Gaus Josef (1915–2001)
Dr. med. Josef Gaus war ab den 1950er-Jahren während gut dreissig Jahren einer der Chamer Dorfärzte. Er war sehr musik- und kunstaffin und spendete eine der Skulpturen im Villettepark.
Stationen
1915 Josef Gaus wird am 20. September in Appenzell geboren. Er ist deutscher Staatsbürger, der einzige Sohn des Württembergers Josef Gaus und der Appenzellerin Emma Kast. Sein Vater führt in Appenzell eine Bürstenfabrikation mit drei bis vier Arbeitern, seine Mutter ein Schuh- und Modegeschäft. [1]
Josef Gaus erlebt eine frohe Jugendzeit, doch fehlen ihm Geschwister. Er findet Anschluss bei den Kindern einer benachbarten Bauernfamilie, die neben dem Nutzvieh verschiedene Haustiere hält. Dort wird er zum Tierfreund und spricht davon, dass er später Bauer werden möchte. [2]
ab ca. 1928 Josef Gaus besucht das Kollegium im nahe seines Wohnhauses gelegenen Kapuzinerkloster Appenzell. Die letzten Gymnasialjahre bis zur Matura absolviert er im Kollegium Stans. [3]
ca. 1935 Da er sich zur Medizin hingezogen fühlt, schreibt Gaus sich an der medizinischen Fakultät der Universität Basel ein mit dem Nebenziel, als Deutscher in Basel leichter zum Schweizer Bürgerrecht zu kommen als in Appenzell, wo die Landsgemeinde über Einbürgerungen befindet. [4]
1938 Josef Gaus erhält das Basler und damit auch das Schweizer Bürgerrecht. [5]
1939 An der medizinischen Fakultät der Universität Basel besteht Josef Gaus das erste propädeutische Examen. [6]
1941 Er besteht das medizinische Staatsexamen und arbeitet danach als Assistenzarzt in verschiedenen Kliniken. [7]
1951 Josef Gaus erhält das zugerische Arztpatent. [8]
Inserat zur Praxiseröffnung in der Zugersee Zeitung, 01.02.1952
1952
Er eröffnet am 2. Februar im neu erstellten Haus an der Luzernerstrasse 22 eine eigene Allgemeinpraxis mit dem Spezialgebiet Angiologie (Arterien- und Venenleiden des Beines). Er praktiziert in Cham 31 Jahre. [9]
Da er als Arzt viele Hausbesuche macht, lernt er die Landschaft des Ennetsees, des Freiamtes und die schmucken Bauerndörfer am Fuss des Albis kennen und schätzen. [10]
1953 Dr. med. J. Gaus, Cham, wird Mitglied der Schweizerischen Bibliophilen-Gesellschaft. [11]
Die Praxisassistentinnen von Josef Gaus
1982
Josef Gaus übergibt seine Praxis an der Luzernerstrasse 22 an Dr. med. Bernhard Rüegger. [12]
1991 Zur 700–Jahr–Feier der Eidgenossenschaft werden im Villette–Park Kunstobjekte platziert. Josef Gaus stiftet eine Skulptur von Françoise Nussbaumer auf der Halbinsel am Westrand des Parks. [13]
Die von Josef Gaus gestiftete Skulptur von Françoise Nussbaumer im Villettepark
2001
Josef Gaus stirbt am 6. Dezember 86-jährig. [14]
Würdigung
«Vor allem aber brachte ihm der Kontakt mit den vielen betreuten Familien sowie mit deren Freuden und Sorgen grosse Genugtuung an seinem schönen Beruf, den er zum Wohl der Bevölkerung von Cham während 31 Jahren ausübte. Die Tätigkeit als Arzt erfüllte Dr. Gaus mit grosser Freude und gab ihm Kraft, die Schwierigkeiten des Lebens, die auch ihm nicht erspart blieben, durchzustehen und daran nicht zu zerbrechen. Aber das Arztsein allein genügte ihm nicht. Er war ein Mensch mit hoher Kultur. Sein gepflegtes Heim in der Huob stattete er mit hochrangigen Kunstgegenständen, vor allem mit Bildern, sehr geschmackvoll aus. Besonders aber konnte er sich für die Musik begeistern. In der Gymnasialzeit und als Assistenzarzt spielte er als Violinist in verschiedenen Ensembles. Als viel beschäftigter Arzt musste er sich vermehrt auf das passive Zuhören beschränken. Er legte sich eine reichhaltige CD-Sammlung an, besuchte viele Konzerte und vertiefte sich in die Biografien der grossen Komponisten.» [15]
Josef Gaus im Alter
«In den letzten Jahren wurde es ruhiger um Dr. Gaus. Altersbeschwerden schränkten ihn in der Beweglichkeit stark ein. Besonders hart traf den Vielleser die zunehmende Sehbehinderung bis zur fast völligen Erblindung. Seine Sorge galt bis zuletzt seinen vier Kindern und deren Wohlergehen. Mit deren Hilfe und mit dem liebevollen Einsatz verschiedener Helferinnen konnte sein Wunsch, den Lebensabend daheim zu verbringen und nicht in ein Pflegeheim wechseln zu müssen, in Erfüllung gehen. Sein Tod am 6. Dezember 2001, dem er mit viel Gottvertrauen entgegensah, bedeutete für ihn Erlösung.» [16]
Einzelnachweise
- ↑ Luzerner Zeitung, 19.01.2002; Schweizerisches Handelsamtsblatt, 47 (1929), S. 846
- ↑ Luzerner Zeitung, 19.01.2002
- ↑ Luzerner Zeitung, 19.01.2002
- ↑ Luzerner Zeitung, 19.01.2002
- ↑ Luzerner Zeitung, 19.01.2002
- ↑ Oberegger Anzeiger, 13.10.1939
- ↑ Luzerner Zeitung, 19.01.2002
- ↑ Bibliothek Zug, Zuger Personen- und Sachkatalog von Ernst Zumbach
- ↑ Luzerner Zeitung, 19.01.2002
- ↑ Luzerner Zeitung, 19.01.2002
- ↑ Mitteilungsblatt der Schweizerischen Bibliophilen-Gesellschaft, Band: 10 (1953), S. 144
- ↑ Nidwaldner Tagblatt, 05.02.1982
- ↑ freundliche Mitteilung von Bernhard Rüegger, Nachfolger in der Arztpraxis von Josef Gaus, [08.09.2026]
- ↑ Luzerner Zeitung, 19.01.2002
- ↑ Heinrich Baumgartner, Nachruf auf Josef Gaus, Luzerner Zeitung, 19.01.2002
- ↑ Heinrich Baumgartner, Nachruf auf Josef Gaus, Luzerner Zeitung, 19.01.2002