Blum Josef (1901–1983)

Aus Chamapedia

Portrait fehlt

Es ist kein Portrait dieser Person verfügbar.

Namens­zusatz: Kaplan
Vorname: Josef
Nachname: Blum
Geschlecht: männlich
Geburts­datum: 21. Juni 1901
Geburt­sort: Dagmersellen LU
Todes­datum: 12. Dezember 1983
Todes­ort: Luzern LU
Beruf: Katholischer Priester
Amt: Kaplan in St. Andreas
Religion: römisch-katholisch

Der Luzerner Josef Blum war von 1929 bis 1932 Kaplan in St. Andreas, bevor er zum Pfarrer in Vitznau gewählt wurde. 1939 wählten ihn die Kirchgenosssen von Cham–Hünenberg gegen den Willen des Kirchenrats mit grosser Mehrheit zum Pfarrer. Der Kirchenrat annulierte diese Wahl, was zu grosser Missstimmung und tumultartigen Szenen führte.



Stationen

1901 Josef Blum wird am 21. Juni in Dagmersellen LU geboren. [1]

1920er–Jahre Blum studiert in Sarnen, Innsbruck und Luzern. [2]

1926 Blum wird am 11. Juli zum Priester geweiht, anschliessend wird er Vikar in Reussbühl LU. [3]

1927–29 Blum ist Pfarrhelfer in Reussbühl (LU). [4]

1929 Josef Blum wird zum Kaplan in St. Andreas gewählt. [5] Er bleibt drei Jahre auf diesem Posten.

1932 Blum wird Pfarrer in Vitznau LU. [6]

1939 Kurz nach dem plötzlichen Tod von Anton Müller (1878–1939) am 16. August soll in Cham ein neuer Pfarrer gewählt werden. Die Kirchgenossen wählen den ehemaligen Kaplan in St. Andreas, Josef Johann Blum, nun Pfarrer in Vitznau, dessen Kandidatur der Kirchenrat ausdrücklich nicht unterstützt hatte. Der Kirchenrat wendet sich an Bischof Franziskus von Streng (1884–1970), worauf Pfarrer Blum eine Verzichterklärung abgibt. [7]

Mitte Dezember wird erneut gewählt. 418 Stimmen fallen wiederum auf Pfarrer Blum, 178 auf Pfarrer Eberle, 90 auf Kaplan Muff und 8 auf Kaplan Heggli (1900–1972). Der Kirchenrat erklärt die Stimmen für Blum als ungültig. Darauf kommt es zu tumultartigen Szenen. [8]

Die Pfarrei Cham-Hünenberg bleibt ohne Pfarrer. Erst an der Kirchgemeindeversammlung vom 4. August 1940 wird Kaplan Muff zum Pfarrer gewählt. [9]

1967 Blum verlässt Vitznau und wird Kaplan in der Mariahilfkirche in Luzern. [10]

1974 Blum zieht sich zurück und lebt als Pfarrresignat in Luzern. [11]

1976 Blum feiert sein goldenes Priesterjubiläum. [12]

1983 Am 12. Dezember stirbt Josef Blum 82–jährig in Luzern. Der Beerdigungsgottesdienst findet in der Kapelle der Klinik St. Anna in Luzern statt, die stille Beisetzung auf dem Friedhof Friedental. [13]

Pressberichte zur turbulenten Pfarrerwahl von 1939

«Die katholische Kirchgemeinde Cham-Hünenberg hatte einen Pfarrer zu wählen. Vor einiger Zeit wurde in einer ersten Wahl aus drei Kandidaten J. Blum, Pfarrer in Vitznau, gewählt, dessen Kandidatur nicht die Zustimmung des Kirchenrates gefunden hatte, vom Volke aber durchgedrückt wurde. Deshalb viel Aufregung im Volk. Die Herren vom Kirchenrat liefen nach Solothurn zum Bischof, worauf Pfarrer Blum eine Verzichterklärung abgab. Der zweite Wahlgang fand am 17. Dezember in der Kirche statt. Der Kirchgemeindevorsitzende schlug wieder drei Kandidaten vor, Pfarrer Eberle in Perlen und die Kapläne Muff und Hegglin in Cham. Das Volk aber verlangte die Wiederwahl von Pfarrer Blum. Der Vorsitzende nahm den Vorschlag entgegen. Scharfe Worte fielen gegen den Kirchenrat, abgegeben von Kantonsräten, Intellektuellen und Arbeitern. Unter starkem Beifall wurde immer wieder erklärt, daß allein Pfarrer Blum das Vertrauen habe. Das Volk harrte eine Stunde lang vor der Kirche auf das Wahlergebnis. Das lautete, dass von 704 abgegebenen Stimmen 418 auf Pfarrer Blum entfielen, 178 auf Pfarrer Eberle, 90 auf Kaplan Muff und 8 auf Kaplan Hegglin. Nun erklärte aber der Präsident die für Pfarrer Blum abgegebenen Stimmen für ungültig; gewählt sei Pfarrer Eberle. Da stürzte die Menge nach vorn, umringte die Herren vom Kirchenrat, die den Zorn des Volkes über sich ergehen lassen mußten, der sich in lauten Protesten und Schimpfnamen Luft machte. Es entstand ein regelrechter Tumult (eine »kleine Revolution« nennt es der Berichterstatter). Der Kirchgemeinderatspräsident musste in sein nahegelegenes Haus flüchten. Das «Zuger Volksblatt» schreibt dazu: «Die Auslegung des Wahlergebnisses rief bei der Wählerschaft einen derartigen Sturm der Empörung hervor, dass sich die Wähler gegen den Kirchenrat wandten und ihm erklärten, eine derartige Auslegung des Wahlresultates verstosse gegen Treu und Glauben. Es wird gegen diese Auslegung offenbar beim Regierungsrat Beschwerde eingereicht werden.» Da scheinen in gewissen ultramontanen Kreisen merkwürdige Auffassungen über das Wesen der Demokratie zu herrschen. Bei einem Volk, dass sich alles bieten lassen würde, müsste man über solche Methoden Bedenken hegen. Nun haben die Chamer gezeigt, dass sie nicht zu diesen gehören und noch zu schimpfen und zu protestieren wissen, auch gegen hochobrigkeitliche Auffassungen. Das ist sehr erfreulich, weil das Beispiel zeigt, dass zwar mal ein Elefant ein Gartenbeet kaputt treten kann, dass aber doch der Sinn für Demokratie in unserem Volke noch lebt.» [14]

«Diese Wahl wurde letzten Sonntag unter heftiger Diskussion in der Pfarrkirche mit einer Liste von vier Kandidaten, u. a. auch Pfarrer J. Blum, vorgenommen. In Anwesenheit von 701 Stimmen fiel die Wahl mit 418 Stimmen wieder auf Pfarrer Blum, während auf Pfarrer Eberle (Perlen) 178, Kaplan Muff in Cham 90 und Kaplan Hegglin in Cham 8 Stimmen fielen. Vom Kirchenrat wurde darauf bekannt gegeben, Pfarrer Eberle von Perlen sei mit 178 Stimmen gewählt. Das nennt man nicht Demokratie, sondern Diktatur, die die Wähler wohl nicht annehmen werden. Von anderer Seite wird dieses sonderbare Wahlverfahren scharf verurteilt und dazu geschrieben: Es herrscht Totenstille. Der Präsident verkündet, alle für Pfarrer Blum abgegebenen Stimmen seien ungültilg. Demnach erreiche das absolute Mehr Pfarrer Eberle in Perlen, der hiemit als gewählt erklärt wird. Blitzschnell erhob sich die Menge, im Nu waren die Kirchenräte umzingelt. Sie mußten Schimpfnamen entgegennehmen. Das Volk pfeift, ruft, stampft, vergißt sich selbst, vergißt, daß es in einer Kirche ist, daß die Schimpfworte Mitbürgern, Ehrenmännern gelten. Alles drängt nach den Ausgängen. Wutentbrannt wird die Kirche verlassen, laut schimpfend und pfeifend und erregt, als wäre Jahrmarkt. [15]

Einzelnachweise

  1. Iten, Albert, Tugium Sacrum. Der Weltklerus zugerischer Herkunft und Wirksamkeit bis 1952, Stans 1952, S. 476
  2. Iten, Albert, Tugium Sacrum. Der Weltklerus zugerischer Herkunft und Wirksamkeit bis 1952, Stans 1952, S. 476
  3. Schweizerische Kirchenzeitung: Fachzeitschrift für Theologie und Seelsorge, Band 151 (1983), S. 746
  4. Schweizerische Kirchenzeitung: Fachzeitschrift für Theologie und Seelsorge, Band 151 (1983), S. 746
  5. Neue Zürcher Nachrichten, 26.01.1929
  6. Nidwaldner Tagblatt, 16. 12.1983
  7. Berner Tagwacht, 22.12.1939
  8. Berner Tagwacht, 22.12.1939
  9. Zuger Neujahrsblatt 1942, Chronik 08.09.1940
  10. Nidwaldner Tagblatt, 16. 12.1983
  11. Schweizerische Kirchenzeitung: Fachzeitschrift für Theologie und Seelsorge, Band 151 (1983), S. 746
  12. Schweizerische Kirchenzeitung: Fachzeitschrift für Theologie und Seelsorge, Band 144 (1976), S. 328
  13. Nidwaldner Tagblatt, 16. 12.1983
  14. Berner Tagwacht, 22.12.1939
  15. Der Landbote, 22.12.1939