Hürlimann Josef (1927–2018)

Aus Chamapedia

Portrait von Hürlimann Josef (1927–2018)
Portrait von Hürlimann Josef (1927–2018)

Vorname: Josef
Nachname: Hürlimann
Geschlecht: männlich
Abweichende Namensform: Seppi
Geburts­datum: 3. August 1927
Todes­datum: 22. Februar 2018
Todes­ort: Oberwil bei Zug ZG
Beruf: landwirtschaftlicher Angestellter
Religion: römisch-katholisch

Josef Hürlimann wuchs im Kinderheim Hagendorn auf. Er arbeitete später zeit seines Lebens als landwirtschaftlicher Angestellter und später als Hilfsgärtner. Er bedachte das Heilpädagogische Zentrum in Hagendorn mit einem grossen Legat.



Stationen

1927 Josef Hürlimann wird am 3. August geboren. [1] Er ist der Sohn von Josef Hürlimann (1896–1972) [2] und Maria Verena Hürlimann (1898–1989) [3]. Sein Vater ist Landarbeiter. Die Familie lebt in Finstersee. Seppi ist das vierte von elf Kindern. Sein ältester Bruder, der auch Josef hiess, ist wenige Monate vor seiner Geburt gestorben. Auch zwei weitere Brüder, Karl und Kaspar, sterben vor bzw. kurz nach ihrem ersten Geburtstag. [4]

Um 1930 Da die Familie wohl in prekären finanziellen Verhältnissen lebt, wächst Josef wegen der damals üblichen Fremdplatzierungen zusammen mit drei Schwestern ab dem Vorschulalter im Kinderheim Hagendorn auf. Dort wird er von Menzinger Lehrschwestern erzogen. Vier jüngere Geschwister wachsen bei den Eltern auf. [5]

Im Kinderheim gefällt es ihm. Er erinnert sich später gerne an die lieben Schwestern (Klosterfrauen) zurück, welche ihm das Gefühl von Daheimsein und Akzeptiertwerden vermittelten. [6] Seppi wird im Lauf der Jahre zum geschickten und geschätzten Küchengehilfen. Dass er deshalb hin und wieder einen Essenzustupf bekommt, weckt den Neid seiner Kollegen, die ihn deshalb immer wieder plagen. [7]

Um 1941 Nachdem er 14-jährig geworden ist, muss Josef Hürlimann seine erste Stelle antreten. Er kommt zu einem Bauern, der sehr streng mit ihm ist. In dieser Zeit erblindet er auf dem linken Auge, weil er keine Erlaubnis erhält, rechtzeitig einen Arzt aufzusuchen. [8]

bis in die 1970er–Jahre Josef Hürlimann arbeitet auf verschiedenen Bauernhöfen und wohnt bei seinen Arbeitgebern in Allenwinden, Baar, Steinhausen, Cham und bei der Korporation Baar. Die Stelle bei German Hausheer im Städtli Cham ist seine liebste. Er arbeitet auch kurze Zeit bei Karl Boog. [9]

Wohl späte 1970er–Jahre Hürlimann lebt einige Jahre in einem Zimmer im Restaurant Krone. [10]

Um ca. 1982 Josef Hürlimann kann an der Mugerenstrasse 5 eine möblierte Wohnung der Gemeinnützigen Baugenossenschaft Cham beziehen. [11] Damit hat er zum ersten Mal in seinem Leben eine eigene Wohnung. Er lebt über 30 Jahre in der Mugeren.

Josef Hürlimann arbeitet während neun Jahren als Hilfsgärtner im Schloss St. Andreas. Dank dieser Anstellung bekommt er später eine Rente. [12]

Seine letzte Arbeitsstelle findet er in der Internatsschule Walterswil bei Baar, die früher wie Hagendorn ein Kinderheim war. Hier pflegt er die Umgebung. Schwester Anselma vom Kloster Heiligkreuz ist für ihn eine wichtige Bezugsperson. [13]

1992 Josef Hürlimann erreicht das Pensionsalter.


1510 Josef Hürlimann 2013.png

Seppi Hürlimann 2013, als er im Geschäftsbericht der Gemeinnützigen Baugenossenschat Cham porträtiert wird


2015 Als die Häuser der Baugenossenschaft renoviert werden, zieht Josef Hürlimann ins Altersheim Büel und lebt sich dort schnell und gut ein. In dieser Zeit machen sich allmählich Zeichen von Verwirrung und Vergesslichkeit bemerkbar. [14]

2018 Kurz vor seinem Tod steckt sich Josef Hürlimann mit dem Norovirus an. Zur Erholung wird er in die Zugerseeklinik in Oberwil gebracht. Am 22. Februar stirbt Josef Hürlimann dort. [15]


1510 Todesanzeige für Josef Hürlimann.jpg

Todesanzeige für Seppi Hürlimann


Nach seinem Tod Das Heilpädagogische Zentrum Hagendorn erhält aus dem Nachlass von Seppi Hürlimann ein sehr namhaftes Legat. Mit einem Teil des Geldes wird der «Sensorische Garten» erweitert, der auch öffentlich zugänglich ist. Ihm zu Ehren erhält der Steg in diesem Garten den Namen «Seppi Hürlimann Steg». [16]


Erinnerungen an Seppi Hürlimann

Sein Temperament: «Das Geplagtwerden durch freche Kollegen machte ihn traurig. Auch als Erwachsener reagierte er empfindlich, wenn man ihn nicht beachtete oder zu wenig rühmte. Er beklagte sich darüber, und es geschah, dass sein cholerisches Temperament ihn zu empörtem Ausrufen verleitete.» [17]

Seine guten weiblichen Geister: «Gute weibliche Geister waren in verschiedensten Belangen um sein Wohl besorgt. Seppi dankte es mit Anerkennung und gelegentlichem Engagement in unseren Gärten.» [18]

Sein Talent zum Gärtnern: «Als letzte Arbeitgeberin schätzte er in Walterswil die Heiligkreuzschwester M. Anselma. Sie war voll des Lobes für die Blumenpracht in der Umgebung der Kapelle. Auch der Gemüsegarten habe bald rentiert.» [19]
«Für Seppi war es Ehrensache, oben in der St. Verena in Zug für Frau Arnold, die ihn während einiger Jahre betreut hatte, den Kartoffelacker zu bearbeiten.» [20]
«In unzähligen Gärten leistete Josef Entwicklungsarbeit: Er brachte Blumenpflänzchen, Sträucher oder Feigenbäume aus dem Wald oder Schlosspark, er schnitt die Obstbäume. Später legte er für sich einige Beete an und verschenkte grosszügig die Ernte. Als Revanche winkte ihm hin und wieder eine sogenannte Gärtnerreise, was er sehr schätzte und jeweils mit einem schriftlichen Bericht quittierte.» [21]

Seine Sammelleidenschaft: «Ein Hobby von Seppi war das Sammeln. Nach der Kartoffelernte las er die liegen gebliebenen Knollen auf und schleppte sie zu seinen Bekannten. Im Städtlerwald suchte er passende Äste zum Schnitzen von Wanderstöcken. Steine, Tannzapfen und Nüsse trug er auch in sein Zimmer im Büel. Er ärgerte sich ob der vielen Dinge, die die Menschen liegen liessen. Er dachte, eine Säge, eine Baumschere oder ein Häckeli könne er sicher noch verwenden.» [22]
«Eine ganz spezielle Fähigkeit und seine nie versiegende Geduld und Ausdauer verhalfen ihm nach dem Orkan «Lothar» zu Medienpräsenz: Im Städtlerwald erstellte er sehr gekonnt Holzbürdeli. Millimetergenau verarbeitete er unzählige Ster Holz aus vom „Lothar“ gefällten Tannen zu wahren Kunstwerken. Die wunderschönen Holzbeigen waren legendär, weit herum bekannt und vermochten viele Besucherinnen und Besucher zu erfreuen.» [23]

Seine Freunde am Wandern: «In der Freizeit liebte es Seppi, kilometerweit zu laufen. Bis vor sechs Jahren pflegte er, nach Baar ins «Baarbrüggli» zu wandern, um dort bei einer ganz netten Servierfrau sein Mittagessen einzunehmen. Da Josef gelegentlich auch als Taglöhner im «Underen Chreis» gearbeitet hatte, freute er sich, nach Jahren zu ehemaligen Werkplätzen zu wandern, um festzustellen, ob nach ihm wohl jemand ebenso gute Arbeit geleistet hatte. Er war gerne Gast in der «Sunne».» [24]
«Seppi war immer unterwegs mit seinem Zugerpass und kannte den Fussweg von Baar nach Cham oder die umliegenden Flur- und Wanderwege auswendig. Zum Ausruhen setzte er sich täglich aufs Bänkli vor der Busstation im Bahnhof Cham oder auf die Bank im Neudorfcenter vor der Post. Dort herrschte ein Kommen und Gehen, Seppi wurde erkannt, gegrüsst und manch Einer erfreute sich am etwas kauzigen Dorforiginal und wechselte ein paar Worte mit ihm.» [25]

Seine Freude am Singen: «Josef verfügte bis zuletzt über ein beachtliches Repertoire an Liedtexten, die er gern in gemütlichen Stunden zum Besten gab. Dies tat er auch wenige Tage vor seinem Tod, als er sich von der Norovirus-Erkrankung in der Zugerseeklinik in Oberwil erholte.» [26]

Einer seiner Lieblingsorte: «Hin und wieder bekam er Heimweh nach Luzia: Bei ihr [im Café Luzia] war er verwöhnter Langzeitgast.» [27]

Seine Beziehung zur Baugenossenschaft: «Fast täglich schaute er auf der Geschäftsstelle zum Fenster herein und verwöhnte uns Mitarbeiterinnen mit selbstgesammelten Nüssen, einem Apfel oder mit einem fröhlichen «Guete Tag».» [28]

Seppi Hürlimanns Lehrsatz: «Den Lehrsatz aus frühester Jugend hat Josef getreulich befolgt: Spare, wenn du jung bist, dann hast im Alter genug zum Leben.» [29]


Seine Reisen

Südfrankreich: Über die Reise zu Bruder Ignaz Bucher, der den Landwirtschaftsbetrieb eines Klosters leitete, schrieb er Folgendes: «Die acht Stunden weite Reise nach Marseille in Südfrankreich war kurzweilig. Es war sehr heiss und sehr trocken. Weite Gebiete sind wegen Waldbränden zu einer Wüste geworden. Eine so grosse Reise war für mich sehr schwer gewesen. Auf dem Klosterhof konnten wir unter Olivenbäumen spazieren gehen und sitzen auf einem abgesägten Holzstock. Da singe ich einige Schweizer Liedli.» [30]

Toskana: «Viel Zeit verbrachte er auf einer Liegenschaft in der Toskana, wo er bei Arbeiten auf einem Landgut, den dazugehörenden Reben und rund ums Haus gute Arbeit leistete. Ein selbstgeschnitzter Wanderstock, welchen er mit Stolz präsentierte, erinnerte ihn an diese Zeit zurück.» [31]


Erinnerungsort an Seppi Hürlimann im «Sensorischen Garten» im HZ Hagendorn

Seppi Hürlimann war bis an sein Lebensende sehr dankbar, dass er als Kind im HZH aufgenommen worden war, und dort eine gute Jugendzeit verbringen durfte. Deshalb wollte er nach seinem Ableben den Kindern am HZH Gutes tun und der Institution «Kinderheim Hagendorn» etwas zurückgeben. Er wusste, dass Spenden am HZH zum Ziel haben, Kindern direkt etwas zukommen zu lassen, das nicht selbstverständlich ist. Sein grosses Legat an das HZH floss unter anderem in die Erweiterung des 2006 [32] eröffneten «Sensorischen Gartens», der speziell für Kinder mit geistigen und/oder mehrfachen Behinderungen entwickelt worden ist. Ihm zu Ehren wurde dort der «Seppi Hürlimann Steg» errichtet, auf dem sein Name und sein Porträt angebracht wurden. [33]



Einzelnachweise

  1. Zuger Zeitung, 11.05.2018
  2. https://www.portraitarchiv.ch/portrait/show/130591#relation, [11.11.2025]
  3. https://www.portraitarchiv.ch/portrait/show/130599#relation, [11.11.2025]
  4. freundliche Mitteilung von Urspeter Schelbert, Historiker, Walchwil, 10.11.2025
  5. Zuger Zeitung, 11.05.2018
  6. Gemeinnützige Baugenossenschaft Cham, Geschäftsbericht 2013, S. 10
  7. Zuger Zeitung, 11.05.2018
  8. Zuger Zeitung, 11.05.2018
  9. Zuger Zeitung, 11.05.2018
  10. Zuger Zeitung, 11.05.2018; freundliche Mitteilung von Vreni Sidler, Cham, 08.09.2025
  11. Zuger Zeitung, 11.05.2018
  12. Zuger Zeitung, 11.05.2018
  13. Zuger Zeitung, 11.05.2018
  14. Zuger Zeitung, 11.05.2018
  15. Zuger Zeitung, 11.05.2018
  16. Freundliche Mitteilung von Monika Bühler, Cham, Mitglied der Geschäftsleitung des HZ Hagenorn, 03.11.2025
  17. Zuger Zeitung, 11.05.2018, aus dem Nachruf, verfasst von Bianca Noser-Hürlimann
  18. Zuger Zeitung, 11.05.2018, aus dem Nachruf, verfasst von Bianca Noser–Hürlimann
  19. Zuger Zeitung, 11.05.2018, aus dem Nachruf, verfasst von Bianca Noser–Hürlimann
  20. Zuger Zeitung, 11.05.2018, aus dem Nachruf, verfasst von Bianca Noser–Hürlimann
  21. Zuger Zeitung, 11.05.2018, aus dem Nachruf, verfasst von Bianca Noser-Hürlimann
  22. Zuger Zeitung, 11.05.2018, aus dem Nachruf, verfasst von Bianca Noser–Hürlimann
  23. Gemeinnützige Baugenossenschaft Cham, Geschäftsbericht 2013, S. 10
  24. Zuger Zeitung, 11.05.2018, aus dem Nachruf, verfasst von Bianca Noser-Hürlimann
  25. Gemeinnützige Baugenossenschaft Cham, Geschäftsbericht 2013, S. 10
  26. Zuger Zeitung, 11.05.2018, aus dem Nachruf, verfasst von Bianca Noser-Hürlimann
  27. Zuger Zeitung, 11.05.2018, aus dem Nachruf, verfasst von Bianca Noser-Hürlimann
  28. Gemeinnützige Baugenossenschaft Cham, Geschäftsbericht 2013, S. 10
  29. Zuger Zeitung, 11.05.2018, aus dem Nachruf, verfasst von Bianca Noser-Hürlimann
  30. Zuger Zeitung, 11.05.2018, aus dem Nachruf, verfasst von Bianca Noser–Hürlimann
  31. Gemeinnützige Baugenossenschaft Cham, Geschäftsbericht 2013, S. 10
  32. https://hzhagendorn.ch/ueber-uns/geschichte/, [09.11.2025]
  33. freundliche Mitteilung von Monika Bühler, Cham, Mitglied der Geschäftsleitung des HZ Hagenorn, 03.11.2025