzen. Die Gemeindeversammlung vom 27. Juni 1988 bewilligt dafür einen Bruttobaukredit von 900'000 Franken. Bereits Ende 1988 wird die neue Unterführung in Betrieb genommen. [9] Damit wird die Passerelle aus dem Jahr 1918 überflüssig. Auch führt das zweite Gleis zu nahe an der Passerelle vorbei.
1989 Während des Doppelspurausbaus wird die Passerelle im Frühjahr demontiert. [10]
Die neue Unterführung zwischen Seeweg und Zugerstrasse im Bau, im Hintergrund die Passerelle, 06.03.1989
Noch 1992 war die Passerelle im Grundbuch eingetragen
Standort
Siegfriedkarte von 1925
Ausschnitt aus der Siegfried-Karte von 1925, auf welcher die Passerelle aufgeführt ist
Aktueller Kartenausschnitt
Einzelnachweise
- ↑ «Cham steht in Bäch im Kanton Schwyz», Martin Stuber, Zug; Zuger Zeitung, 18.03.2025
- ↑ vgl. Anmerkung 1
- ↑ vgl. Anmerkung 1
- ↑ vgl. Anmerkung 1
- ↑ vgl. Anmerkung 1
- ↑ vgl. Anmerkung 1
- ↑ www.uferau.ch, aufgerufen am 01.01.2026
- ↑ Zuger Kalender 1988, Chronik 10.04.1987
- ↑ https://www.cham.ch/geschichte/7719, aufgerufen am 01.01.2026
- ↑ Freundliche Mitteilung von Thomas Gretener, Cham, 01.01.2026