Hübscher Innozenz (1876–1933)
Innozenz Hübscher wuchs in der «Plegi» auf. Er wurde Kapuzinerpater und war als Prediger und Leiter von Volkmissionen schweizweit bekannt. Ein Nervenleiden machte ihm zeit seines Lebens zu schaffen.
Stationen
1876 Meinrad Hübscher wird am 20. Januar auf dem Plegihof in Cham als Sohn von Alois Hübscher und Barbara Bucher von Adiswil geboren. [1] Sein Grossvater Heinrich Hübscher-Winiger hatte den Hof Plegi 1862 von Michael Werder erworben, worauf die Familie seines Sohnes Alois von Gunzwil (LU) nach Cham übersiedelte. Meinrad hat zehn Geschwister. Fünf davon treten später wie er in den geistlichen Stand. [2] Maria Katharina (*1863) und Barbara Katharina (*1866) treten ins Kloster Maria-Rickenbach ein, Anton, Klostername: Pater Leo (1861–1907) als Mönch in Engelberg und Missionar in der USA, Johann, Klostername: Bruder Niklaus, (1868–1904) tritt wie Meinrad in den Kapuzinerorden ein. [3]
1880er und frühe 1890er-Jahre Meinrad Hübscher besucht die Primar- und Sekundarschule in Cham. [4]
1889–1895 Hübscher besucht sechs Jahre das Kollegium in Stans. In dieser Zeit zeigt sich eine «Nervenschwäche», so dass er das Studium zeitweise unterbrechen muss.
1895 Meinrad Hübscher tritt am 6. September ins Noviziat der Kapuziner im Kloster Wesemlin in Luzern ein. Sein Weg zum Kapuzinerpater führt ihn in vier Klöster. Er erhält eine fundierte Ausbildung in Theologie und Philosophie. [5]
1896 Meinrad Hübscher legt die Profess ab, er bekommt den Klosternamen «Frater Innozenz». [6]
1900 Innozenz Hübscher wird am 2. Juli durch Bischof Leonhard Haas zum Priester geweiht, [7] am 26. Juli feiert Innozenz Hübscher aus der Plegi in der Kapuzinerkirche in Zug seine Primiz [8]
nach 1900 Als junger Pater wirkt er in Näfels und Wil. Dort zeigt sich sein besonderes Talent als Prediger. [9]
Pater Innozenz Hübscher wird in der Folge an verschiedene Posten berufen, so nach Altdorf, Baar, Solothurn, Wil, Olten, Stans, Zug und Appenzell. Die Volksmission wird zu seiner Kernaufgabe. [10]
Seine Tätigkeit wird durch immer wieder auftretende Nervenleiden eingeschränkt. [11]
1910, 1928, 1932 Hübscher leitet Volksmissionen in den Urner Pfarreien, Silenen, Gurtnellen–Wyler und Bürglen. [12]
Inserat zur Volksmission von Innozenz Hübscher, 1926
1926–1929
Hübscher lebt im Kapuzinerkloster Stans und ist Prediger in Stans. [13]
um 1930 Hübscher wechselt ins Kapuzinerkloster in Appenzell. [14]
1933 Am 24. Dezember erkrankt er, als er eine Sonntagsaushilfe macht. Darauf wird im Notkerianum in St. Gallen eine Blinddarmoperation durchgeführt, [15] die er gut übersteht. Sein geschwächtes Herz ist den Strapazen der Operation jedoch nicht gewachsen. Innozenz Hübscher stirbt am 29. Dezember kurz vor seinem 58. Geburtstag an einem Herzversagen. Er wird auf dem Friedhof des Kapuzinerklosters Appenzell beigesetzt. [16]
Würdigung
«In vier Klöstern tauchte er seinen Geist in die Tiefen der Philosophie und Theologie. Dort legte er das Fundament zu seinem klaren Denken, wie überhaupt Klarheit und Geradheit sein Wesen markierten. [...] Bald zeigten sich seine besondern Anlagen fürs Predigeramt, weshalb ihn die Obern an verschiedene Vertrauensposten beriefen. [...] In der Vollkraft muß er ein ganz hervorragender Prediger gewesen sein. Mit aller Liebe gab er sich diesem Amte hin, mit vorbildlicher Gewissenhaftigkeit, mit peinlicher Vorbereitung. Er wußte bis aufs letzte Wort, was er zu sagen hatte. Mochte vielleicht auch einmal ein plötzliches Ereignis einer kräftigen Improvisation rufen, so war er doch durchwegs der ernste, zielbewußte klare Mann auf der Kanzel. Phrasen, Floskeln und dergleichen konnten es ihm nicht. Die Idee galt ihm alles, und da er sie reichlich überlegte, kam sie um so ernster, wuchtiger aus seinem Munde.
Die Volksmission war das eigentliche Gebiet des Verstorbenen. [...] Da war er bewandert wie kaum ein zweiter; sein Name hatte Klang über die Grenzen der Schweiz. In allen diesbezüglichen Fragen war er stets auf dem laufenden. Mit Bienenfleiß studierte er immer wieder die neuesten Versuche und Methoden. Kein Wunder, daß ihn die Obern mit dem Amte betrauten, junge Volksmissionäre auszubilden. Und die Jungen haben ihn geliebt; sie schätzten in ihm das Vorbild. Mit Rat und Tat stand er ihnen bei. [...] Wo man für geistigen Gehalt Interesse aufbringt, hinterließen seine Worte tiefe Furchen, besonders bei der mehr Verstandesmäßig eingestellten Männerwelt. Sein klarer Blick für die neuesten Bedürfnisse der Pastoration verblüffte geradezu. Wie oft kamen Weltpriester seinen Rat holen in größten Schwierigkeiten! Trotzdem P. Innozenz verschiedene, immer etwa wiederkehrende Nervenleiden durchzumachen hatte, ließ ihn die alles überbrückende und bezwingende Energie nie rasten. Für kranke Mitbrüder hatte er viel Verständnis und selbst eine pflegende Hand. Das zeigte so echt die Tiefen seiner Seele, nach außen vielleicht etwa des harten Schale vergleichbar, nach innen ein Mann voll Herzensgüte und Selbsterziehung. Seine Arbeitsfreude machte ihn auch zum Schriftsteller. Mehrere Gebetbücher entstanden in seiner Zelle, ferner prächtige Beiträge in der bekannten homiletischen Zeitschrift ‹Prediget und Katachet›, ebenso im Franziskanerkalender und anderswo. Am liebsten war er wohl auf seinem letzten Posten in Appenzell. [...]
Für die Provinz der Schweizer Kapuziner ist der Todesfall ein harter Schlag, besonders für die großen Aufgaben der Volksmission. Sie verliert in ihm einen hervorragenden Mann. Gott hat ihn fast plötzlich vom Weinberg ernster, treuer Sorge um die Seelen abberufen. P. Innozenz hat für Gott gelebt, für ihn sein Schwert tapfer geführt, für ihn Hitze und Kälte ertragen, für ihn gerungen auf den vielen Volksmissionen, im heißen Kampfe wider die Verheerungen der Sünde in den Menschenherzen. Gott möge sein überaus großer Lohn sein.» [17]
Publikationen
- Die heilige Volksmission: ein Führer durch die Missionstage für das katholische Volk, Hübscher Innozenz 1876-1933, Einsiedeln Eberle & Rickenbach 1922
- Preise Maria!: Marianischer Lebensgefährte, (Gebetbuch), Hübscher Innozenz, Ingenbohl: Päpstl. Theosius-Buchdruckerei «Paradies» 1926
- Heilig Kreuz im Entlebuch: Wallfahrtsbuch, Hübscher, Innozenz 1876-1933, Hochdorf Gander 1927
- Rituale für die hl. Volksmission, liturgische Anleitung zur Feier des Gottesdienstes, Hübscher Innozenz 1876-1933, Luzern St. Fidelis-Buchdruckerei 1928
- Der Kapuziner bei der Volksmission, Richtlinien über seine Pflichten, Hübscher Innozenz 1876-1933, Luzern, St. Fidelis-Buchdruckerei 1931
Einzelnachweise
- ↑ Albert Iten, Tugium Sacrum II, Zug 1973, S. 34, 119
- ↑ vgl. Anmerkung 1
- ↑ Albert Iten, Tugium Sacrum II, Zug 1973, S. 34
- ↑ Neue Zürcher Nachrichten, 03.01.1934
- ↑ Neue Zürcher Nachrichten, 03.01.1934; Schweizerische Kirchenzeitung : Fachzeitschrift für Theologie und Seelsorge, Band 102 (1934), S. 4
- ↑ Albert Iten, Tugium Sacrum II, Zug 1973, S. 119
- ↑ Schweizerische Kirchenzeitung : Fachzeitschrift für Theologie und Seelsorge, Band 102 (1934), S. 4
- ↑ Zuger Nachrichten, 21.07.1900
- ↑ Neue Zürcher Nachrichten, 03.01.1934
- ↑ Neue Zürcher Nachrichten, 03.01.1934
- ↑ Neue Zürcher Nachrichten, 03.01.1934
- ↑ Historisches Neujahrsblatt / Historischer Verein Uri, Herausgeber: Historischer Verein Uri, Band: 72 (1981)
- ↑ Nidwaldner Volksblatt, 17.01.1934
- ↑ Neue Zürcher Nachrichten, 03.01.1934
- ↑ Oberegger Anzeiger, 29.12.1933
- ↑ Neue Zürcher Nachrichten, 03.01.1934
- ↑ Neue Zürcher Nachrichten, 03.01.1934