Chronik 1951

Aus Chamapedia

Die Sommernachtspiele im Hirsgarten sind der Höhepunkt des Jahres 1951 in Cham: Rund 40'000 Besucher zählt die Aufführung «Eine Nacht in Venedig». Die Musikgesellschaft Cham erhält eine Uniform und feiert dies mit einem dreitägigen Fest im Hirsgarten. Erstmals findet in Cham eine Modeschau statt.

Januar

1. Januar Der Pfarreiabend im Kreuzsaal ist gut besucht und erfreut die Zuhörerschaft mit einem gediegenen Programm. Speziellen Anklang finden die Lichtbilder aus dem Pfarreileben, vorgeführt von Pfarrer Josef Muff (1905–1994), ebenso die beiden Theaterstücke und die vorgetragenen Lieder des Kinderchors. [1]

6. Januar In letzter Zeit machen verschiedene Wildschweine das untere Gemeindegebiet unsicher. Jäger erlegen vier dieser Borstentiere. Und schon bald, am 6. und 7. Januar, bietet sich die Gelegenheit, einen feinen Wildsaupfeffer als Spezialität im Restaurant Rebstock in Hagendorn zu versuchen. [2]

12. Januar Einmal mehr befasst sich der Einwohnerrat mit der zu schmalen Knonauerstrasse. In einer Eingabe an den Regierungsrat fordert er, die Strasse sei in Anbetracht des zunehmenden Verkehrs auf sieben Meter zu verbreiten; ebenso sei das Strassenstück «Hirschen» bis zum Haus der Familie Boog besser auszubauen. [3]

14. Januar 300 Stimmberechtigte genehmigen an der Gemeindeversammlung im «Neudorf» das Budget 1951. Für neue Uniformen und Instrumente erhält die Musikgesellschaft Cham einen Beitrag von 6'000 Franken. Zustimmung findet der Antrag des Einwohnerrats, das Gebiet Schellenmatt im Quartier Enikon von einer Zone Grünfläche in eine Zone Wohnen 3 zu ändern. [4]

Gleich zwei Unfälle ereignen sich am Sonntagabend in der Kurve beim Hotel / Restaurant Bären, bei welchen aber glücklicherweise nur Sachschaden entsteht. Die Unfälle seien wohl auf die schlechten Strassenverhältnisse zurückzuführen. Die Zugersee Zeitung ergreift die Gelegenheit, «auf einen Übelstand» hinzuweisen: «Leider ist der Platz beim Hotel Bären rechts der Strasse über die Lorzenbrücke bis zum ehemaligen Portier-Eingang des Nestlé-Areals für den Autopark freigegeben. [ … ] Wenn sich nun aber an gewissen Tagen bis zum Beginn der Kurve hier Auto an Auto reiht und wenn sich darunter noch grosse Cars befinden, ist dieser Parkierungsstreifen nicht mehr mit der notwendigen Sicherheit für die Verkehrsleitung vereinbar. Dies in umso vermehrtem Masse, als auch die Abzweigung nach Sins sich unmittelbar dort kreuzt. Es wäre zu untersuchen, ob hier nicht eine teilweise Verbesserung angestrebt werden könnte.» [5]


Februar

Im Februar kann das Teppichhaus Gärtner auf sein 20-jähriges Bestehen zurückblicken. Der heutige Geschäftsinhaber, Jakob Gärtner, eröffnet im Februar 1931 im ehemaligen Konsum Wolf einen Laden für Linoleum-Bodenbeläge. Das Geschäft entwickelt sich, und die Firma Gärtner bezieht 1937 ein neues Geschäftslokal an der Schulhausstrasse 2. Gleichzeitig erweitert er das Sortiment um Teppiche und Vorhänge. Im Frühjahr 1947 steigt sein Sohn Ernst in das Geschäft ein. [6]


Das Haus an der Schulhausstrasse 2, in welches 1937 das Teppichhaus Gärtner zügelte, undatierte Aufnahme


2. Februar Der Regierungsrat bestimmt die Friedensrichter für Cham: Werner Frey (1913–1996), Ing. agr., Hammer, Cham, und als Stellvertreter Gustav Thüring (1894–1980). [7]

16. Februar Die Schiessanlage Enikon darf aus Sicherheitsgründen nicht mehr benutzt werden, und eine neue Anlage lässt auf sich warten. Deshalb hat der Einwohnerrat die Stadtzuger Schiessanlage Choller als Provisorium für das obligatorische Schiessen organisiert. [8]


Das ehemalige Schützenhaus an der Hünenbergerstrasse, undatierte Aufnahme


Die Zugersee Zeitung thematisiert ihrerseits das «Schützenhaus-Problem» in einem grossen Artikel auf der ersten Seite. Ernüchtert hält der anonyme Verfasser fest, niemand hätte voraussehen können, dass die vor «ein paar Jahrzehnten» erbaute Schiessanlage Enikon an der Hünenbergerstrasse und damals an der Peripherie von Cham dereinst den Anforderungen nicht mehr genüge, in technischer wie räumlicher Hinsicht. Die Behörde sucht nach alternativen Standorten und sondiert Landkäufe. Zwei Standorte stehen im Vordergrund: im Pfad und in Hagendorn-Will. Sorgen bereiten der Gemeinde die Kosten. Jedenfalls könne sich Cham eine Anlage, wie sie die Stadt Zug kürzlich in der Kollermühle für rund 240'000 Franken realisierte, keinesfalls leisten. [9]


März

Cham erhält Anfang März erstmals «Stopp-Strassen», also Strassen, die mit einem Stopp-Signal enden. Die Einführung geht auf einen Bundesbeschluss vom 28. Juni 1949 zurück. Zwei Stoppsignale werden bei den Lokalstrassen Bahnhofstrasse in die Luzernerstrasse und Rigistrasse in die Sinserstrasse (Nähe der protestantischen Kirche) angebracht. Zwei weitere Signale werden bei ausschliesslich Kantonsstrassen montiert: von der Hünenbergerstrasse in die Luzernerstrasse und von der Knonauerstrasse in die Zugerstrasse. [10]

4. März In Cham entschläft im Alter von 70 Jahren der durch seine kunstgewerblichen Arbeiten weitbekannte Spenglermeister Carl Ritter (1880–1951). Der Verstorbene war von 1926 bis 1941 Mitglied des Bürgerrates von Cham und hatte auch am gesellschaftlichen Leben der Gemeinde lebhaften Anteil genommen. [11]

11. März Die katholische Kirchgemeindeversammlung Cham-Hünenberg behandelt den geplanten Steuerausgleich unter den zugerischen Kirchengemeinden und lehnt ihn einmütig ab. [12]


April

5. April In Cham findet erstmals eine Modeschau statt: Zehn führende Geschäfte der Textil- und Modebranche zeigen im «Bärensaal» die «neuen Créationen des Frühlings und Sommers 1951». Marty Angst kommentiert in ihrer sympathischen, fröhlichen Art die verschiedenen Modelle. Als Einlagen gibt der Schlagersänger Roy Charell seine Chansons zum Besten. [13]

6. April Die Nestlé-Alimentana A.G. schenkt der Gemeinde Cham ein Stück Land von über 7000 Quadratmetern in der Scheuermatt an der Zugerstrasse, das für die Errichtung einer öffentlichen Parkanlage bestimmt ist. [14]

12. April Am Donnerstagabend um 17 Uhr erschiesst, vermutlich in einem Anfall von seelischer und geistiger Verwirrung, der 39-jährige Eduard Wyss, Landwirt, mit dem Karabiner seine 58-jährige Mutter, Frau Witwe Ottilia Wyss-Hegglin. Schon seit längerer Zeit herrscht zwischen Sohn und Mutter ein gespanntes Verhältnis, das nun zu diesem tragischen Abschluss geführt hat. Das Bedauern mit der schwer geprüften Familie, die vor einiger Zeit infolge Brandstiftung schon ihr Heimwesen zum Teil verloren hat, ist allgemein. Der Täter, welcher bei Begehung der Tat unter Alkoholeinfluss gestanden hat, ist in Untersuchungshaft gesetzt worden. [15]


Im Neudorfsaal findet die Ziehung der interkantonalen Landeslotterie statt – ein Ereignis, das mit einem grossen Unterhaltungsprogramm verbunden ist: mit der Chamer Sopranistin Ruth Pache, dem Conférencier Peter W. Staub und der Musikgesellschaft Cham. Gemeindeschreiber Alois Bühlmann (1914–1998) amtet als Urkundsperson. Zutritt haben alle, die ein gültiges Los besitzen. Das Los mit der Zahl 627'493 gewinnt den ersten Preis mit 50'000 Franken. [16]

14. April Der Chamer J. J. Bühlmann (1919–2005) ist bei einer Aufführung im Casino Zug Hauptdarsteller im Stück «Der schwarze Schuhmacher». [17]

16. April Am Montag um 23 Uhr wird zwischen Zug und Cham der 54 Jahre alte Fabrikarbeiter Friedrich Eymann, der mit dem Motorrad aus unbekannten Gründen auf einen Pfosten auf der linken Strassenseite gestossen war, tot aufgefunden. Eymann war Familienvater und wohnte in Zug. [18]

17. April Kurz vor 1 Uhr morgens schlägt ein Dieb die Eingangstüre der Chamer Filiale des Konsum Denner mit einem grossen Stein ein. Er erbeutet eine kleine Menge von Esswaren. Der in der Kasse liegende Barbetrag bleibt unangetastet, weil der Dieb in seinem Vorhaben wohl gestört wird. Eine Polizeistreife verhaftet ihn, einen Ausländer, bei einem weiteren Einbruchsversuch in Zug in der gleichen Nacht. [19]


Mai

5. Mai Die im «Bären» in Cham stattfindende Generalversammlung der Dampfschifffahrtsgesellschaft für den Zugersee nimmt Kenntnis von dem wegen der Witterungsverhältnisse ungünstigen Abschluss für 1950, der einen Passivsaldo von über Fr. 13'000.– mit sich bringt. [20]

19. bis 21. Mai Die Musikgesellschaft Cham verbindet ihre Neuuniformierung mit einem grossen Fest, das von Samstag bis Montag in einem 1200 Personen fassenden Festzelt im Hirsgarten stattfindet. Die Besucher erwartet ein umfangreiches Festprogramm mit Unterhaltung und Vorträgen der Musikgesellschaft Cham und der Stadtmusik Luzern wie auch mit einem Dialekt-Festspiel. Das OK führt Einwohnerrat Alfred Stöckli (1902–1964) an, der an seiner Seite Musikgesellschafts-Präsident Max Schnurrenberger (1905–1974) und ein hochkarätiges OK um sich weiss. [21]

Uniformenweihe 1951: Parade auf der Bahnhofstrasse


Juni

4. Juni Eine 70 Personen zählende Reisegesellschaft aus Linz campiert in 17 Zelten beim Strandbad und wird am Abend von sintflutartigen Regenfällen überrascht. Das Gewitter spielt den Gästen übel mit und beschädigt die Zelte. Sie sind gezwungen, in 18 Kabinen des Strandbads Zuflucht zu suchen. [22]

10. Juni Die von 200 Stimmberechtigten besuchte Gemeindeversammlung im «Neudorf» lehnt eine Motion ab, die eine Erhöhung der Skontoabzüge um zwei auf drei Prozent forderte. Angenommen wird dagegen eine Motion, die eine Urnenabstimmung für Kreditbegehren ab 50'000 Franken verlangt. Auch soll über gemeindliche Reglemente abgestimmt werden können. Die Versammlung genehmigt einen Schenkungsvertrag zwischen der Nestlé Alimentana S.A., Vevey: Diese schenkt der Gemeinde ein Grundstück von 7348 m² im Wert von 134'000 Franken in der Scheuermatt (heute: Wiese entlang der Zugerstrasse bei Schulhaus Städtli). [23]

16. Juni Um 9 Uhr schlägt der Blitz in die Scheune des Landwirts Josef Peter im Moos. Sofort entwickelt sich ein Brand, dessen Entstehung jedoch vom Besitzer, der mit dem Knecht in der Scheune beschäftigt ist, nicht bemerkt wird, bis ein weiterer Knecht, der an einem anderen Ort arbeitet, Alarm schlägt. Die Scheune brennt mit allen Vorräten vollständig nieder. Das Vieh kann indessen gerettet werden. Die Zugersee Zeitung bemerkt, dass bereits 1919 die Scheune des Vaters von Josef Peter ein Raub der Flammen wurde. [24]

21. Juni Die Tour de Suisse fährt von Luzern über Cham nach Zug und weiter ins Wallis. [25]

22. Juni Im Hirsgarten haben vor einer Woche die Proben für die Freilichtspiele mit der Aufführung «Eine Nacht in Venedig» begonnen. Der erstmalige Anlass ist Dorfgespräch Nummer 1. Für Aufsehen sorgt das 48 Seiten starke Programmheft, welches Cham von seiner besten Seite zeigt. [26]


Juli

1. Juli Die Premiere der Freilichtspiele mit der Straussoperette «Eine Nacht in Venedig» verläuft glanzvoll und bei schönstem Wetter. Die musikalische Leitung teilen sich der Chamer Otto Wolf (1911–1970) sowie Herr Cao, der Vizedirigent des Stadttheaters St. Gallen. Die zwei Bühnen stehen im Wasser, die Tribüne befindet sich im Hirsgarten; sie fasst 3000 Personen. Als Dirigent wirkt Xaver Osterwalder vom Stadtorchester Winterthur. [27]


Eine Aufführung der besonderen Art: «Eine Nacht in Venedig», 1951


8. Juli Der Sonntag ist ein sehr heisser Tag, weshalb im Strandbad Cham Hochbetrieb herrscht: Über 500 Eintritte werden gezählt. Autos aus den Nachbarkantonen Zürich, Luzern und Aargau «stehen in einer langen Schlange vor dem Strandbad». Die Wassertemperatur beträgt 23 Grad. [28]

27. Juli Die Kirschenernte 1951 fällt durchzogen aus. Das regnerische Wetter wirkt sich negativ auf die Qualität der Kirschen aus, weshalb ein grosser Teil der Ernte ins Fass wandert. Im Städtligebiet spritzen die Bauern erfolgreich gegen die gefürchtete Kirschfliege. [29]

29. Juli Im Strandbad Cham ertrinkt der 25-jährige Johann Matter aus Affoltern a. A. infolge eines Herzschlags. Die sofort eingeleiteten Wiederbelebungsversuche bleiben erfolglos. Der Verunglückte hinterlässt seine Frau und zwei Kinder. [30]


August

1. August Viele Vereine wirken an der 1.-August-Feier im Hirsgarten mit, wo Einwohnerrat Josef Stutz (1903–1984), Konservative Partei, die Ansprache hält. [31]

5. August Die Sommernachtspiele enden mit der 20. Aufführung. Sie haben mit insgesamt etwa 40'000 Besuchern einen Erfolg, der alle Erwartungen übertrifft. Neben dem grossen künstlerischen Erfolg kommt die Theatergesellschaft Cham auch materiell auf ihre Rechnung. [32]

Die Musikgesellschaft Cham reist nach Somvix GR, um der Musikgesellschaft Sumvitg/Cumpadials die ausgemusterte grüne Uniform zu schenken. Zum Dank ernennen die Somvixer die MG Cham zum Ehrenmitglied. [33]

12. August Cham beherbergt 43 auf einer Schweizerreise befindliche Gesellen aus der bayerischen Stadt Cham in der Oberpfalz. [34]

26. August Die vom Leichtathletik-Klub Zug organisierte 26. Schweizerische Marathon-Meisterschaft endet tragisch: Der 36-jährige Läufer Jakob Jutz (1915–1951) bricht während des Laufs in der Nähe des Alpenblicks tot zusammen. Eine Herzlähmung verursacht den Tod des in Cham aufgewachsenen Läufers. [35]


September

7. September Am Bettag-Sonntag «ergiesst sich ein gewaltiger Strom von Fahrzeugen aller Art, vom Auto über Motorrad bis zum Fahrrad, über die Strassen unseres Dorfes», obschon sämtliche sportlichen Veranstaltungen ruhen. Am Abend kehrt der Verkehr zurück. Eine inoffizielle Zählung während der kurzen Zeitspanne von nur fünf Minuten ergibt gegen 40 Autos, 8 Cars und 25 Motorräder. [36]

Am Abend geht ein heftiges Gewitter über Cham mit Blitz, Donner und sintflutartigem Regen. Durchs Dorf ziehen reissende Bäche. Der Blitz schlägt in verschiedene Gebäude ein, glücklicherweise ohne zu zünden. [37]

14. September Cham erhält einen fünften Arzt: Dr. med. Josef Gaus (1915–2011) wird seine Praxis im Neubau an der Luzernerstrasse 22 eröffnen (im Januar 1952), wie der Einwohnerrat mitteilt. [38]


Das Haus Luzernerstrasse 22 befindet sich im Bau; Anfang 1952 zieht dort auch die Migros Cham mit einem ersten Laden in Cham ein


23. September Die Motorfahrerabteilung des Radfahrervereins Cham-Hagendorn führt ihre traditionelle Fuchsjagd mit Motorrädern in den Aussengebieten durch. Start ist beim «Lindenhof» in Lindencham. Am 21. Oktober findet auch für Velofahrer eine Fuchsjagd statt: Sie führt «durch Wald und Flur und erhält dadurch den Charakter eines Orientierungslaufs». [39]

30. September Das Strandbad Cham verzeichnet Ende Saison 12'140 Eintritte, ein relativ gutes Ergebnis, auch weil das Wetter oft nicht zum Baden einlud. Im Mai und Juni war der Besuch eher mager, in der ersten Julihälfte herrschte oft Hochbetrieb, im August brach die Besucherzahl ein. Der 22. Juli verzeichnete mit 816 Eintritten die grösste Besucherzahl. 1950 besuchten 15'108 und 1949 16'672 Besucher die Badi. Die Einnahmen blieben wegen der Erhöhung der Eintrittspreise für auswärtige Gäste stabil. 65 bis 70 Prozent aller Strandbadbesucher stammten von auswärts. [40]


Oktober

1. Oktober Der Coiffeursalon im Kreuz hat den Besitzer gewechselt: M. Henggeler übernimmt den Betrieb von Paul Stäuble, der während 13 Jahren der «Barbier» im «Kreuz» war. Stäuble hat sich auch einen Namen als Laien-Theaterspieler gemacht. Aus eigener Initiative und Freude am Theater hat er eine Theatergruppe Stäuble gebildet. [41]

3. Oktober Die längst ersehnte Ausbesserung der Luzernerstrasse beim Restaurant Ritter ist in Angriff genommen worden. Ein Oberflächenbelag wird den Radfahrern dieses «berüchtigte Strassenstück» endlich angenehmer befahrbar machen. [42]

15. Oktober Seit Mitte Oktober sprechen Schwindler in Familien vor und werben für Handharmonika-Unterricht, mit angeblichen Empfehlungen der Lehrerschaft. Die Unbekannten lassen sich vorausbezahlen, zum Teil bis zu 100 Franken, und verschwinden nachher auf Nimmerwiedersehen. Sie sprechen Bernerdialekt. [43]

16. Oktober Das Haushaltswarengeschäft Locher baut das Haus um und erstellt eine neue Porzellan- und Haushaltsabteilung. Am 26. und 27. Oktober findet ein Tag der offenen Tür mit einem Wettbewerb statt: Die Besucher dürfen bestimmen, was ihnen am besten gefällt – es ist das Service von Hutschenreuther (117 Stimmen), gefolgt von Langenthal (74) und Rosenthal (42). Zehn der elf Gewinnerinnen sind Frauen. [44]

18. Oktober In Cham stirbt Lehrer Josef Stocker (1885–1951), der während 39 Jahren in Cham unterrichtete. Während 22 Jahren ist er Mitglied des Männerchors Cham. Auch ist er langjähriger Präsident des zentralschweizerischen Männerchor-Verbandes. [45]

19. Oktober Die Pfarrkirche St. Jakob erhält nach 35 Jahren eine neue Heizung, die Mitte November einsatzbereit sein wird. Anstelle der Kohleheizung wird eine Ölheizung eingebaut. [46]

16. Oktober Das Haushaltswarengeschäft Locher baut das Haus um und erstellt eine neue Porzellan- und Haushaltsabteilung. Am 26. und 27. Oktober findet ein Tag der offenen Tür mit einem Wettbewerb statt: Die Besucher dürfen bestimmen, was ihnen am besten gefällt – es ist das Service von Hutschenreuther (117 Stimmen), gefolgt von Langenthal (74) und Rosenthal (42). Zehn der elf Gewinnerinnen sind Frauen. [47]


November

23. November Seit letzter Woche sucht ein Dieb Bauernhöfe in Grindel, Friesencham und Spiess heim. Glücklicherweise fallen ihm keine namhaften Geldbeträge in die Hände. Die Spuren seiner Gummistiefel – übrigens gestohlenen – führen nach Gisikon-Root, wo er ebenfalls drei Einbrüche verübt. Bis heute kann der Einbrecher noch nicht gefasst werden. [48]

24. November Die Chamer Weihnachtsausstellung (WEA) vom 24. November bis 2. Dezember findet in anderer Form statt: Statt der grossen Ausstellung in der Turnhalle Kirchbühl wird ein Schaufensterwettbewerb veranstaltet. In den Schaufenstern von 22 Geschäften stehen Fragen, die zu beantworten sind. Über 1200 Personen nehmen daran teil, aber niemand erreicht die höchste Punktezahl von 44. Zwei Teilnehmer schaffen 39 Punkte. 100 Gewinner erhalten Warengutscheine zwischen 300 und 5 Franken. [49]


Inserat für die Weihnachtsausstellung 1951, Zugersee Zeitung


28. November Eigentlich hätte an diesem Tag wie immer der Chomer Märt stattfinden sollen – doch fällt er dieses Jahr aus: Im Kanton Zug geht die Maul- und Klauenseuche um, weshalb die Durchführung des Marktes verboten wird. Die Chamer Wirte schalten ein Inserat und versichern, ihren Gästen an diesem Tag trotzdem «das Beste aus Küche und Keller zu bieten». Die Musikgesellschaft Cham sagt ihr Herbstkonzert wegen der Seuche ab. [50]


Dezember

9. Dezember Die Bürgergemeindeversammlung nimmt Kenntnis von einer Spende der Papierfabrik Cham AG im Betrag von 100'000 Franken für das Asyl zum Andenken an den verstorbenen Ehrenbürger von Cham, Oberst Richard Vogel. Weiter bewilligt sie einen Kredit von 10'000 Franken für die Projektierung eines Asylerweiterungsbaus. Der Zahnarzt Dr. Heinz Ritter wird als neuer Rechnungsrevisor gewählt. [51]

16. Dezember Die Einwohnergemeindeversammlung im «Neudorf» stimmt einem Antrag des Rates zu, wonach das Polizeiamt nicht öffentliche Tanzanlässe an Samstagen «unter Bedingungen» bewilligen darf. Zustimmung findet ein Antrag des Einwohnerrats, die Teuerungszulage für Verheiratete und Pensionierte, nicht aber für Ledige, von 20 auf 30 Prozent zu erhöhen. Das Budget für 1952 ist ausgeglichen. Der Rat rechnet mit zusätzlichen Steuereinnahmen von 30'000 Franken und beantragt eine Steuersenkung von 130 auf 120 Prozent, der zugestimmt wird. Zur Sprache kommen die «unhaltbaren Zustände» auf der Rigistrasse; der Rat stellt in Aussicht, dass die Strasse in naher Zeit entstaubt wird. [52]


Die neuen Rabattmarken aus dem Jahre 1951


21. Dezember Der Rabattverein Cham gibt neue Rabattmarken heraus, die von Robert Nussbaumer (1928–1998) vom gleichnamigen Merceriegeschäft gestaltet sind. Als Motive kommen die Kirche St. Wolfgang, Hünenberg (1-Franken-Marke), die Kirche St. Verena, Risch (5-Franken-Marke) und das Castellino bei St. Andreas, Cham (10-Franken-Marke), zur Anwendung. [53] Die ersten Marken stammen aus dem Jahre 1923 und sollen die Menschen anregen, in Cham einzukaufen: Für einen Einkauf von 200 Franken in einem Chamer Geschäft erhält man eine Marke von 10 Franken, die man bei der Zuger Kantonalbank auszahlen lassen kann. [54]

Seit einigen Tagen herrscht in Cham trübes, regnerisches und nebliges Wetter. Während der Nacht und am Morgen sind die Trottoirs meistens gefroren. Gleich fünf Autounfälle werden registriert, von denen vier glimpflich verlaufen. [55]

Der Einwohnerrat ordnet an, die Einrichtunge im alten Schiessstand Enikon abzubrechen, um ihn künftig als Magazin- und Lagerraum zu verwenden. [56]

Die Schulkommission unterstützt die Einführung einer Sportwoche jeweils im Februar. [57]

31. Dezember Der Stationsvorsteher des Bahnhofs Cham, E. Blaser, tritt nach 45-jähriger Dienstzeit in den Ruhestand. Sein Nachfolger ist Stephan Arnet. [58]


Einzelnachweise

  1. Zugersee Zeitung, 05.01.1951
  2. Zugersee Zeitung, 05.01.1951
  3. Zugersee Zeitung, 26.01.1951
  4. Zugersee Zeitung, 12.01.1951, 19.01.1951
  5. Zugersee Zeitung, 19.01.1951
  6. Zugersee Zeitung, 02.03.1951
  7. Zugersee Zeitung, 06.02.1951
  8. Zugersee Zeitung, 02.03.1951
  9. Zugersee Zeitung, 16.02.1951
  10. Zugersee Zeitung, 16.03.1951
  11. Zuger Kalender, 1951, aufgerufen auf www.halle44.ch/zuger-chroniken
  12. Zugersee Zeitung, 16.03.1951
  13. Zugersee Zeitung, 13.04.1951
  14. Zugersee Zeitung, 20.04.1951
  15. Zugersee Zeitung, 13.04.1951
  16. Zugersee Zeitung, 06.04.1951, 13.04.1951
  17. Zugersee Zeitung, 20.04.1951
  18. Zugersee Zeitung, 20.04.1951
  19. Zugersee Zeitung, 20.04.1951
  20. Zugersee Zeitung, 10.05.1951
  21. Zugersee Zeitung, 18.05.1951
  22. Zugersee Zeitung, 08.06.1951
  23. Zugersee Zeitung, 10.06.1951
  24. Zugersee Zeitung, 22.06.1951
  25. Zugersee Zeitung,
  26. Zugersee Zeitung, 22.06.1951
  27. Zugersee Zeitung, 06.07.1951
  28. Zugersee Zeitung, 13.07.1951
  29. Zugersee Zeitung, 27.07.1951
  30. Zugersee Zeitung, 03.08.1951
  31. Zugersee Zeitung, 03.08.1951
  32. Zugersee Zeitung, 10.08.1951
  33. Zugersee Zeitung, 17.08.1951, 31.08.1951
  34. Zugersee Zeitung,
  35. Zugersee Zeitung, 31.08.1951
  36. Zugersee Zeitung, 21.09.1951
  37. Zugersee Zeitung, 21.09.1951
  38. Zugersee Zeitung, 14.09.1951
  39. Zugersee Zeitung, 21.09.1951 und 19.10.1951
  40. Zugersee Zeitung, 07.09.1951
  41. Zugersee Zeitung, 05.10.1951
  42. Zugersee Zeitung, 05.10.1951
  43. Zugersee Zeitung, 23.11.1951
  44. Zugersee Zeitung, 19.10.1951
  45. Zugersee Zeitung, 26.10.1951
  46. Zugersee Zeitung, 19.10.1951
  47. Zugersee Zeitung, 19.10.1951
  48. Zugersee Zeitung, 23.11.1951
  49. Zugersee Zeitung, 23.11.1951, 07.12.1951
  50. Zugersee Zeitung, 16. und 23.11.1951
  51. Zugersee Zeitung,
  52. Zugersee Zeitung, 14. und 21.12.1951
  53. Zugersee Zeitung, 21.12.1951
  54. Werder, Charly, Wer? der Charly, Familienchronik über drei Generationen mit angegliederter Biografie und illustren Kurzgeschichten zum Zeitgeschehen der vergangenen 170 Jahre, Cham 2017, S. 14
  55. Zugersee Zeitung, 21.12.1951
  56. Zugersee Zeitung, 04.01.1952
  57. Zugersee Zeitung, 04.01.1952
  58. Zugersee Zeitung, 26.10.1951